
Die AUGSBURGER ALLGEMEINE meint: "Angesichts des verschärften Wettbewerbs mit China, der Zollpolitik des US-Präsidenten und der eigenen Überkapazitäten konnte es bei VW nicht so weitergehen wie bisher. Dass die IG Metall und das Land Niedersachen dem Stellenabbau zugestimmt haben, zeigt, wie ernst die Lage ist. Nur eine Gesundung des Konzerns kann die vier Werke bewahren. Auf die VW-Beschäftigten kommen Jahre zu, in denen die Löhne deutlich langsamer zulegen werden und manches Privileg angetastet wird", prognostiziert die AUGSBURGER ALLGEMEINE.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG sieht es so: "Der neue Rettungsplan für Europas größten Autokonzern zeigt einen Weg, wie VW aus der Krise kommen kann. Die Kosten sollen sinken, bis zu 50.000 weitere Stellen abgebaut werden. Damit hat der Vorstand um Konzernchef Oliver Blume ein stärkeres Mandat für seinen Umbau. Auch für die vier gefährdeten Standorte in Deutschland werden die Schwierigkeiten nun erstmals benannt. Für Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm hat VW nach aktuellem Stand keine Fahrzeuge, die dort künftig noch zu wettbewerbsfähigen Kosten gebaut werden können. Der Aufsichtsrat nimmt das 'zur Kenntnis' - eine fein austarierte Formulierung, die es den Arbeitnehmervertretern und dem an VW beteiligten Land Niedersachsen erlaubt, abermals davon zu sprechen, dass Werksschließungen abgewendet worden seien. Doch die Beschäftigten müssen weiter zittern. Denn dass sich der Automarkt plötzlich erholt, ist Wunschdenken. Auch neue Geschäftsfelder wie die Rüstung werden nur einen Teil der Arbeitsplätze auffangen können", vermutet die F.A.Z.
Die Zeitung ND.DER TAG merkt an: "Der Betriebsrat erklärt, dass die Lasten 'nicht einseitig' von den Arbeiterinnen und Arbeitern zu tragen seien. Aber wenn der Profit auf über 30 Milliarden Euro pro Jahr steigen soll, dann ist die Lastenverteilung in dem Beschluss schon sehr einseitig festgelegt. Das ist das zweite Mal nach dem Tarifabschluss vom Dezember 2024 mit Lohnsenkung und Arbeitszeitverlängerung: ein kräftiger Aderlass seitens der Arbeiterinnen und Arbeiter."
In der HANNOVERSCHEN ALLGEMEINEN heißt es: "Natürlich sind die Einschnitte bitter. Aber wer sie für vermeidbar hält, ignoriert die Realität. Europa produziert mehr Autos als nötig - und das keineswegs erst seit Corona. Statt sich in weiteren Dramen an jedes Autowerk zu klammern, wäre es besser, Alternativen voranzubringen."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG findet: "Die Einigung ist für den VW-Chef Chance und Verantwortung zugleich. Wer einem Konzern einen so radikalen Sparkurs verordnet wie Blume, muss auch beweisen, dass er das Geld des Unternehmens in die richtigen Themen und Produkte investiert. Blume muss zeigen, dass er VW schneller und effizienter machen kann. Dass er die richtigen Partner auswählt, um bei der Software mit der Konkurrenz aus China und den USA mithalten zu können. Vor allem muss er zeigen, dass VW wieder Autos in einer Qualität bauen kann, die sich von den neuen Wettbewerbern aus Fernost abhebt. Die VWs müssen nicht unbedingt billiger sein, aber es muss wieder klar werden, dass ein VW für mehr Geld auch mehr bietet. Das gilt übrigens nicht nur für den Autokauf, sondern auch für die Betreuung der Kundinnen und Kunden nach dem Kauf. Dort haben chinesische Hersteller noch Schwächen. Es wäre klug, diese auszunutzen", rät die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Themenwechsel. Nach den Sabotageversuchen an der Stromversorgung unter anderem in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen wird über den Schutz der kritischen Infrastruktur diskutiert. Die NÜRNBERGER ZEITUNG kommentiert: "Nicht jeder Leitungsmeter, nicht jeder Strommast kann geschützt werden, aber wenigstens bei den Knotenpunkten sollte das der Fall sein. Es werden erhebliche bauliche Veränderungen nötig sein, zudem der Einbau von Sensoren und Kameraüberwachung. Die kritische Infrastruktur muss auch als Ganzes in den Blick genommen werden, denn vieles hängt miteinander zusammen - Telekommunikation, Rechenzentren, Wasserwerke und Flughäfen etwa."
