
Dazu schreibt der KÖLNER STADT-ANZEIGER: "Stell dir vor, es ist Krise – und keiner schaut hin. Wer die Nachrichten verfolgt, wird kaum bestreiten, dass Hitze und Dürre, Niedrigwasser und Waldbrände uns plagen wie nie zuvor.Erneut gibt es Wirtschaftsschäden in Milliardenhöhe, Dauereinsätze der Helfer – und in NRW mussten zahllose Menschen angesichts einer Feuerfront evakuiert werden. Aber Krisensitzungen des Kabinetts? Ministerpräsidentenkonferenzen mit Kanzler und Liveticker? Wenigstens Vor-Ort-Besuche durch Spitzenpolitiker der Bundes-CDU? Pustekuchen. So bekommt die Weigerung, die Krise zu adressieren, Anflüge der ideologischen Klimapolitik eines Donald Trump. Auch CDU/CSU kleben an der Vorstellung, Klimapolitik und Hitze-Vorbeugung koste nur den Wirtschaftsstandort. Dabei zeigt dieser Sommer wahrlich das Gegenteil. Man muss es betonen: Besser wird es nie mehr werden. Die Frage ist, wie viel schlimmer wir es werden lassen", betont der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
Die NÜRBERGER NACHRICHTEN kritisieren den Kanzler: "Merz sieht keinen Grund, seinen Urlaub in Deutschland zu unterbrechen. Nahbar und mitfühlend zu wirken, das gelingt ihm ganz selten. Nun verpassen sein Kabinett und der Kanzler jene Chance, die bekanntlich in jeder Krise steckt: Warum lässt diese Regierung die Gelegenheit verstreichen, mit einem Hitze-Gipfel zu zeigen, dass sie den Ernst der Lage erkannt hat? Vielleicht deshalb, weil CDU und CSU weite Teile der Klimapolitik abgeräumt haben. Weil die Union darin nur eine Belastung sieht."
Dieser Hitzesommer muss nach Ansicht der FRANKFURTER RUNDSCHAU politische Konsequenzen haben. "Die Klimakatastrophe ist so nah und so gefährlich an die Menschen in Deutschland herangerückt wie nie. Und trotzdem scheint es fast, als ginge in der Politik ungerührt alles weiter seinen Gang. Allein die 12.500 Hitzetoten, die das Robert-Koch-Institut errechnet hat, sind eine humanitäre Katastrophe - die fast untergeht im Expertenstreit, ob die wahre Zahl nicht noch deutlich höher liegt. Man stelle sich vor, eine solch enorme Zahl von Todesfällen wäre durch eine Pandemie verursacht worden, durch einen Krieg oder ein gewaltiges Attentat. Was für ein Aufschrei wäre dann durchs Land gegangen, einschließlich Sondersitzungen von Bundesregierung und Bundestag! Und jetzt?" fragt die FRANKFRUTER RUNDSCHAU.
Die TAGESZEITUNG - kurz TAZ - lobt die SPD, zumindest teilweise: "Der Sommer 2026 in Deutschland und Europa ist mal wieder ein Klimakrisensommer. Da passt es gut, dass fünf von sieben SPD-Minister*innen in der schwarz-roten Bundesregierung ihr ökologisches Gewissen eingeholt zu haben scheint: Sie wollen ein Aktionsprogramm gegen die Hitze auf den Weg bringen, wie der "Spiegel" berichtet. Mit dabei sind demnach die Ressorts Finanzen, Soziales und Arbeit, Bauen, Entwicklung und federführend Umwelt. Teil der Offensive sollen unter anderem ein nationaler Hitzeaktionsplan, der Schutz von Beschäftigten gegen extreme Temperaturen und auch eine im Grundgesetz verankerte 'Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung und Naturschutz' sein. Damit gehen die Sozialdemokrat*innen auf Konfrontationskurs zur CDU/CSU. Insgesamt fährt Schwarz-Rot einen Antiklimakurs – gepusht vor allem durch die Union, aber mitgetragen von der SPD. Wenn sich das jetzt ändern sollte, wäre das nur zu begrüßen", ist in der TAZ zu lesen.
Und die SAARBRÜCKER ZEITUNG konstatiert: "Mit dem SPD-Vorschlag steht der Koalition der nächste handfeste Krach ins Haus. Die Union hat einen Punkt: Der Koalitionsvertrag sieht lediglich einen eher schwammigen Prüfauftrag vor. Lars Klingbeil weiß schon jetzt kaum, woher er die fehlenden Milliarden nehmen soll. Da liegt der Verdacht nahe, dass der Vorstoß auch ein gutes Stück aufmerksamkeitsheischende Symbolik enthält. Eine Zweidrittelmehrheit für eine Verfassungsänderung ist nicht in Sicht. Die Koalition wäre also gut beraten, nicht schon wieder neue Baustellen zu eröffnen, während andere wichtige Vorhaben noch gar nicht abgeschlossen sind", bemerkt die SAARBRÜCKER ZEITUNG.
Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG beschäftigt sich mit dem Gruppenantrag im Bundestag, wonach bei der Organspende eine Widerspruchslösung kommen könnte: "985 Menschen haben im vergangenen Jahr in Deutschland nach ihrem Tod Organe gespendet. Gleichzeitig standen 8199 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Viele von ihnen warten Jahre. Oder sterben, bevor ein passendes Organ gefunden wird. Nun gibt es im Bundestag einen längst überfälligen neuen Anlauf für die Widerspruchslösung. Sie würde das bisherige Prinzip umkehren: Grundsätzlich käme jeder als Organspender infrage, der zu Lebzeiten nicht widersprochen hat. Die Kritik daran ist nachvollziehbar. Der Staat darf niemanden zwingen, seinen Körper nach dem Tod zu spenden. Und niemand sollte sich rechtfertigen müssen, wenn er das nicht möchte. Doch: Bei der Widerspruchslösung bleibt dieses Recht ja bestehen. Wer nicht spenden will, sagt einfach Nein. Von Erwachsenen zu verlangen, sich einmal mit der eigenen Organspende auseinanderzusetzen und eine Ja-oder-Nein-Entscheidung zu treffen, ist nicht zu viel verlangt", argumentiert die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
Bis 2030 sollen Verpackungen in der EU bis auf wenige Ausnahmen recycelbar sein. Gelingen soll das mit einer neuen EU-Verpackungsverordnung, die vergangene Woche in Kraft getreten ist. Für den NORDBAYERISCHEN KURIER aus Bayreuth ist das zu viel Bürokratie: "Um ein ganzes Viertel wolle die EU die bürokratischen Vorgaben für Firmen senken, für kleine und mittelständische um mehr als ein Drittel, kündigte Ursula von der Leyen im vergangenen Jahr an. Geblieben ist von den Versprechen wenig. Im Gegenteil: Mit der gerade in Kraft getretenen Verpackungsverordnung beweist die EU wieder mal ein zielklares Gespür dafür, wie man Menschen und Unternehmen mit möglichst viel Bürokratie das Leben schwer machen kann."
Die DITHMARSCHER LANDESZEITUNG aus Heide findet: "Leider nur gut gemeint. Die Reaktionen von Unternehmern zeigen, dass nicht Unwille oder mangelnde Einsicht in die Notwendigkeit sie umtreibt. Wenn Firmenbetreiber erklären, nicht zu verstehen, wie die Vorgabe umzusetzen ist oder sogar ans Aufgeben denken, ist etwas gewaltig schiefgelaufen. Da ist der Umstand, dass das Verbot der Nutzung von Altverpackungen zunächst für noch mehr Müll sorgt, fast schon zweitrangig. Wer Umweltschutzpolitik vorantreibt, ohne die Betroffenen mitzunehmen, erreicht das Gegenteil. So haben 'die da in Brüssel' gleich an mindestens zwei Stellen Schaden angerichtet: bei den ratlos dastehenden Unternehmern und am eigenen Ruf. Zudem dürften Zweifel daran bestehen, ob eine solche Verordnung tatsächlich dem Umweltschutz dient. Bürokratisch und praxisfern: Wenn Ursula von der Leyen und ihr Brüsseler Apparat diesem Eindruck entgegenwirken wollen, gehört die Verordnung dringend einkassiert und überarbeitet", empfiehlt die DITMARSCHER LANDESZEITUNG
Und zum Abschluss noch die MEDIENGRUPPE BAYERN dazu, dass immer mehr Menschen aus Syrien ihren Schutzstatus in Deutschland verlieren: "Knapp eine Million Menschen aus Syrien haben in den letzten 13 Jahren einen Asylantrag in Deutschland gestellt. Ein Großteil davon hat bei uns Schutz gefunden vor einem furchtbaren Krieg, der ihr Heimatland verwüstete. Zerstört ist Syrien immer noch, aber nach dem Sturz von Machthaber Assad beginnen sich die Verhältnisse zu stabilisieren. Dass die zuständige Bundesbehörde nun dazu übergeht, Menschen aus dem Land ihren Flüchtlingsstatus abzuerkennen, ist daher kein Zeichen von Unbarmherzigkeit oder wachsendem Ausländerhass, sondern asylrechtliche Selbstverständlichkeit – und ein Schritt, um Vertrauen in ein in Verruf geratenes System wiederherzustellen. Was passiert, wenn Asyl statt als 'Schutz auf Zeit' als Vehikel für unkontrollierte Einwanderung wahrgenommen wird, zeigt der Aufstieg von Extremisten in ganz Europa."
