
Dazu schreibt die SCHWÄBISCHE ZEITUNG. "Waldbrände im Hürtgenwald, im Harz, bei Plauen und in Süddeutschland sind ein Warnsignal. Deutschland muss sich besser auf solche Lagen vorbereiten. Dazu gehören klare Führungsstrukturen, schnelle Alarmierungswege und eine Ausstattung, die auch bei tagelangen Einsätzen trägt. Wenn bei Großschadenslagen Zuständigkeiten bremsen, wird aus Bürokratie ein Sicherheitsrisiko. Auch Löschflugzeuge dürfen kein Tabu sein. Andere Länder zeigen längst, welchen Wert sie im Ernstfall haben können. Doch die größte Schwachstelle ist nicht die Technik. Es sind fehlende Menschen. Schon heute kämpfen viele Freiwillige Feuerwehren mit Nachwuchsproblemen und mangelnder Tagesverfügbarkeit", konstatiert die SCHWÄBISCHE ZEITUNG aus Ravensburg.
Die RHEINISCHE POST vermerkt: "Im Ernstfall klappt es meist schon ganz gut. Der verheerende Waldbrand im Kreis Düren zeigt, wie unterschiedliche Behörden zusammenarbeiten und Amtshilfe etwa durch die Bundeswehr rasch organisiert wird. Und doch fragt man sich, warum etwa bis heute noch keine ordentlichen, bundesweiten Lagebilder bestehen, auf die alle staatlichen Ebenen zugreifen können. Es herrscht immer noch an vielen Stellen ein Denken in starren Zuständigkeiten" kritisiert die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf.
Wegen der Dürre fordert der Bauernverband für Landwirte Soforthilfen. Darauf geht die SÜDWEST PRESSE ein: "Der sehr heiße und trockene Sommer hat aus bis dahin gut wachsendem Weizen eine unterdurchschnittliche Getreideernte gemacht – und in einigen Regionen eine miserable. Mancherorts werden Tiere notgeschlachtet, weil das Futter fehlt. Und Landwirtschaftsminister Alois Rainer? Bekundet auf Bairisch, dass er es ja regnen lassen würde, wenn er könnte, begnügt sich aber sonst damit, auf die Lockerung des Lkw-Sonntagsfahrverbots zu verweisen, was ja der Landwirtschaft helfen würde. Mal davon abgesehen, dass wir über eine Maßnahme des Verkehrsministers und der Bundesländer reden: Ist das alles? Rainers Tatenlosigkeit ist auch deswegen bemerkenswert, weil die Folgen der Hitze den Süden besonders hart treffen – und damit auch Rainers bayerische Heimat, die noch für jeden CSU-Politiker wichtiger war als der Rest der Republik. Er erkennt damit zwei unbequeme Realitäten an: Rainer hat kein Budget für spürbare Hilfszahlungen – und nicht das politische Gewicht, um daran etwas zu ändern", analysiert die SÜDWEST PRESSE aus Ulm.
Wegen der niedrigen Pegelstände an den Flüssen kann die Binnenschifffahrt nur eingeschränkt Güter transportieren. Mehrere Bundesländer haben mit einer Lockerung der Sonntagsfahrverbote für LKW reagiert. Die TAZ führt aus: "Weit zielführender wäre es, den Schienengüterverkehr für den Transport von Massengütern in den Fokus zu nehmen und Lkws nur gezielt im kombinierten Verkehr als flexible Zulieferer für den klimafreundlicheren Verkehrsträger einzuplanen. Nur: Dafür braucht es stabile Infrastruktur. In Krisen wie dieser rächt sich, dass genau dort jahrelang gespart wurde. Aber Krisen wie diese bieten auch die Chance, Weichen für den Güterverkehr der kommenden Jahre zu stellen. Verkehrsminister Bilger kann sich nicht vorwerfen lassen, den Schienenverkehr gar nicht auf dem Schirm zu haben. Doch welche Prioritäten er setzt und für welchen Verkehrsträger er wie viel Geld springen lässt, wie gut er Klimaschutz mit wirtschaftlichem Gütertransport verzahnt bekommt – das wird er noch zeigenmüssen", fasst die TAZ zusammen.
