18. August 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Heute mit Kommentaren zur Ankündigung von US-Präsident Trump, die gemeinsamen Militärmanöver der USA mit Südkorea zu reduzieren. Im Mittelpunkt steht jedoch das BSW. Deren Fraktion im Thüringer Landtag ist nicht der Aufforderung von Parteigründerin Sahra Wagenknecht gefolgt, der CDU-geführten Regierung in Erfurt ‌die Unterstützung ⁠zu entziehen.

Aufsteller im einem Logo der Partei "Bündnis Sahra Wagenknecht" BSW
Das BSW und die Annährung an die AfD (picture alliance / dts-Agentur)
Die THÜRINGER ALLGEMEINE lobt: "Der klare Beschluss der BSW-Fraktion, weiter in der Koalition zu verbleiben, ist ein deutliches Signal. Dass 13 der 15 Mitglieder ihr 'Ja' zur 'Brombeer'-Regierung erneuert haben, zeigt: Die Abgeordneten nehmen die Landesverfassung ernst. 'Sie sind an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen verpflichtet', steht dort in Artikel 53. Der BSW-Bundesvorstand kann in Berlin also beschließen, was er möchte. Allerdings: Um mittelfristig glaubhaft darlegen zu können, dass die Berufung auf Artikel 53 von den eigenen Handlungen gedeckt ist, braucht es mehr, als mantraartige Wiederholungen ein oder derselben Phrasen. Es braucht dann auch die klare Positionierung dazu, wie man mit Ministerpräsident Mario Voigt von der CDU umgeht, falls er auch im Verwaltungsgerichtsverfahren im Kampf um seinen Doktortitel scheitert", kommentiert die THÜRINGER ALLGEMEINE aus Erfurt.
Der KÖLNER STADT-ANZEIGER hält fest: "Wer glaubte, nun sei das destruktive Wirken der Sahra Wagenknecht ausgebremst, freute sich zu früh. Das ist bedauerlich, weil das BSW für manche Ostdeutsche eine Hoffnung war: für Menschen, die pazifistisch denken, der westlichen Politik misstrauen, soziale Gerechtigkeit wichtig finden, der SPD darin aber nicht mehr vertrauen und die Migrationspolitik der vergangenen Jahre skeptisch sehen. Stabilität ist für BSW-Gründerin Wagenknecht uninteressant. CDU und SPD sind für sie Kartellparteien – also nicht weniger schlimm als Björn Höcke, Chef der rechtsextremistischen Thüringen-AfD. Dass sie mit ihm paktieren will, um neue Ministerpräsidenten in Thüringen und Sachsen-Anhalt zu wählen, offenbart eine Mischung aus Panik, Machtanspruch und Skrupellosigkeit", fasst der KÖLNER STADT-ANZEIGER zusammen.
Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER konstatiert: "Dass eine Bundespartei ihrem Landesverband vorschreibt, aus einer funktionierenden Koalition auszusteigen, ist in der bundesdeutschen Parteiengeschichte einmalig. Die Tragik Wagenknechts ist, dass sie zwar immer eine begnadete Oppositionsrednerin war, die den Finger in tatsächliche und vermeintliche Wunden legen konnte. Für wirkliche Veränderungen braucht es aber Regierungen mit stabilen und verlässlichen Partnern, und um Koalitionen zu bilden, braucht es Kompromissbereitschaft. Daran ist Wagenknecht bisher immer gescheitert, und daran wird voraussichtlich auch jede Regierung scheitern, die sich auf BSW und AfD stützt. Denn beide Parteien funktionieren bisher ausschließlich in der Opposition", analysiert der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG erinnert: "Der BSW-Bundesverband und Wagenknecht waren schon damals gegen dieses Bündnis. Das BSW könnte der AfD und Björn Höcke zur Macht verhelfen. Die beiden Parteien könnten in Thüringen also veranstalten, was Wagenknecht auch für Sachsen-Anhalt im Auge hat: die Wahl eines 'unabhängigen' Ministerpräsidenten oder aber eines AfD-Kandidaten per Enthaltung. Ist es politisches Liebesspiel oder Showdown der Populisten? Man sollte sich keine Illusionen über den Ehrgeiz Wagenknechts und den der AfD machen. Sie wirken geradezu wie die Karikatur der Vorstellung, die sie von ihren Gegnern unters Volk bringen wollen: Postengeschacher, Machtgeilheit und ein Staat, der zur Beute ihrer Parteiinteressen wird, bevor sie überhaupt gewählt wurden", kritisiert die F.A.Z.
