
Zur Ankündigung Moskaus, die deutschen Goethe-Institute in Russland zu schließen, bemerkt DIE ZEIT in ihrer Online-Ausgabe: "Was wie ein weiterer reziproker Verwaltungsakt im hybriden Konflikt von Russland gegen Deutschland klingt, ist weit mehr aus der Sicht von Russen und von Deutschen, die noch nach Russland reisen oder dort leben. Das Ende des Goethe-Instituts in Russland ist das Ende einer Hoffnung, eines Treffpunkts beider Länder jenseits der Politik und eines Fensters nach Europa für viele Russinnen und Russen. Und dem darf ruhig einmal nachgetrauert werden. Bei allen Maßnahmen, nach denen die Bundesregierung als Antwort auf den hybriden Krieg Russlands sucht, muss man wissen: Der russischen Regierung ist sehr an der Zerstörung der zivilgesellschaftlichen Bindungen zwischen Russland und Deutschland gelegen. 'Vergesst Europa!', lautet die Botschaft Putins an sein Volk. Dazu passt die Stigmatisierung und strafgesetzliche Verfolgung der meisten zivilgesellschaftlichen Organisationen, die sich einst um die Vernetzung der Menschen in Russland mit Deutschland verdient gemacht haben", notiert DIE ZEIT.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG hebt die Bedeutung der Goethe-Institute als Orte des freien Austauschs hervor: "In Diktaturen wie Russland können kleine Inseln relativer Freiheit viel bedeuten für Menschen, die sich - wenn schon Widerstand nur noch unter hohem Risiko möglich ist - wenigstens innerlich nicht anpassen wollen. Die Goethe-Institute in Russland konnten solche Zufluchtsorte sein in einem Land, in dem die Zensur inzwischen auch die Bibliotheken erreicht. Die Schließung der Institute ist deshalb wirklich eine schlechte Nachricht. Trotzdem wäre es falsch gewesen, wegen dieser erwartbaren Reaktion des Putin-Regimes auf die Schließung des Russischen Hauses in Berlin zu verzichten. Dass diese Institution auch viereinhalb Jahre nach dem Überfall auf die Ukraine im Zentrum der deutschen Hauptstadt noch Propaganda des Aggressors verbreiten konnte, war ein unerträglicher Zustand", findet die F.A.Z.
Der KÖLNER STADT-ANZEIGER verteidigt die angekündigten Maßnahmen der Bundesregierung als notwendige Reaktion auf russische Aggressionen: "Ursache und Reaktion dürfen nicht verwechselt werden: Am Anfang stand der Angriff Russlands auf den Flughafen Leipzig/Halle. Die Sorge vor russischen Gegenmaßnahmen kann jedenfalls nicht bedeuten, dass die Bundesregierung auf Maßnahmen zum Schutz der eigenen Bevölkerung verzichtet. Genau diesem Schutz dienen die angekündigten Sanktionen: Sie sollen Russland davon abschrecken, seinen hybriden Krieg weiter nach Europa zu tragen. Wie wichtig Entschlossenheit und Mut angesichts russischer Gewalt sind, haben die Ukrainer den Europäern vorgemacht. Hätten sie sich dem russischen Überfall nicht mit aller Kraft widersetzt, hätten sie heute keinen souveränen Staat mehr", schreibt der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
Das Magazin CICERO mahnt zu einer sorgfältigen Prüfung der Vorwürfe gegen Russland und fordert mehr Transparenz: "Deutschlands Regierung täte gut daran, die ominösen 'nachrichtendienstlichen Erkenntnisse' offenzulegen, die die derzeitige Eskalation gegenüber Russland als gerechtfertigt erscheinen lassen sollen – und auf die sie sich beruft, um bloße Indizien in einen echten Beweis zu verwandeln. Sollten die 'nachrichtendienstlichen Erkenntnisse' aber selbst wiederum bloß 'Indizien' sein, ist Deutschland möglicherweise eine regelrechte außenpolitische Torheit unterlaufen." Das war CICERO.
"Nein, Deutschland befindet sich nicht im Krieg mit Russland", betont die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG: "Nicht in einem Krieg, der mit Soldaten geführt würde, und auch nicht in dem 'hybriden Krieg', von dem jetzt viele sprechen. Man muss die Worte in diesem Konflikt besonnen wägen. Deutschland führt keinen Krieg, sondern wehrt sich mit den Mitteln eines demokratischen Rechtsstaates gegen russische Akte des Staatsterrorismus. Die Reaktion aus Moskau war bezeichnend: Drohungen. Ex-Präsident Dmitrij Medwedjew raunte gar von einem 'direkten Schlag' gegen deutsche Rüstungsbetriebe, auch in Berlin. Das ist die Sprache des Staatsterrorismus. Nichts anderes war der Versuch, in Leipzig/Halle Flugzeuge mit Drohnen zu attackieren, die mit Sprengstoff vollgepackt waren", urteilt die SÜDDEUTSCHE.
