22. August 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Kommentiert wird ein neues, umstrittenes israelisches Siedlungsprojekt im Westjordanland. Ein weiteres Thema sind die deutschen Gasspeicher, die derzeit zu nur rund 50 Prozent gefüllt sind. Doch zunächst zum Wahlkampf in Sachsen-Anhalt.

    Zu sehen sind mehrere Wahlplakate für die Landtagswahl 2026 in Halle.
    Der Wahlkampf in Sachsen-Anhalt ist unter anderem Thema in den Kommentaren. (picture alliance / dts-Agentur / dts Nachrichtenagentur GmbH)
    Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG bemerkt zum AfD-Spitzenkandidaten Siegmund, dessen Kampagne scheine Anleihen an "Trumps Drehbuch zu nehmen - die permanente Präsenz, die Story, wonach die Lage trostlos ist, aber ein Retter bereitsteht. So behauptet Siegmund, in Deutschland könne man einmal im Jahr sein Geschlecht ändern, er schmäht die 'völlig verrückte' Politik aus Berlin, und von Fakten wie der Kriminalitätsrate lässt er sich schon gar nicht stören: Die ist in Sachsen-Anhalt zwar gesunken, aber laut Siegmund 'gefühlt' gestiegen. Zwischen beiden Kampagnen gibt es allerdings auch einen entscheidenden Unterschied. Trump trat in den USA für die etablierte Republikanische Partei an, also als Rabauke in angesehenem Hause. Siegmund agiert genau umgekehrt. Er gehört der extremistischen AfD in Sachsen-Anhalt an, was im geschichtsbewussten Deutschland mindestens anrüchig ist. Siegmund versucht, dies zu überspielen, indem er als fröhlicher, zuweilen sogar selbstironischer, jedenfalls immer lächelnder Jungmanager auftritt", analysiert die SZ.
    Die Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN beobachten: "In Medien und Politik machen derzeit krude Ideen die Runde. Da ist immer wieder zu lesen, dass man den Menschen in Sachsen-Anhalt für den Fall, dass sie dort der AfD an die Regierung verhelfen, mit finanziellen Repressalien kommen müsse. Der neueste Beitrag in diese Richtung kommt von Baden-Württembergs Finanzminister Danyal Bayaz von den Grünen. Falls eine AfD-Landesregierung 'rechtsstaatlich fragwürdige Sonderwege beschreitet', könnte man ja mit dem Land umgehen wie die EU mit Orbáns Ungarn und Gelder einfrieren. Dies - noch ehe es Realität ist - zu sagen, ist undemokratisch. Es ist eine Drohung, die Wähler einschüchtern soll. Zum einen unterstützen nicht alle Sachsen-Anhalter die AfD. Zum anderen kann man sich einer Regierung durch Wahlen wieder entledigen. Und noch ist die AfD nicht in der Staatskanzlei", gibt die MEDIENGRUPPE BAYERN zu bedenken.
    Der Bremer WESER-KURIER ist überzeugt: "Es kommt nun darauf an, nicht mit Schaum vor dem Mund und Fahndungsfotos auf Titelseiten, sondern in aller Sachlichkeit auf die Folgen eines Wahlsiegs für die AfD in Sachsen-Anhalt hinzuweisen: etwa für die Bildung im Land, wenn die Schulpflicht abgeschafft werden und eine Zugangsquote von 25 Prozent fürs Gymnasium gelten soll. Oder für die Infrastruktur, wenn sich diese Partei wie angekündigt weigert, die 'Gelder der Schande' aus dem Sondervermögen anzunehmen. Dann würden überall Straßen, Schienen und Brücken saniert, nur zwischen Magdeburg und Halle bröckelten sie weiter. Eines allerdings sollten sich Politiker - besonders aus dem Westen - schenken: durch Sanktionsandrohungen Druck auf die Wähler auszuüben. Das würde der AfD nur in die Karten spielen", warnt der WESER-KURIER.
    Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf sieht die Union vor einer schwierigen Bewährungsprobe. Das Blatt konstatiert: "Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich in den vergangenen Wochen rar gemacht. Doch jetzt ist vor allem der CDU-Vorsitzende gefragt. Denn es ist nicht mehr nur ein fernes Grollen, das aus den ostdeutschen Bundesländern nach Berlin dringt – es ist ein politisches Beben mit Ansage. Die anhaltende Stärke der AfD im Osten ist längst keine vorübergehende Protestwelle mehr, sondern ein strukturelles Dilemma, das an den Grundfesten der Union rüttelt. Der Frust über Berliner Vorgaben und Reformen wächst. Vor Ort, in den Kreisverbänden und Rathäusern, erleben viele Christdemokraten eine Realität, in der parlamentarische Mehrheiten ohne oder gegen einen erstarkten rechten Rand kaum noch darstellbar scheinen", betont die RHEINISCHE POST.