Die RHEINISCHE POST resümiert: "Es ist das typische Verhalten von Menschen, die nicht loslassen können: Sie zerstören eher ihr eigenes Werk, als es anderen zu überlassen. Sahra Wagenknecht hat das BSW gegründet, zu beachtlichen Erfolgen geführt und bei der Wählerschaft einen Nerv getroffen. Doch nun, da sie selbst an Bedeutung verliert, scheint sie bereit zu sein, alles zu zerschmettern, was sie aufgebaut hat. Wagenknecht zielt auf die Brombeerkoalition in Thüringen – und damit auch indirekt auf ihre Erzrivalin Katja Wolf, die dort BSW-Landeschefin und Ministerin ist. Profiteur ist ausgerechnet der AfD-Scharfmacher Björn Höcke", heißt es in dem Kommentar der RHEINISCHEN POST aus Düsseldorf.
Nun ins Ausland. US-Präsident Trump hat angekündigt, die gemeinsamen Militärmanöver der USA mit Südkorea zu reduzieren. Die TAZ schreibt: "Trumps einseitiges Vorgehen weckt den Verdacht, dass es ihm gar nicht um Friedenssicherung geht. Vielmehr möchte er offenbar Südkoreas liberaler Regierung eins auswischen. Da Trump mit Südkoreas Präsident Lee Jae Myung über Kreuz liegt, bekommt das jetzige Zurückfahren des US-Engagements den Charakter einer finanziellen Drohung", vermutet die TAZ.
Das STRAUBINGER TAGBLATT sieht Nordkorea als Profiteur: "Wenn Trump ein geplantes Manöver wenige Stunden vor Beginn per Social-Media-Ansage zurechtstutzt, weil er seine persönliche Beziehung zu Kim pflegen und Kosten sparen möchte, beschert er dem Machthaber aus Pjöngjang einen Sieg ohne Gegenleistung. Das Signal, das davon an alle Verbündeten der USA ausgeht, ist für sie nicht neu. Es bestätigt, dass Amerikas Schutzversprechen unter Vorbehalt stehen, von der persönlichen Laune des Präsidenten abhängen und davon, ob sich ein Bündnis für die USA lohnt, oder ob Trump es für zu teuer hält. Eine Botschaft, die auch in Moskau und Peking aufmerksam zur Kenntnis genommen wird", ist sich das STRAUBINGER TAGBLATT sicher.
Die AUGSBURGER ALLGEMEINE findet Trumps Vorgehen politisch naiv und militärisch riskant: "Dass die Situation auf der koreanischen Halbinsel nicht eskaliert, liegt vor allem an dem seit Jahrzehnten gepflegten Szenario der Abschreckung, das auch solche Manöver unterstreichen. Nordkorea soll wissen, mit wem es sich im Zweifel anlegt."
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU spekuliert: "Wahrscheinlich war Donald Trumps Online-Rüffel für die Traditionsmanöver seiner Truppen in Südkorea bloß wieder Augenwischerei. Für eine der unzähligen Sachen irgendwo auf der Welt, die dank seiner Präsidentschaft aus dem Ruder laufen."
Zum Schluss geht es um die Leichtathletik-Europameisterschaft in Birmingham. Die SÜDWEST-PRESSE zieht eine Bilanz der deutschen Leistungen: "Sechsmal Gold, zehnmal Silber und fünfmal Bronze: Die deutsche Leichtathletik strahlt wieder. Das starke Abschneiden begeistert und macht Mut auf dem Weg Richtung Olympia 2028. Die Athletinnen und Athleten sorgten mit authentischen Auftritten und echten Emotionen für eine Stimmung, nach der sich Sport-Deutschland nach der Fußball-Blamage in diesem Sommer wirklich gesehnt hat. Und das ist sehr viel mehr wert als eine Medaille mehr oder weniger", betont die SÜDWEST-PRESSE aus Ulm.
Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG formuliert: "Die Resultate zeigen, dass die strukturellen Anpassungen in den Spitzenverbänden greifen und Trainingskonzepte zielgenau auf den Höhepunkt ausgerichtet wurden. Diese Europameisterschaften haben gezeigt, dass der deutsche Spitzensport nicht nur konkurrenzfähig ist, sondern wieder begeistern kann."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG hebt die Unterschiede zum Profi-Fußball hervor: "In der Leichtathletik begegnet man nach den Wettbewerben echten, reflektierenden Menschen. Frauen und Männer, mitgerissen von den Emotionen des Augenblicks, und manchmal auch zu sehr mitgerissen. Aber warum denn nicht? Eine beschwerte sich über angeblich respektlose Fragen der Reporter. Eine faltete, im Moment tiefster Enttäuschung, sämtliche Konkurrentinnen zusammen. Eine wies darauf hin, welch menschenverachtende und rassistische Kommentare in den sozialen Netzwerken manche Sportler ertragen müssen. Zur besten Sendezeit ein hochpolitisches, wirkmächtiges und dringend nötiges Statement gegen Hass und Hetze. Ein Weckruf aus dem Reich der Leichtathletik, wo Diversität mit großer Selbstverständlichkeit gelebt wird."