24. August 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

In den Kommentaren geht es um die Forderung nach Neuwahlen in der Ukraine und um den Handelskonflikt zwischen Kanada und den USA. Zu Beginn blicken wir jedoch auf den Besuch von Bundeskanzler Merz im Waldbrandgebiet in der Eifel. Merz nannte den Klimawandel als Ursache für die Feuer.

Merz steht an einem Redepult und spricht in Mikrofone. Im Hintergrund sind Journalisten und ein Einsatzfahrzeug der Feuerwehr zu sehen.
Bundeskanzler Merz im Waldbrandgebiet in Hürtgenwald (dpa / Christoph Reichwein)
"Ist Merz auf seine alten Tage zum Seniorenbeauftragten der Fridays-for-Future-Bewegung geworden?", spöttelt die TAGESZEITUNG - TAZ aus Berlin. "Natürlich nicht. Denn auch wenn Merz gleich seinen ersten öffentlichen Termin nach dem dreiwöchigen Sommerurlaub den Waldbrandbekämpfer:innen widmete, auch wenn er dort explizit den Klimaleugner:innen widersprach. Ein Klimaaktivist ist der Kanzler noch lange nicht. Nicht nur, dass er vor Ort mit keinem Wort verriet, was genau er denn tun wolle, um die Klimakatastrophe, wenn schon nicht abzuwenden, so doch wenigstens aufzuhalten. Nein, er verkündete auch noch gleich via Bild-Zeitung, was bei ihm vor allem anderen steht: Wirtschaftswachstum. Und genau so sieht die Politik der regierenden Union auch aus", urteilt die TAZ.
Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG zeigt wenig Verständnis für den Auftritt des Bundeskanzlers, der von Pfiffen und Buhrufen begleitet wurde: "Nach dreieinhalb Wochen beendet Friedrich Merz seine Ferien. Kaum tritt er vor ein Mikro, ist er schon wieder beleidigt. 'Ich spreche mit denen, die nicht schreien', sagt der Bundeskanzler, als er beim Dank an die Eifel-Brandhelfer ausgebuht wird. 'Ich spreche mit denen, die arbeiten.' Etwas Dümmeres kann man wirklich nicht sagen, wenn man selbst aus dem Urlaub kommt. Wann immer Wähler mit dem Kanzler unzufrieden sind, ist Merz es mit den Wählern dann auch. Das Resultat dieses Dauer-Clinchs kann man zählen: 36 Prozent der Deutschen rechnen laut einer YouGov-Umfrage damit, dass Merz noch vor der Bundestagswahl 2029 abgelöst wird. Weitere 18 Prozent glauben sogar, dass er noch dieses Jahr aus dem Kanzleramt fliegt. Merz hat – siehe oben – seinen Anteil daran. Das Wahlvolk aber auch", konstatiert die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
Auch der KÖLNER STADT-ANZEIGER hebt das Urlaubsende des Kanzlers hervor: "Der Bundeskanzler ist aus den Ferien zurück. Nach mehr als drei Wochen ohne öffentliche Termine trat Friedrich Merz am Wochenende wieder auf und besuchte Einsatzkräfte im Hürtgenwald nach der dortigen Brandkatastrophe. Es war für den 70-Jährigen nicht der geschmeidigste Anlass für den Wiedereinstieg ins politische Tagesgeschehen. Ein paar Demonstranten begleiteten sein Statement mit Pfiffen und Zwischenrufen, weil der Kanzler sich zu spät habe blicken lassen und zu wenig gegen die Klimakrise tue. Doch ein unfreundlicher Empfang ist Merz’ geringstes Problem. Für ihn geht es in den bevorstehenden Wochen um nicht weniger als den Erhalt seiner Koalition und seiner Kanzlerschaft", analysiert der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
Die RHEIN-ZEITUNG meint: "Man weiß nicht genau, ob man bei den Sätzen des Kanzlers zur Klimapolitik lachen oder verzweifeln sollte. Denn natürlich ist einer großen Mehrheit der Deutschen bewusst, was da mit dem Klimawandel auf sie zukommt. Allein, für die Regierung Merz stand der Klimaschutz bislang nicht gerade im Zentrum ihrer Politik. Im Gegenteil: Vieles wurde infrage gestellt. Da darf sich die Bundesregierung und insbesondere Merz nicht wundern, dass ihre Politik als unglaubwürdig wahrgenommen wird", stellt die RHEIN-ZEITUNG aus Koblenz heraus.
