29. August 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

In Thüringen bleibt Ministerpräsident Mario Voigt im Amt. Die AfD scheiterte erneut mit einem Misstrauensvotum gegen den CDU-Politiker. Die Kommentare befassen sich auch mit dem Auftritt von Bundeskanzler Friedrich Merz in einer Diskussionsrunde im Fernsehen.

Erfurt: Mario Voigt (CDU), Ministerpräsident von Thüringen, läuft bei einer Sitzung des Thüringer Landtags durch den Plenarsaal.
Kommentiert wird unter anderem das gescheiterte Misstrauensvotum gegen Thüringens Ministerpräsidenten Mario Voigt (CDU). (Bodo Schackow / dpa / Bodo Schackow)
Die DITHMARSCHER LANDESZEITUNG schreibt, das Ergebnis im Thüringer Landtag sei für AfD-Fraktionschef Björn Höcke diesmal günstiger ausgefallen: "Eine Stimme mehr, als er sicher erwarten konnte. Eine etwas weniger starke Ablehnung des Misstrauensvotums gegen den Thüringer Ministerpräsidenten Mario Voigt als beim ersten Anlauf. War es das nun wert für Björn Höcke, der nicht ernsthaft damit rechnen konnte, neuer Ministerpräsident in Erfurt zu werden? Die Antwort liegt nahe: Ja, es hat sich gelohnt, denn die formelle Niederlage war einkalkuliert und der Machtwechsel nicht Sinn und Zweck des Vorstoßes. Es gehört zu der besonderen Gemengelage im Thüringer Landtag, dass nicht nur Björn Höcke keine eigene Mehrheit hinter sich hat. Voigts Brombeer-Koalition fehlt ebenfalls ein Sitz, da muss die Linke als Mehrheitsbeschaffer herhalten – angesichts der offiziellen CDU-Linie informell natürlich. Nun hat diese Minderheitenkoalition zuletzt nicht an Stabilität gewonnen. Aber auch Voigt trägt Verantwortung mit dem sich hinziehenden Zwist um die Gültigkeit seines inzwischen aberkannten Doktortitels", ist die DITHMARSCHER LANDESZEITUNG aus Heide überzeugt.
Die THÜRINGER ALLGEMEINE aus Erfurt findet mit Blick auf den AfD-Fraktionschef: "Das Misstrauensvotum zeigt eindrücklich, dass hier ein Krawallbruder im Thüringer Landtag sitzt, dem es genau darum geht: Krawall zu veranstalten. Eine Antwort, wie er das Land führen will, bleibt Höcke in seiner Rede natürlich schuldig. So, wie er sie bisher oft schuldig geblieben ist. Wie soll es auch anders sein bei einem Mann, dem Thüringen schon immer zu klein und provinziell war? Der sich für einen Politiker hält, dem nichts Geringeres als die Rettung der ins Wanken geratenen Bundesrepublik vorbestimmt ist. Der redet natürlich nicht über seinen Plan für Thüringen. Das hat er einmal mehr deutlich gemacht", unterstreicht die THÜRINGER ALLGEMEINE.
Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf verweist auf die Bedeutung des Misstrauensvotums im Parlament: "Es ist mit Absicht so geschaffen worden, dass sich jenseits der amtierenden Koalition eine andere politische Mehrheit auf einen Ministerpräsidentenkandidaten einigen muss, um erfolgreich zu sein. Diese Mehrheit jenseits der Thüringer 'Brombeer'-Koalition hat Höcke nicht schmieden können. Doch darum ging es dem AfD-Mann zunächst auch gar nicht. Sein Ziel: Die Demokratie mit ihren eigenen Mitteln verächtlich machen, Voigt vorführen – und vor allem: das BSW im Thüringer Landtag weiter spalten", so die Einschätzung der RHEINISCHEN POST.
Das STRAUBINGER TAGBLATT vermutet: "Die zusätzliche Stimme gegen Mario Voigt, die nicht aus der AfD kam, dürfte für Björn Höcke jedoch Ansporn sein. Sie macht aus der Niederlage keinen Erfolg. Doch sie liefert ihm Munition, mit der er die Koalition weiter unter Feuer nehmen kann. Er wird den Verdacht schüren, irgendwer im demokratischen Lager bemühe sich um Annäherung. Wer immer diese Stimme abgegeben hat, hat Höcke diese Erzählung geschenkt. Und der wird sie ausschlachten. Als Signal angeblicher Normalisierung. Obwohl er von einer Mehrheit weit entfernt bleibt", wendet das STRAUBINGER TAGBLATT ein.
