07. September 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist das beherrschende Thema in den Kommentaren. Abgesehen davon geht es um die Folgen des Hacker-Angriffs auf die Stadt Berlin.

    Ulrich Siegmund (Mitte), AfD-Spitzenkandidat von Sachsen-Anhalt, jubelt in Magdeburg zusammen mit den Bundesvorsitzenden Alice Weidel (links) und Tino Chrupalla (rechts).
    Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gewonnen - und das ist auch das große Thema in den Zeitungskommentaren. (Michael Kappeler / dpa)
    Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG schreibt zum Wahlausgang in Sachsen-Anhalt: "Demokraten bleibt nur, dieses Ergebnis zu akzeptieren, wiees ist: Die AfD hat in Sachsen-Anhalt einen großen Wahlsieg errungen. Zu akzeptieren ist, dass sich so viele Wählerinnenund Wähler für eine gesichert rechtsextreme Landespartei entschieden haben - oder jedenfalls gegen die klassischenParteien. Warum die Opferlegenden der AfD im Land so gut verfangen haben, muss der demokratischen Mitte zu denkengeben. Was man nicht akzeptieren darf, ist der 'Systemwechsel'von dem so viele in der AfD im Wahlkampf schwärmten. Dieses System ist der demokratische Rechtsstaat, den das Grundgesetz vor allen Versuchen seiner Beseitigung schützt." Das war die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
    Im Leitartikel des Magazins DER SPIEGEL heißt es: "Was sich als Erstes einstellt, ist Entsetzen. Dass das möglich ist in Deutschland, gut achtzig Jahre nach der Diktatur der Nationalsozialisten, die für den Zweiten Weltkrieg, den Holocaust und andere Horrortaten verantwortlich sind. Dass im Jahr 2026 eine Partei, die keine scharfe Trennlinie zu Nazideutschland ziehen will, eine Wahl haushoch gewinnt."
    Auch das Portal T-ONLINE schaut auf die AfD: "Mit weitem Abstand ist sie stärkste Kraft. Das hat sie einer Frust- und Wechselstimmung im Land, einem hochambitionierten eigenen Wahlkampf, ihrem nahbaren Spitzenkandidaten Siegmund und erheblichen Fehlern der Konkurrenz zu verdanken."
    Der Kommentar aus dem Magazin CICERO befasst sich näher mit dem AfD-Spitzenkandidaten. "Ulrich Siegmund, der als 'Experte für Raumbeduftung' belächelte Wahlsieger, hat es geschafft, das Schlechte-Laune-Image seiner Partei ins Gegenteil zu verkehren: Er hat dem in der AfD sonst so verbreiteten Kulturpessimismus abgeschworen und einen fröhlichen, volksnahen und perfekt choreografierten Wahlkampf geführt." An anderer Stelle stellt der CICERO dann klar: "Je mehr die AfD als Schmuddelkind behandelt wurde, mit dem man sich am besten überhaupt nicht abgeben dürfte, desto mehr flogen ihr die Herzen zu. Das war alles längst absehbar (und dürfte auch der Grund für die hohe Wahlbeteiligung gewesen sein)." So weit der Kommentar aus dem CICERO.
    "Die Parteien der Mitte müssen – ganz unabhängig von Sachsen-Anhalt - ihren Umgang mit den Parteien am rechten und linken Rand klären", fordert der KÖLNER STADT-ANZEIGER. "Das gilt vor allem für die Union, die einen Unvereinbarkeitsbeschluss zu AfD und Linkspartei gleichermaßen gefasst hat. Die in erheblichen Teilen rechtsextremistische AfD kann kein Partner sein. Versucht es ein CDU-Regierungschef indes mit der Linken, stellt er die eigene Partei vor eine Zerreißprobe. Die Union muss sich ehrlich machen: Es gibt Unterschiede zwischen AfD und Linkspartei, und die Linke ist das geringere Übel. Den Maßstab setzt im Zweifel der Verfassungsschutz", kommentiert der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
    Die VOLKSSTIMME aus Magdeburg nimmt das Abschneiden der Christdemokraten in Sachsen-Anhalt in den Blick. "Die seit 2002 regierende CDU stürzt dramatisch ab. Auch wegen massiver Kompetenzverluste. Dazu kam scharfer Gegenwind aus Berlin. Der unbeliebte Bundeskanzler Merz wurde bei den wenigen Auftritten in Sachsen-Anhalt vor der Bevölkerung geradezu versteckt. Und kurz vor der Landtagswahl wurde dann auch noch der Richtungsstreit in der Union neu entfacht. Die Gretchenfrage dabei: Sollte sich eine CDU-geführte   Minderheitsregierung von der Linken tolerieren lassen? In diesem Punkt ist die Landes-CDU gespalten. Die Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt wird nun vor allem eines - sehr kompliziert", prophezeit die VOLKSSTIMME.
