25. August 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Themen sind die Sommerinterviews von ARD und ZDF mit den AfD-Vorsitzenden sowie das Verhältnis zwischen Kanada und den USA. Zunächst aber geht es um die Lage der Bundesregierung vor der Kabinettsklausur.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) macht während einer Pressekonferenz ein nachdenkliches Gesicht.
Kanzler Merz - die Lage vor der Kabinettsklausur ist Thema in den Zeitungen. (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG hebt hervor: "Im Grunde ist die Stimmung im Land deutlich schlechter als die Lage. Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk hat neulich in den ARD-'Tagesthemen' darauf hingewiesen, dass die Deutschen in einem der stabilsten, stärksten und sozialsten Länder der Welt lebten; nicht einmal fünf Prozent aller Menschen gehe es so gut. Die Managerin Julia Jäkel und der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, schilderten im Zeit-Interview, wie intensiv Bund und Länder an der Modernisierung des Staates arbeiten. 'Unendlich viel' sei bereits auf den Weg gebracht worden, unterhalb des Radars der Öffentlichkeit. Reformen gehören nicht nur 'umgesetzt', wie der Regierungssprecher am Montag sagte, sondern immer wieder – und am besten mit den immer selben Worten – erklärt. Damit sie aufs Radar der Öffentlichkeit geraten", bemerkt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Das STRAUBINGER TAGBLATT fordert: "Deshalb wird es Zeit, mehr Schröder zu wagen. Der frühere SPD-Kanzler hat sich bei vielen Bürgern und Genossen unbeliebt gemacht und den Deutschen einiges zugemutet. Doch seiner Agenda ist es letztlich zu verdanken, dass die Bundesrepublik heute nicht noch tiefer in der Krise steckt. Reformpolitik braucht Klarheit über Ziele und Mut zur Zumutung. Wird jeder Reformansatz wie in der Rentenpolitik aus Angst vor den Wählern und der eigenen Basis gleich wieder zerredet und aufgeweicht, kommt Deutschland nicht vom Fleck, während die politischen Ränder weiter wachsen und die Mitte zerreiben", heißt es im STRAUBINGER TAGBLATT.
Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG beleuchtet: "Der Reformherbst wird - das hat Kanzleramtschefin Nina Warken von der CDU sehr zutreffend beschrieben - vor allem unbeliebte Projekte enthalten. Die geplanten Änderungen bedeuten vielfach erst mal Einschnitte, ehe sie langfristig, hoffentlich, ihre positive Wirkung entfalten. Dass nicht nur die Bürger, sondern auch die Vertreter der Koalitionsparteien die dafür nötige Nervenstärke kaum noch aufbringen, hat der Sommer gezeigt. Nach unbeirrbarer Entschlossenheit, die Kanzler Merz ausgibt, sieht das alles nicht aus", moniert die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt/Oder.
Der MÜNCHNER MERKUR betont: "Es sei daran erinnert, dass Merz Deutschlands tiefe Probleme erstens nicht verursacht hat und dass die Wähler ihn 2025 zweitens nicht mit der nötigen Mehrheit ausgestattet haben, um sie mit eigener Kraft zu lösen. Stattdessen muss er in einer Koalition mit der störrischen SPD daran herumdoktern. Und die Regierten sind sauer, weil sie nach Jahren des Überflusses den Gürtel enger schnallen müssen. Aber der Staat, das sind nicht nur die 'da oben'. Das sind wir alle", mahnt der MÜNCHNER MERKUR.
DIE TAGESZEITUNG - TAZ - beobachtet: "Kanzler Friedrich Merz und sein Vize Lars Klingbeil setzen auf Bewährtes: Entlastung für die Wirtschaft. Deutschland soll 'der führende Ort für industrielle KI' werden. Zudem wird der Bürokratie mal wieder entschlossen der Kampf angesagt. So wird im Programm für Dienstag und Mittwoch erwähnt, dass 'das EinfachMachen-Portal seit Dezember 2025 online' ist. Dort gingen schon ein paar Tausend Beschwerden über Bürokratie ein, allerdings bis jetzt ohne rechten Effekt. Diese Agenda routiniert zu nennen, ist eine Untertreibung", findet die TAZ.