Bundesumweltminister Schneider will den Klimaschutz als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz verankern. Damit befasst sich der Berliner TAGESSPIEGEL: "Unterstützt wird die Forderung von Klimaschützern und kommunalen Spitzenverbänden. Ihr Motiv ist offensichtlich:Viele Kommunen sind finanziell so überlastet, dass sie nicht mal in den Erhalt ihrer Infrastruktur investieren können – geschweige denn neue, ambitionierte Hitzeschutzpläne in Angriff nehmen. Sie hoffen auf Geld aus dem Bundeshaushalt. Dass der Umweltminister die Regierungsparteien davon überzeugen kann, die für eine Grundgesetzänderung notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit zu organisieren, gilt in Fachkreisen derzeit zwar als unwahrscheinlich. Inmitten der großen politischen Ideenlosigkeit verdient der Versuch aber Beachtung", findet der TAGESSPIEGEL.
ND DER TAG moniert: "Konkurrierende Einzelvorschläge machen die Runde, der Kanzler will überhaupt nichts zum 'Wetter' sagen und auch die Forderung des Umweltministers, die Klimaanpassung zur Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Ländern und Kommunen zu machen, ist nicht der große Wurf, um der Klimakrise angemessen zu begegnen. Einen großen Wurf bräuchte esaber, um nicht in der totalen Katastrophe zu enden."
Nun nach Afghanistan. Dort haben vor fünf Jahren die Taliban die Macht übernommen. Die FRANKFURTER RUNDSCHAU zieht Bilanz: "Für uns mag die Zeit schnell vergangen sein. Doch für Frauen in Afghanistan waren das fünf lange Jahre. Mehr als 100 Erlasse und Anordnungen wurden gegen Frauen und Mädchen verhängt. Ab 12 Jahren sind Mädchen aus den Schulen verbannt. Frauen dürfen nicht mehr studieren und sind aus weiten Teilen des Arbeitslebens gedrängt worden. Viele verlassen kaum noch das Haus. Gleichzeitig ist die Wirtschaft eingebrochen, das Gesundheitssystem kollabiert und Millionen Menschen hungern. Afghanistan ist Schauplatz einer der größten humanitären Krisen der Welt. Und was macht Deutschland? Die Bundesregierung verhandelt mit diesem Terrorregime, um Menschen abzuschieben. Zunächst waren es verurteilte Straftäter und sogenannte Gefährder. Inzwischen saß erstmals auch ein Mann in einem Abschiebeflug, der nicht straffällig geworden war", erinnert die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
"An den Taliban kommt man nicht vorbei", titelt die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG. "Die Bundesregierung hat sich die Kooperation der Taliban bei Abschiebungen dadurch erkauft, dass sie 'Konsularbeamten' des islamistischen Regimes die Kontrolle über Afghanistans diplomatische Vertretungen in Deutschland überlassen hat. Das kann man unappetitlich finden. Aber was ist die Alternative? Die Taliban kontrollieren das gesamte Territorium des Landes. Daran wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern. Es gibt keine ernst zu nehmende Widerstandsbewegung, die ihnen die Macht streitig machen könnte. Soll man ein Land mit 45 Millionen Einwohnern einfach als leeren Fleck auf der Landkarte behandeln? Damit würde man weder den Afghanen gerecht, die unter einer permanenten Krise leiden. Noch wäre es außenpolitisch sinnvoll. Das rohstoffreiche Land liegt in einer strategisch bedeutenden Nachbarschaft. Russland, China, Iran und Indien nutzen das Vakuum in Afghanistan, um ihren Einfluss auszubauen." Wir zitierten die F.A.Z.
Die Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN halten fest: "Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird nicht am Hindukusch verteidigt. Die gegenteilige legendäre Aussage des früheren Verteidigungsministers Peter Struck ist überholt – seit genau fünf Jahren. Damals übernahmen die Taliban die Macht in Afghanistan, nachdem sich die USA und ihre Verbündeten, darunter Deutschland, regelrecht fluchtartig aus dem Land zurückgezogen hatten. Eine der wichtigsten Lehren der missglückten Zentralasien-Mission bleibt zweifellos: Sicherheit, stabile Strukturen, geschweige denn Demokratie ließen sich nicht von außen einpflanzen. Dieser naive Glaube von damals ist einer komplizierteren Gegenwart mit herausfordernden, aber kleinlauteren Fragen gewichen. Wie können wir der afghanischen Bevölkerung helfen, ohne die Taliban zu unterstützen? Wie stoppen wir unkontrollierte Migration, ohne wirklich Verfolgten Schutz zu versagen?"
