19. August 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Zwei Themen beherrschen die Kommentarspalten: die umstrittenen Äußerungen des israelischen Sicherheitsministers Ben-Gvir, der die gezielte Tötung von Palästinensern im Gazastreifen fordert sowie die Folgen der andauernden Trockenheit für die Landwirte in Deutschland.

    Vertrocknetes Maisfeld als Folge von extremer Dürre und Rekordhitze in Bayern.
    Vertrocknetes Maisfeld als Folge von extremer Dürre und Rekordhitze in Bayern. (picture alliance / Sven Simon / Frank Hoermann)
    Dazu schreibt die BADISCHE ZEITUNG: "Es ist zwar keine Missernte im Jahr 2026. Schlechte Jahre für die Landwirtschaft gab es immer wieder einmal. Die diesjährige Bilanz ist aber ein Warnzeichen. Denn Trockenheit und Schädlingsbefall sind Vorzeichen der Probleme, die aller Wahrscheinlichkeit nach in den kommenden Jahrzehnten häufiger auftreten werden. Der Verband muss sagen, wie sich ähnliche Notlagen künftig vermeiden lassen und Land und die Betriebe widerstandsfähiger gegen die Kapriolen des Klimas werden können", appelliert die BADISCHE ZEITUNG aus Freiburg.
    Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG erläutert: "Die Temperaturen sinken, die Flusspegel stabilisieren sich nun hoffentlich, und die Hitze ist fürs Erste vorbei. Langsam sind die Folgen zu erkennen: Die deutschen Bauern rechnen in diesem Jahr mit stark sinkenden Ernteerträgen. Joachim Rukwied forderte daher sogleich ein 'Sofortpaket', um die Liquidität betroffener Betriebe zu sichern. Ein Bauernverbandspräsident muss das tun. Aber es ist leichter gefordert als bezahlt. Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) lässt sich daher zu Recht Zeit mit einer Antwort. Jetzt mit der Gießkanne zu helfen, also zum Beispiel mit höherer Düngemittelförderung und niedrigerer Dieselsteuer, würde auch Betriebe entlasten, die gut verdienen - und davon gibt es noch viele", gibt die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG zu bedenken.
    Die Zeitung ND.DER TAG befürchtet: "Die Politik scheint lieber auf das langsame Ausbluten der heimischen Landwirtschaft zugunsten billiger Importe von Getreide, Gemüse und Fleisch zu setzen. Dem Klima ist damit nicht geholfen – im Gegenteil."
    Die RHEINISCHE POST befasst sich mit Forderungen der Bauern nach Kompensationen: "Die Bauernschaft, seit Jahren ohnehin durch Klima- und Strukturwandel unter Druck und durch Krieg, Auflagen und Handelsdiktate zusätzlich gebeutelt, fordert weitere Hilfen. Das ist verständlich. Wahr ist allerdings auch: Die Landwirtschaft ist bei solchen Forderungen meist vorneweg. Sie weiß, wie man sich wirkmächtig Gehör verschafft. Doch diesmal gilt: Formal sind für Hilfsmaßnahmen bei Extremwetterereignissen zunächst die Länder zuständig. Voraussetzung für eine Beteiligung des Bundes ist die Einstufung des Schadensereignisses als 'Ereignis von nationalem Ausmaß'. Das könnte ein Grund sein, warum Bundeslandwirtschaftsminister Rainer zögert. Denn dafür braucht er die Rückendeckung von Kanzler und Finanzminister. Der andere Grund lautet: Woher soll dann das Geld für zusätzliche Soforthilfen kommen?", merkt die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf an.
    Die NEUE PRESSE warnt: "In Zeiten knapper Kassen braucht es keinen neuen Tankrabatt für Diesel, wie ihn der Bauernverband fordert. Anders sieht es mit strukturellen Reformen aus. Wer weiterhin Obst und Gemüse aus Deutschland will, wird um eine Ausnahme des Mindestlohns für Erntehelfer nicht herumkommen. Gleichzeitig kann der Staat den Bauern helfen, indem er sie dabei unterstützt, sich gegen Ernteausfälle zu versichern. Denn klar ist: Hitzesommer wird es immer häufiger geben", unterstreicht die NEUE PRESSE aus Coburg.
    Nach Israel. Dort hat der rechtsextreme Sicherheitsminister Ben-Gvir mit seinen Äußerungen über gezielte Tötungen von Menschen im Gazastreifen viel Kritik ausgelöst. Dazu schreiben die NÜRNBERGER NACHRICHTEN: "Die Sicherheit Israels sei deutsche Staatsräson, sagte die damalige Kanzlerin Angela Merkel 2008 vor der Knesset. Nun gefährden nicht nur Ben-Gvirs menschenverachtende Hasstiraden Israels Sicherheit und sein Ansehen. Daher sind Konsequenzen nötig. Etliche Staaten verhängten schon vor Monaten Sanktionen gegen Ben-Gvir und Finanzminister Bezalel Smotrich. Es wird Zeit, dass sich die EU insgesamt und Deutschland ähnlich positionieren", fordern die NÜRNBERGER NACHRICHTEN.
