
Die Wirtschaft ist laut dem Statistischen Bundesamt im zweiten Quartal dieses Jahres um 0,3 Prozent gewachsen. Die TAGESZEITUNG - TAZ hält fest: "Die deutsche Wirtschaft ist sehr viel widerstandsfähiger, als mancheLobbyist:innen der Industrie glauben machen wollen. Klar, wird die Lagesystematisch schlecht geredet, dann lassen sich Kürzungen fürBeschäftigte und Geschenke für Unternehmen besser durchsetzen. Aber: Trotz widriger Umstände wie dem Irankrieg, hoher Energiepreise und dererratischen US-Zollpolitik ist das deutsche Bruttoinlandsprodukt das dritteQuartal in Folge gestiegen, zwischen April und Juni mit 0,3 Prozent etwasmehr als erwartet. Manchen mag das als sehr wenig erscheinen. Aber es ist ein Indiz für die nach wie vor große Resilienz der hiesigen Unternehmen. Die Gewinne in etlichen Branchen sind weiterhin hoch", konstatiert die TAZ.
Das DARMSTÄDTER ECHO stellt klar: "So schlecht sind die Chancen vieler deutscher Unternehmen auf dem Weltmarkt anscheinend doch nicht. Die vielen kleinen und mittelgroßen Champions geraten schnell aus dem Blick, weil alle auf die unbestritten großen Probleme der Autokonzerne starren. Wenn diese jetzt einigermaßen die Kurve kriegen, sieht es auch auf mittlere Sicht gar nicht so schlecht aus. Bleibt der Risikofaktor Bundesregierung. Nur wenn Schwarz-Rot seine Reformversprechen endlich erfüllt, hat der Stimmungswechsel in der Wirtschaft ein solides Fundament", glaubt das DARMSTÄDTER ECHO.
Die SÜDWEST PRESSE hält dagegen: "Weniger gut ist, dass die positiven Entwicklungen anscheinend kaum bei den Menschen ankommen. Deutschland ist weiter ein schlecht gelauntes und besorgtes Land. Und das, obwohl nicht nur Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer profitieren, sondern auch die Renten wieder einmal deutlich steigen werden. Immerhin orientieren diese sich an der Lohnentwicklung. Doch das letzte Ipsos-Sorgenbarometer zeigt einen sich verschärfenden Pessimismus. Die drei größten Sorgen der Deutschen sind demnach die Angst vor Armut und sozialer Ungleichheit, das Thema Einwanderung - und die Inflation", erklärt die SÜDWEST PRESSE aus Ulm.
In den Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN lesen wir: "'The trend is your friend', lautet eine alte Börsenweisheit. Man möge immer der aktuellen Marktrichtung folgen, um bloß nicht falsch zu liegen. Das trifft ganz sicher zu für die schlechte Wirtschaftsstimmung im Land. Dabei widersprechen die neuen Einschätzungen von Ökonomen und Statistikern der populären Dauererzählung vom wirtschaftlichen Totalabsturz Deutschlands. Die Wirtschaft behauptet sich trotz aller globalen Krisen besser als erwartet, eine Reihe ökonomischer Indikatoren hellt sich auf. Das bedeutet aber keineswegs Entwarnung. Die fundamentalen wirtschaftlichen Probleme sind sehr real, wie der Verlust Zehntausender Industriejobs und der aktuelle Krisenmarathon bei VW zeigen", heißt es in den Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN, zu denen etwa der DONAUKURIER gehört.
Beim Auto-Konzern Volkswagen ist auch nach einer Betriebsversammlung in Wolfsburg unklar, wie es mit den Standorten in Deutschland weitergehen soll. Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG vermutet: "Gerade dort, wo es nach Darstellung von VW-Chef Blume aktuell keine sichere Perspektive gibt – in Zwickau, Emden und Hannover – könnte es unschön werden. Es gebe 'intelligentere Lösungen als Werkschließungen', hatte der Vorstandschef im Juli gesagt. Langsam würden die Mitarbeiter gern wissen, was er damit meint. Als Blume vor zwei Jahren erklärte, wie sein Plan zur Rettung von VW aussehen wird, klang er noch wie ein Heimwerker voller Tatendrang. Mit einer 'Kernsanierung' eines Eigenheims verglich er seinen Job. Und sagte, dass er gut vorankomme. Inzwischen sieht es aus, als habe der Bauherr Blume noch ein undichtes Dach entdeckt und Wände voller Asbest", bilanziert die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Das STRAUBINGER TAGBLATT moniert die "äußerst mangelhafte Kommunikation aus der Führungsebene": "Schon viel zu lange kursieren Zahlen über Beschäftigungsabbau und Werksschließungen, ohne dass es klare Worte dazu gegeben hätte. Solche Hängepartien sind Gift für das Betriebsklima und all das, was nunmehr notwendig ist, um eine Talfahrt hinter sich zu lassen. Wie in der Politik so ist auch bei VW viel Vertrauen verloren gegangen, das nun wieder mühsam hergestellt werden muss", notiert das STRAUBINGER TAGBLATT.