ARD und ZDF haben "Sommerinterviews" mit den beiden AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla geführt. Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG unterstreicht: "Die AfD bekam im von ihr angefeindeten öffentlich-rechtlichen Fernsehen eine Doppel-Bühne zur Primetime: Im Ersten gab Parteichef Tino Chrupalla sein 'Sommerinterview', im ZDF war Co-Chefin Alice Weidel dran. Und während Chrupalla eine gewissen Lässigkeit und Freundlichkeit ausstrahlte – und dabei zumindest einige sinnvolle Punkte machte –, blamierte sich Alice Weidel gleich doppelt: in der Sache und im Stil. Zum Konservatismus gehören das Vertrauen in Institutionen sowie Werte wie Mäßigung und Respekt für andere Menschen. Von alldem war bei Alice Weidel am Sonntag nichts zu spüren. Für verzweifelte Bürgerliche hat sie klar gemacht: Eine konstruktive, stabile 'Mehrheit rechts der Mitte' kann es mit ihr und dieser AfD auf absehbare Zeit nicht geben", meint die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG verweist darauf, dass Weidel die Lüge als Teil der CDU-DNA bezeichnete: "Weidel ließ die blaue Sau raus. All jene, die glauben, sie könnten die CDU dazu zwingen, endlich mit der AfD zu koalieren, indem sie ihr Kreuz nicht mehr bei der CDU, sondern bei der AfD machen, sollten aber vielleicht doch noch einmal nachdenken. Wie sollte die CDU mit einer Partei zusammenarbeiten können, die von ihr behauptet, das Lügen stecke ihr im Erbgut? Wie mit einer Partei, die am liebsten die Ukraine der Rache Russlands ausliefern würde und Deutschland Putins und Trumps Gnade? Die aus dem Euro- und dem Schengenraum austreten will mit all den desaströsen Folgen, die das für Deutschland hätte, aber auch für ganz Europa, das von Russland, China und Amerika bedrängt und bedroht wird wie nie zuvor? All diese Fragen stellen sich der AfD-Führung nicht. Denn die AfD will gar nicht mit der CDU zusammenarbeiten - sie will sie vernichten. Eigentlich muss man Weidel dankbar sein für ihre schon siegestrunkene Offenheit", notiert die F.A.Z.
Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf hält fest: "Die Sommerinterviews offenbaren aber auch die Probleme des politischen Journalismus. Weil auch die etablierten Medien Vertrauen verloren haben, prallen an der AfD sogar die Entlarvung von Falschaussagen, von offensichtlichen Widersprüchen und handfesten Skandalen ab. Letztlich gilt für die Partei das alte Sprichwort: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt’s sich völlig ungeniert", folgert die RHEINISCHE POST.
Die NÜRNBERGER NACHRICHTEN streichen heraus: "Die AfD hat genau studiert, wie Donald Trump austeilt. Etwa das Eliten-Bashing gegen 'die da oben'. Trump schaffte es lange, so zu tun, als gehöre ausgerechnet er nicht dazu, selbst als Präsident wettert er gern gegen Washington. Bei Weidel wird daraus natürlich Berlin", so die NÜRNBERGER NACHRICHTEN.
Im Handelskonflikt zwischen den USA und Kanada lässt US-Präsident Donald Trump die Situation eskalieren, aber 2027 sollen die Zölle unter anderem für Autos und Stahl auf 50 Prozent steigen. Der KÖLNER STADT-ANZEIGER schreibt: "Trump glaubt, dass er den wirtschaftlich kleineren Nachbarn in die Knie zwingen kann. Kanadas Premier Mark Carney hat immer wieder klare Kante gegen Trump gezeigt und hat auch dieses Mal gute Chancen, den Amerikaner zum Einlenken zu bringen. Er selbst ist daheim deutlich beliebter, hat wegen niedrigerer Zinssätze für kanadische Staatsanleihen mehr Handlungsspielraum und seine Landsleute sind wegen Trumps Fantasien von der Übernahme ihres Landes ohnehin schon sauer.Trump dagegen kann es sich daheim nicht leisten, seine Landsleute weiter zu verprellen. Kanada ist für über die Hälfte aller US-Staaten das wichtigste Exportland, darunter Michigan, Maine, Iowa und Ohio – alles Staaten mit wechselnden Mehrheiten, in denen im November ein Senatssitz zur Wahl steht", erläutert der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
Der TAGESSPIEGEL führt aus: "Wieder einmal ist es der kanadische Premier, der sich dem US-Präsidenten entgegenstellt. Wieder einmal zeigt er dem Rest der westlichen Mittelmächte, wie man mit der aggressiven Politik der USA umgeht. Wieder einmal schafft er es, die Interessen seines Landes zu wahren – und dabei seine Selbstachtung zu behalten. Das ist vorbildlich. Carney scheint entschlossen, seinen Landsleuten lieber ökonomische Härten zuzumuten, als die eigene Souveränität aufzugeben. Die Kanadier weiß er dabei auf seiner Seite. Seine Umfragewerte sind hervorragend." Und mit dieser Stimme aus dem TAGESSPIEGEL endet die Presseschau.