    "Wo sollte die halbierte CDU von Wahlverlierer Sven Schulze mit einem desaströsen Ergebnis unter 20 Prozent einen politischen Führungsauftrag herleiten?", fragt sich die BADISCHE ZEITUNG aus Freiburg. "Christdemokraten, Grüne und SPD haben zusammen weniger Stimmen erhalten als die AfD. In Magdeburg führt nun an der AfD kein Weg mehr vorbei. Sie hat den Wählerauftrag, eine Regierung zu bilden. Das ist eine Niederlage aller Demokraten und eine Zäsur für ganz Deutschland."
    "Es geht ans Fundament", urteilt das Magazin FOCUS. "Die Anhänger der AfD wollen nicht nur eine andere Regierung in Magdeburg oder Berlin. Sie wollen die Alternative zur Republik, wie sie bisher war. So bitter es ist: Diese Wahl ist kein Unfall. Sie ist das Fanal nach jahrelangem Ringen. Alle Argumente sind ausgetauscht. Brandmauer. Unvereinbarkeitsbeschluss. Spaltung. Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Ein gesichert rechtsextremer Landesverband. Selten wurde über Wahlprogramme, Absichten und Protagonisten einer Landtagswahl so intensiv berichtet wie in den vergangenen Monaten. Niemand hat hier aus Versehen abgestimmt", unterstreicht der FOCUS.
    Und noch ein Blick in die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG. "Wer Sicherheit, Wirtschaft und Gesellschaft in die Hände von Politikern geben will, die Deutschland zum Spielball der Großmächte und eines romantisch-neurotischen Volksglaubens machen, der weiß nicht, was er tut. Die Sympathien dafür kommen aus dem Bedürfnis, 'reinen Tisch' zu machen. Den wird es aber nicht geben, nicht in Sachsen-Anhalt, nicht im Bund.Bei aller berechtigten Kritik an der Unvollkommenheit dieser Koalition muss man ihr doch dankbar sein, die Deutschen jeden Tag daran zu erinnern, was demokratische Politik eigentlich ist. Nicht die Zerstörung, nicht die reine Lehre, sondern das Mögliche. Die Tragik der Koalition könnte sein, dass sie in der neuen Zwei-Lager-Landschaft, die sich in Deutschland aus Anti-AfD und AfD herausbildet, nicht den Jubel, sondern die Jammerei auf ihrer Seite hat", befürchtet die F.A.Z.
    Nach dem Cyberangriff auf die Berliner Senatsverwaltung haben die mutmaßlichen Täter von der Hacker-Gruppe Rhysida mehr als 1,4 Millionen Datensätze im Darknet veröffentlicht. Die FRANKFURTER RUNDSCHAU ist empört über die Reaktion der Politik. "Leider haben der Regierende Bürgermeister und seine zuständigen Senator:innen noch keinen rechten Überblick und schon gar keinen Plan, die Katastrophe zu managen. Man ist mit der Sache nämlich erst seit drei Wochen konfrontiert. Krisenmanagement ist nicht gerade das Ding des Regierenden Bürgermeisters, das hat er schon Anfang des Jahres beim Anschlag auf das Berliner Stromnetz bewiesen, der 100.000 Menschen tagelang im Dunkeln frieren ließ. Umso fassungsloser macht es, dass ein erneuter Angriff auf die kritische Infrastruktur den Senat wieder genauso unvorbereitet trifft", schreibt die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
    Das HANDELSBLATT klingt nicht weniger ungehalten. "Der Hackerangriff auf Berlin ist mehr als ein Alarmsignal. Er zeigt, wie schlecht Deutschland auf eine Bedrohung vorbereitet ist, die längst zum Alltag gehört. Cyberangriffe und Sabotage sind keine Ausnahme mehr. Spätestens der jüngste, von Russland gesteuerte Drohnenanschlagsversuch am Flughafen Leipzig hat die angespannte Lage erneut gezeigt. Trotzdem reagiert der Staat, als hätte er alle Zeit der Welt. Und das ist fatal. Während sich die Bedrohung zuspitzt, antwortet der deutsche Staat im Schneckentempo", beklagt das HANDELSBLATT.
    Und die RHEINPFALZ aus Ludwigshafen fügt hinzu: "Der Drohnen-Vorfall von Leipzig, die Sabotageversuche am Stromnetz, der Hackerangriff auf die Berliner Landesverwaltung: Deutschland steht gerade auf mehreren Ebenen stark unter Stress. Die Hintergründe sind ganz unterschiedlich – Russlands hybride Kriegsführung, vermutlich ein Klimaaktivist als Einzeltäter und wahrscheinlich Cyberkriminelle –, doch alle Attacken haben das Zeug, die Gesellschaft erheblich zu verunsichern." Sie hörten einen Auszug aus der RHEINPFALZ.