    Die FRANKFURTER RUNDSCHAU beleuchtet eine Untersuchung zur Wählerschaft der AfD: "Das Ergebnis ist erschreckend: Die AfD wird zunehmend aus Überzeugung gewählt. Selbst durch eine bessere Politik und eine klarere Kommunikation der Merz-Regierung in Berlin könnte der rechte Aufschwung daher wohl nicht gestoppt werden. Rund die Hälfte derjenigen, die AfD wählen wollen, befand in der Forsa-Umfrage, die Anwerbung von Fachkräften aus fremden Kulturen gefährde das Wohl der Patientinnen und Patienten. Ausländische Ärzte seien 'kaum geeignet, die deutschen Bürger richtig zu behandeln'. Das Beispiel zeigt: Die Menschen wählen aus ideologischen Gründen gegen ihre eigenen Interessen", kommentiert die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
    Zu unserem nächsten Thema. Die SÜDWEST PRESSE befasst sich mit einem neuen israelischen Siedlungsprojekt im Westjordanland: "Vor der Wahl in Israel Ende Oktober schlägt die Regierung in Jerusalem Pflöcke ein, die den israelisch-palästinensischen Konflikt auf Jahre prägen könnten. Der Siedlungsbau mit dem Namen 'E1' würde das Westjordanland für immer teilen. Ein zusammenhängender palästinensischer Staat auf diesem Territorium würde unmöglich gemacht. Es gäbe dann - mit dem auf der anderen Seite Israels gelegenen Gazastreifen - drei getrennte palästinensische Gebiete. Kein Wunder, dass die Besorgnis international groß ist. Der israelische Siedlungsbau wird international als völkerrechtswidrig erachtet, und der Konflikt wird durch solche Aktionen angeheizt statt befriedet. Das Existenzrecht des Staates Israel zu sichern, heißt nicht Kritiklosigkeit. Denn neues Unrecht, wie es im Westjordanland geschieht, hat noch nie Frieden gebracht", betont die SÜDEWEST PRESSE aus Ulm.
    Die SÄCHSISCHE ZEITUNG aus Dresden verweist auf die außenpolitischen Folgen: "Die internationale Isolation der israelischen Regierung wächst durch das brutale Vorgehen im Gazakrieg und die eskalierende Siedlergewalt. In der UNO-Generalversammlung unterstützten im vergangenen Jahr 149 Staaten eine Resolution zur Lage in Gaza – nur zwölf stimmten dagegen. Fünf westliche Staaten verhängten zudem Sanktionen gegen Smotrich und den rechtsextremen Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir wegen der Anstiftung zu Gewalt gegen Palästinenser. In ihrer Erklärung warnen Deutschland und die anderen Staaten nun, das E1-Projekt werde Israels internationales Ansehen weiter beschädigen. Dass Netanjahu deshalb einlenkt, ist dennoch unwahrscheinlich", schreibt die SÄCHSISCHE ZEITUNG.
    Abschließend Stimmen zum niedrigen Füllstand der deutschen Gasspeicher. Die ALLGEMEINE ZEITUNG aus Mainz gibt Entwarnung für die Versorgungssicherheit, sieht aber erhebliche Preisrisiken: "Eines vorweg: Obwohl die Gasspeicher derzeit nur zur Hälfte gefüllt sind, wird im kommenden Winter niemand frieren müssen, weil das Gas ausgeht. Auch bei einer längeren Frostperiode würden die Versorger ihren Lieferverpflichtungen nachkommen können, versichert der Branchenverband BDEW. Es gibt derzeit keinen Grund, daran zu zweifeln. Dennoch ist der historisch niedrige Füllstand der Speicher ein Problem. Wahrscheinlich werden Millionen Gaskunden schon bald deutlich höhere Preise zahlen. Derzeit zögern die Versorger mit der Einspeicherung von Gas, weil sie dafür an den internationalen Märkten hohe Preise zahlen müssten – eine Folge des Iran-Kriegs. Es ist ein Spiel auf Zeit: Fallen die Preise in den kommenden Monaten, geht die Rechnung auf. Steigen sie aber weiter, dann wird es für die Versorger und ihre Kunden umso teurer", befürchtet die ALLGEMEINE ZEITUNG.
    Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG wendet ein: "Grundsätzlich gibt es genügend Gas auf dem Weltmarkt. Dank der Flüssiggas-Infrastruktur, die der grüne Wirtschaftsminister Robert Habeck seinerzeit in ungekannter Geschwindigkeit an Nord- und Ostsee hat ausbauen lassen, gelangt es auch relativ reibungslos nach Deutschland. Man sollte die niedrigen Füllstände der Speicher also nicht zur Panikmache nutzen. Doch so, wie sich die Lage derzeit entwickelt, darf mit Blick auf den Winter besser nichts Unvorhergesehenes passieren. Am Ende bleibt wieder mal die Frage: Wer trägt das Risiko?" Das war die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG. Und damit endet diese Presseschau.