    Die FRANKFURTER RUNDSCHAU beklagt die Radikalisierung in Israel: "Wenn der israelische Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir die gezielte Tötung von Palästinenserinnen und Palästinensern fordert, ist das nicht nur eine weitere Provokation des rechtsextremen Politikers. Es offenbart, wie der Verteidigungskrieg gegen die Hamas nach deren terroristischem Überfall Teile der israelischen Regierung und letztlich der Bevölkerung radikalisiert hat und wie weit der Weg ist, um die Spirale der Gewalt zu beenden", notiert die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
    In der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG ist zu lesen: "Deutsche Koalitionspolitiker wie der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt, sprechen das Selbstverständliche aus, wenn sie nun Sanktionen der Europäische Union gegen Ben-Gvir verlangen. Solche Sanktionen stünden nicht im Widerspruch zu der Verantwortung für Israels Sicherheit, die von der Bundesregierung immer wieder betont wird. Im Gegenteil. Es ist Israels Sicherheitsminister, der die Sicherheit Israels langfristig gefährdet, weil er mit seiner rechtsradikalen Ideologie des Hasses auch die letzten Partner und Freunde Israels noch verprellt. Einreiseverbote werden zwar vermutlich weder Ben-Gvir noch seinen Gesinnungsgenossen, Finanzminister Bezalel Smotrich, beeindrucken. Als Botschaft wären sie dennoch wichtig", hebt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG hervor.
    Auch die LAUSITZER RUNDSCHAU plädiert für Strafmaßnahmen gegen den israelischen Polizeiminister: "Wenn jetzt sogar die Union Sanktionen gegen israelische Regierungsmitglieder fordert, dann ist das Zeichen schon sehr deutlich, dass die Geduld auch hartnäckiger Israel-Unterstützer endlich ist. Und dass die vielzitierte deutsche Staatsräson gegenüber Israel nicht eine kritiklose Verbrüderung mit der jeweils amtierenden Regierung bedeutet. Leute wie Ben-Gvir überschreiten eine Grenze, bewusst und kalkuliert. Sanktionen gegen sie wären daher als Signal angebracht", betont die LAUSITZER RUNDSCHAU aus Cottbus.
    Die Berliner TAGESZEITUNG - kurz TAZ - stellt mit einer gewissen Verwunderung fest: "Auf den ersten Blick ist es schleierhaft, warum es genau diese Forderungen sind, die plötzlich für so viel Furore sorgen. Denn erstens tötet die israelische Armee jeden Tag Menschen in Gaza, im Westjordanland oder in Libanon. Zweitens war Ben-Gvir schon immer so offen rechtsextrem. Und drittens ist der Minister mit seiner Haltung bei Weitem keine Ausnahme – sie ist schon lange Teil des israelischen Mainstreams", unterstreicht die TAZ.
    Der KÖLNER STADT-ANZEIGER wirft einen Blick auf die Parlamentswahlen in Israel im Oktober: "Sollte Netanjahu trotz allem die Wahl gewinnen und seinen bisherigen Kurs fortsetzen, wären das schlechte Nachrichten für Israel, die Palästinenser und die gesamte Region. Dann dürfte die besondere deutsche Verantwortung für Israel kein Argument mehr gegen entschiedene Maßnahmen gegenüber dessen Regierung sein, wenn diese internationales Recht verletzt. Sanktionen gegen verantwortliche Minister wären dann keine Einmischung in einen Wahlkampf mehr, sondern überfällig", findet der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
    Abschließend noch einen Blick in die FREIE PRESSE aus Chemnitz, die die Iran-Politik von US-Präsident Trump kommentiert "Dass Trump jetzt über zusätzliche Sanktionen nachdenkt, zeugt von Verzweiflung. Dem Präsidenten, der seinen Wählern seit Monaten sinkende Benzinpreise und ein baldiges Ende des Irankonflikts verspricht, läuft vor den Kongresswahlen im November die Zeit davon. Statt sich an immer neue Strohhalme zu klammern, sollte die US-Regierung eine nüchterne Bestandsaufnahme machen. Trump hat den Krieg gegen den Iran ohne vernünftigen Grund begonnen und damit ein brutales, inkompetentes und ideologisch ausgelaugtes Regime gestärkt. Washington sollte sich trotzdem mit dem Iran einigen, auch wenn das bitter ist und bedeutet, dass Teheran die Straße von Hormus als Folge von Trumps Krieg auf Dauer kontrolliert. meint die FREIE PRESSE, mit der diese Ausgabe der Presseschau endet.