Themenwechsel. Der MÜNCHNER MERKUR beschäftigt sich mit der Fernseh-Diskussionsrunde "Am Tisch mit Friedrich Merz": "Vor einem Millionenpublikum fetzte sich der Kanzler bei RTL mit seinen Bürgern. Mit einer Ärztin, die seine Gesundheitspolitik 'menschenverachtend' nannte. Mit einer Pfarrerin, die seinen Stadtbild-Satz verurteilte. Und einem Unternehmer, der die Brandmauer eingerissen sehen will. Sollte sich Friedrich Merz je vorgenommen haben, gefälliger zu kommunizieren, dann hat er diesen Vorsatz schnell wieder über Bord geworfen. Das ist vielleicht nicht sehr geschickt. Aber ehrlich. Gefällig sein, das konnte niemand besser als Angela Merkel. Sie hat den Leuten die Wohltaten gegeben, die sie für ihre Wählerstimme verlangten. Und das Land so mitten hinein in die Krise geführt, in der es jetzt steckt. Gefällig zu sein, ist für Merz keine Option. Dann doch lieber Klartext-Kanzler", vermerkt der MÜNCHNER MERKUR.
"Diese direkte Konfrontation mit den Bürgern ist nicht Merz’ Stärke", bilanziert der TAGESSPIEGEL aus Berlin: "Die Szene offenbart aber noch etwas anderes. Ein Problem, in der Art, wie wir Dialoge führen – und wie teilweise mit Politikerinnen und Politikern in diesem Land umgegangen wird. Das kann auch zu einem massiven Problem für die Demokratie werden. Wenn Politikerinnen und Politiker, bei aller sachlich berechtigten Kritik, von rechtsaußen als 'peinliche Flachzangen' bezeichnet oder aus der Mitte des Volkes als 'menschenverachtend' beschrieben werden, wird es immer weniger Menschen geben, die bereit sind, sich diesen Beruf anzutun. Und eine Demokratie lebt davon, dass es Menschen gibt, die sich politisch engagieren. Am besten Menschen, die Erfahrung haben, selbst aus unterschiedlichen Berufen kommen. Aber zu welchem Preis macht man das?", fragt der TAGESSPIEGEL.
Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG konstatiert: "Der politische Diskurs ist in den vergangenen Jahren sehr viel rauer geworden, befeuert gerade auch durch soziale Medien. Das Problem: Wer politische Kritik derart überzeichnet, trägt zur Delegitimation nicht nur einzelner Politiker, sondern des ganzen Gemeinwesens bei. Unsere aufgeheizte Debattenkultur braucht eine Abrüstung. Wer bei einfachen Reformprojekten – und seien sie noch so kontrovers – das Wort 'menschenverachtend' im Mund führt, sollte seine Maßstäbe überprüfen. Darauf darf auch ein Kanzler hinweisen – selbst wenn er Friedrich Merz heißt." Das war die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
Abschließend in die USA. Dort hat Präsident Donald Trump per Dekret angeordnet, den von den USA und Kanada geteilten Lake Ontario in "Lake America" umzubenennen. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG mahnt: "Unterschätzen sollte man solche Umbenennungen nicht. Auch auf der anderen Seite des politischen Spektrums wird damit der Kulturkampf geführt. Obama benannte den Mount McKinley in Denali um, um den indigenen Namen des Berges in Alaska wiederherzustellen. Trump machte es rückgängig. Ähnlich verwies nun der kanadische Ministerpräsident Mark Carney darauf, dass der Name des Lake Ontario auf ein indigenes Wort zurückgehe. Gerade in einem kolonisierten Gebiet wie Nordamerika geht es hier letztlich um die Frage, wer zur Nation gerechnet wird und welche Stellung er darin hat. Wie die Rechtspopulisten in Europa profitiert Trump davon, dass viele in der weißen Mehrheitsbevölkerung in den vergangenen Jahren den Eindruck gewinnen konnten, sie kämen im öffentlichen Diskurs zu kurz", analysiert die F.A.Z.
Die WIRTSCHAFTSWOCHE sieht das Verhältnis zwischen den USA und Kanada durch Trumps Kurs nachhaltig belastet: "Mal ist es ein Post auf seiner Social-Media-Seite, der das Land zum 51. Bundesstaat degradiert, mal ein ausgewachsener Zollhammer. So ist es dem 80- Jährigen gelungen, die kanadische Bevölkerung massiv gegen sich aufzubringen – eine Stimmung, der Regierungschef Carney Rechnung tragen muss. Kein Wunder also, dass er im aktuellen Handelsstreit nicht auf Besänftigung setzt, sondern auf Konfrontation. Etwas anderes würde ihm seine Öffentlichkeit auch nicht durchgehen lassen. Es ist etwas zerbrochen zwischen den Nachbarn. Trumps anhaltende Provokationen haben dafür gesorgt, dass sich unter den Kanadiern offener Zorn auf die Amerikaner ausgebreitet hat. Und Schmerzen wird der neue Konflikt den Kanadiern bereiten. Schließlich sind die Volkswirtschaften der beiden Länder eng miteinander verwoben. Die US-Zölle, auf die Carney nun in gleicher Höhe reagieren will, werden vor allem die viel kleinere kanadische Wirtschaft hart treffen", erwartet die WIRTSCHAFTSWOCHE, mit der diese Presseschau endet.