Die MEDIENGRUPPE BAYERN schreibt unter anderem im DONAUKURIER: "Auch, wenn Moskau womöglich nicht hinter den Draht-Raketen auf Umspannwerke in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Brandenburg steckt, sondern irgendein Irrer, so dürfte derlei doch von Moskau gewollt sein – weil es nützlich ist, weil es zeigt, was uns passiert, wenn wir nicht tun, was Putin fordert. Denn Deutschlands jahrelange politische Sorglosigkeit und die daraus resultierende weitgehende Tatenlosigkeit, einen effizienten und funktionierenden Zivilschutz aufzubauen, ermöglichen es nun, per Geheimdienstmethoden wunderbar unser Kopfkino zu befeuern", heißt es in den Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN.
Die SÜDWEST PRESSE sieht das ähnlich: "Während ganz Deutschland gerade auf Umspannwerke starrt, gehen die verdächtigen Drohnenüberflüge, die uns vor Monaten noch in Atem hielten, munter weiter. Ungefährlicher sind auch die nicht geworden. Was dagegen hilft, klingt auf den ersten Blick widersprüchlich: erstens die Bedrohung durch Russland ernster zu nehmen als bisher und sowohl den Schutz als auch die Strafen hochzufahren. Warum, zum Beispiel, wird die russische Schattenflotte immer noch geschont? Und zweitens gilt, sich nicht verrückt machen zu lassen. Auch das ist Abwehr", findet die SÜDWEST PRESSE aus Ulm.
Nun Stimmen zum Büdnis Sarah Wagenknecht. Im Streit über die Ausrichtung des BSW und die Regierungsbeteiligung in Thüringen haben dort zehn Landtagsabgeordnete die Partei verlassen. Der CICERO erklärt: "In den vergangenen Monaten wurde aus dem Richtungsstreit immer mehr ein offener Machtkampf. Besonders deutlich zeigte sich das seit August, nachdem die TU Chemnitz den Widerspruch von Ministerpräsident Mario Voigt gegen die Aberkennung seines Doktortitels zurückgewiesen hatte. Der BSW-Bundesvorstand forderte daraufhin nicht nur Voigts Rücktritt, sondern verlangte von den Thüringer Parteifreunden auch, dem Ministerpräsidenten ihr Vertrauen zu entziehen. Jetzt dürfte stattdessen das Schicksal des BSW selbst besiegelt sein", vermutet der CICERO.
Die RHEINISCHE POST bemerkt: "Morgen soll – just während des Wahltags in Sachsen-Anhalt – ein Sonderparteitag stattfinden. Dort wird es zum Showdown kommen. Tatsächlich sind die Vorgänge in Thüringen mit Sachsen-Anhalt verknüpft: Hatte Wagenknecht doch der AfD eine 'sachbezogene, parlamentarische' Zusammenarbeit unter einem überparteilichen Ministerpräsidenten in Aussicht gestellt. Es ist verständlich, dass im BSW über eine solche Annäherung an die Rechtsextremisten von Sachsen-Anhalt geredet werden soll. Und es ist auch nachvollziehbar, dass das eine Partei zerreißt, erst recht eine so junge. Allerdings ist das Gebaren an der Parteispitze vor allem eines: Eine Steilvorlage für die Radikalsten in der AfD. Und das BSW zeigt nun allen, dass es keine verlässliche Partei für eine Zusammenarbeit ist. Eine Botschaft, die auch in anderen Bundesländern für Nervosität sorgen dürfte", unterstreicht die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf.
Die TAZ spricht von "widerstreitenden Interessen" innerhalb des BSW und schreibt: "Daran ist in Brandenburg schon die Koalition des BSW mit der SPD und der gesamte Landesverband zerbrochen. Und seit Sahra Wagenknecht vor der Wahl in Sachsen-Anhalt die Devise ausgegeben hat, dort mit der AfD zusammenzuarbeiten und ihr im Zweifel sogar an die Macht zu verhelfen, fällt auch ihr Thüringer Landesverband, der dort mit CDU und SPD eine Regierung bildet, auseinander. Fast alle der einst 15 BSW-Abgeordneten haben nun die Partei verlassen, darunter ihre drei Minister. Sie wollen die Regierung weiter stützen. Nur ist diese schon jetzt auf Stimmen der Linken angewiesen, um handlungsfähig zu sein. Das BSW dürfte bald Geschichte sein. Doch auf die Linke wird es weiter ankommen." vermerkt die TAZ.