Die NÜRNBERGER NACHRICHTEN verweisen auf das geplante Treffen von Kanzler Merz mit seinen Ministern in dieser Woche: "Klimapolitik ist ein Thema der Kabinettsklausur am Dienstag und Mittwoch, das andere sind die Reformen, die vor der Sommerpause auf den Weg gebracht wurden. Die brauchen Feinschliff, müssen Hürden nehmen. Und sie werden - siehe Rente - schon wieder zerredet, aus den eigenen Reihen. Da müssen das Kabinett und der Kanzler klug agieren, professioneller als bei der verunglückten Kabinettsumbildung nach dem Rücktritt von Jens Spahn. Wann, wenn nicht jetzt, kurz vor den so wichtigen Wahlen im Osten, müsste diese Koalition endlich den Ernst der Lage erkennen und sich um Geschlossenheit, um Ergebnisse bemühen?", fragen die NÜRNBERGER NACHRICHTEN.
Die AUGSBURGER ALLGEMEINE ZEITUNG hält diesen Fokus auf die Landtagswahlen dagegen für falsch: "Für Union und SPD steht bei den nahenden drei Wahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern viel auf dem Spiel. CDU-Chef Merz steht im Dauerfeuer der Kritik, auch die SPD-Doppelspitze mit Lars Klingbeil und Bärbel Bas wackelt. Doch im kurzsichtigen Schielen auf Wahlergebnisse sollte jetzt nicht leichtfertig die Chance vertan werden, gemeinsam das Ruder herumzureißen", lesen wir in der AUGSBURGER ALLGEMEINEN ZEITUNG.
Themenwechsel. Die USA verhängten Strafzölle von 50 Prozent gegen Produkte aus Kanada. Die Regierung in Ottawa kündigte daraufhin Gegenzölle auf US-amerikanische Waren an. Die FRANKFURTER RUNDSCHAU führt aus: "Der heftige und einmütige Protest gegen den Zollstreit auf beiden Seiten der amerikanisch-kanadischen Grenze deutet darauf hin, dass der Streit zwischen Nachbarn für Washington kein Erfolg werden dürfte. Den benötigt Trump aber dringend nach den zahlreichen innen- und außenpolitischen Niederlagen wie dem Desaster im Krieg gegen den Iran oder den steigenden Kosten für das Leben in den USA. Doch statt innezuhalten und die für den Schlamassel verantwortliche Strategie zu überprüfen, versucht Trump - wie so oft - von den Problemen abzulenken. Dieses Mal mit einem weiteren Zollstreit, mit dem er auch das nordamerikanische Handelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko gefährdet. Das ist nicht unerheblich", warnt die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG notiert: "Bei allem berechtigten Zorn, dass die USA nach Abschluss des von Trump neu ausgehandelten und gefeierten nordamerikanischen Freihandelsabkommens ständig neue Zollkonflikte entfachen, darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Kanada selbst kein Musterknabe ist. Es ist im Gegenteil ein protektionistisches Land, das sogar den innerstaatlichen Handel schwer macht und einige seiner Industrien durch Handelshindernisse schützt. Dabei wäre eine Wirtschaft, die im Wettbewerb zu Höchstleistungen gebracht wird, die beste Waffe gegen Trump. Politisch versteht man, dass Kanada die Zölle mit Gegenzöllen auf US-Importe kontern will. Aber Zölle bleiben Steuern, mit denen man seine eigenen Bürger bestraft. Das muss man wollen", gibt die F.A.Z. zu bedenken.
Zum Abschluss dieser Presseschau geht es noch um die Forderung nach Neuwahlen in der Ukraine. Präsident Selenskyj weist diese mit Blick auf den andauernden russischen Angriffskrieg zurück. Die RHEINPFALZ erläutert: "Wahlen sind ein Wesenselement von Demokratien – wenn gewährleistet ist, dass alle Wählerinnen und Wähler frei und ungehindert ihre Stimme abgeben können. Genau diese Voraussetzungen aber sind in der Ukraine derzeit nicht gegeben. Das Land befindet sich im Kriegszustand und sieht sich täglich massiven russischen Angriffen ausgesetzt. Millionen seiner Bürgerinnen und Bürger leben in von Russland besetzten Regionen. Millionen andere sind ins Ausland geflohen, viele von ihnen nach Deutschland. Unter solchen Bedingungen sind freie, allgemeine Wahlen praktisch ein Ding der Unmöglichkeit", resümiert die RHEINPFALZ aus Ludwigshafen.
Die Aggressionen Russlands treffen nicht nur die Ukraine. Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG blickt auf mutmaßlich russische Übergriffe, die sich gegen Deutschland richten: "Die Sticheleien der fremden Macht, aka Moskau, verursachen ein Gefühl der Unsicherheit, als wäre man in seinen eigenen vier Wänden nicht mehr allein. Plötzlich liegt der Autoschlüssel an der falschen Stelle, ist das Fenster gekippt, wo man es doch geschlossen haben wollte, und was wahr und was falsch ist, daran beginnt man zu zweifeln. 'Gaslighting' heißt das in der Psychologie, es funktioniert auch als hybride Kriegsstrategie. Solange es nicht schlimmer kommt, kann Gelassenheit eine gute Gegenstrategie sein." Mit diesem Kommentar der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG endet diese Presseschau.