Auch DER TAGESSPIEGEL zieht Parallelen zwischen VW und dem deutschen Staat: "Gemeinsam ist der Bundesrepublik und dem Wolfsburger Autobauer, dass sie die Probleme zwar jahrelang auf sich zurasen sahen, aber nur zögerlich umsteuerten. Was sich bei VW in einem viel zu späten Umschwenken auf E-Mobilität und Softwareentwicklung nun rächt, fällt der Bundesrepublik in den aktuellen Krisen mit der verschlafenen Energiewende, der verdaddelten Digitalisierung und natürlich der Rente auf die Füße. Die Bundesrepublik hat sich zu lange ausgeruht auf dem Titel als Exportweltmeister und Industrienation. Worüber China heute lacht. Zu lange hat sich auch der VW-Konzern auf seinem guten Ruf ausgeruht und China unterschätzt. Jahrzehnte der Exzellenz in der Verbrennertechnologie haben träge gemacht für dringend nötige Innovationen. Der Abgas-Betrug gab dem Ruf den Rest. Hybris kann blind machen für die Zukunft", bemängelt DER TAGESSPIEGEL, der in Berlin erscheint.
Themenwechsel. Bundesfinanzminister Klingbeil plant laut Medienberichten, die geplante Zuckersteuer auch auf Nektar, Smoothies und Hafermilch anzuwenden. Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER bemängelt: "Was einmal als wichtiges Konzept gestartet ist, hat Klingbeils Ministerium zu einem Monster verunstaltet. Die geplante Abgabe konzentriert sich nämlich nicht mehr auf Energydrinks oder zuckerhaltige Limonaden. Der Fiskus nimmt nun gefühlt alles ins Visier, außer Wasser und Alkoholika. Ferner soll die einst zweckgebundene Abgabe eine fette Finanzspritze für den allgemeinen Haushalt werden. Die Fraktionen dürfen Klingbeil jetzt auf keinen Fall auch noch parlamentarischen Zucker für dieses Konstrukt geben. Es wird Zeit, dass er dafür Saures bekommt", verlangt der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER.
Auch das Magazin CICERO argumentiert: "Wenn zu viel Zucker krank macht und man deshalb seinen Konsum durch Preiseffekte reduzieren wollte, dürfte man sich nicht nur auf Getränke beschränken. Was ist mit Torten und Bonbons, was ist mit Schokolade, Marmelade und Gummibärchen? Und was ist überhaupt mit Zucker? Konsequenterweise müsste man also nicht Getränke, sondern Zucker besteuern – und natürlich auch noch Honig. Das könnte man an der Quelle der Produktion oder des Imports tun und damit sehr viel Bürokratie sparen. Durch die Preissteigerung beim Zucker würde dann jedes zuckerhaltige Lebensmittel ganz automatisch teurer. Und zwar umso mehr, je mehr Zucker in ihm enthalten ist", folgert das Magazin CICERO aus Berlin.
Zum Abschluss der Presseschau schauen wir nach Australien. Dort ist ein Lied zum Hit geworden, das mit künstlicher Intelligenz produziert wurde. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG führt aus: "Musik, die überwiegend oder sogar ganz mit KI gemacht ist, darf in den australischen Charts nicht mehr vorkommen. Die dafür zuständige Australian Recording Industry Association will nur Musik zulassen, die 'wesentlich von Menschen gemacht' wurde. Auf die Frage, ob dann überhaupt noch etwas übrig bleibt, wird die dortige Musikszene hoffentlich eine Antwort finden. Womöglich wird hier gerade ein weiterer Schritt zur Selbstabschaffung der Unterhaltungskultur und letztlich auch der -industrie durch Technik vollzogen. Man könnte nun mit den Achseln zucken: Na und? Musik 'gehört' wird schon lange nicht mehr richtig, dafür ist sie zu allgegenwärtig und verfügbar." Mit diesem Kommentar der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG endet die Presseschau.