Die VOLKSSTIMME aus Magdeburg warnt vor einer weiteren Eskalation des Konflikts mit Russland: "Die deutsche Regierung hat den Kreml düpiert und die erwartete Gegenreaktion kassiert. Doch gegen das, was folgen könnte, nimmt sich die Leipzig-Affäre wie ein harmloses Geplänkel aus. Schon verlangen Scharfmacher wie Agnes Strack-Zimmermann und Roderich Kiesewetter andere Kaliber aufzufahren. Würde Berlin darauf einsteigen, könnte die Auseinandersetzung zwischen Russen und Ukrainern vollends zu einem Stellvertreterkrieg mutieren. Der Konflikt würde sich nach Westen verlagern. Kern wäre nicht der Kampf zwischen der NATO oder den EU-Staaten mit dem Kreml, sondern ein Krieg zwischen Russland und Deutschland. Der Kurs der Bundesregierung muss also irgendwo zwischen Strafregime und Waffengewalt liegen, um den Frieden zu erhalten", Soweit die VOLKSSTIMME und so viel zu diesem Thema.
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU beschäftigt sich mit einem Bericht des UNO-Umweltprogramms, wonach das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens in den kommenden Jahren voraussichtlich verfehlt wird: "Zu lange wurde verhandelt, vertagt und verwässert, während die Emissionen weiter stiegen. Ist Paris damit gescheitert? Wer das behauptet, macht es sich zu einfach und liefert den Klimaschutz-Bremsern eine gefährliche Ausrede. Die 1,5 Grad sind keine Klippe, hinter der jede Anstrengung sinnlos wird. Mit jedem zusätzlichen Zehntelgrad nehmen Hitzewellen, Dürren, Starkregen und Ernteverluste weiter zu. Was bereits 1,4 Grad globale Erwärmung bedeuten, war in Europa in diesem Sommer zu besichtigen: Rekordhitze, Waldbrände, niedrige Flusspegel und Zehntausende zusätzliche Todesfälle während der Hitzewellen. Trotzdem ist Resignation fehl am Platz. Die klimafreundliche globale Energiewende ist trotz politischer Rückschläge näher als viele glauben. Erneuerbare Energien sind heute in vielen Regionen bereits günstiger als fossile.Die Energiewende hängt damit nicht mehr allein vom guten Willen der Regierungen ab", argumentiert die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
Die Zeitung DIE WELT kritisiert in ihrer Online-Ausgabe, dass die Debatte über das 1,5-Grad-Ziel die wirtschaftlichen Folgen des Klimaschutzes zu wenig berücksichtige: "Dabei ignoriert der Bericht die entscheidende Frage: Wäre es eigentlich sinnvoll, möglichst rasch zu 1,5 Grad zurückzukehren? Aus klimatologischer Sicht wäre es das: Wissenschaftler betonen, dass jedes Zehntelgrad Erwärmung Umweltrisiken erhöht. Indes: Auf die Kosten der CO2-Minderung, die eine radikale Umstellung von Industrie, Verkehr, Kraftwerken und Gesellschaft erfordern würde, geht der Unep-Report nicht ein – ein entscheidendes Manko."
Die TAGESZEITUNG - TAZ - wirft der Politik vor, die Warnungen der Wissenschaft noch immer nicht ernst genug zu nehmen: "Allein in diesem August gab es ein halbes Dutzend Felsstürze in den Alpen. Spätestens der Felssturz von Blatten im Wallis, der 2025 ein ganzes Bergdorf verschüttete, hätte klarmachen müssen: Ohne Klimaschutz werden solche Ereignisse häufiger. Aktuell hat die Weltorganisation für Meteorologie vor einem besonders heftigen El-Niño-Ereignis gewarnt. Mit ungewohnter Dramatik fordert sie außergewöhnliche Vorbereitungs- und Reaktionsmaßnahmen. Doch anstatt den Klimaschutz entschlossen voranzutreiben, diskutiert die Gesellschaft vor allem über Anpassung. So lässt sich nach dem nächsten Bergsturz, der nächsten Flut oder dem nächsten Hitzesommer wieder behaupten: Hinterher ist man immer schlauer", kommentiert die TAZ, mit der diese Presseschau endet.
