14. September 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

In den Kommentaren geht es heute um die Chancen und Risiken Künstlicher Intelligenz, um die Lage von Bundeskanzler Friedrich Merz und der CDU sowie um die Folgen des Konflikts im Jemen für den Welthandel.

    Das Bild zeigt Friedrich Merz im Kanzleramt. Neben ihm ist auf dem Bild etwas unscharf eine Europafahne zu sehen.
    Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) (imago / dts Nachrichtenagentur)
    Die BERLINER MORGENPOST begrüßt, dass führende KI-Unternehmer inzwischen selbst vor den Risiken ihrer Technologie warnen. "Was für ein erstaunlicher Wandel. Eben noch drohten die Mahner, in der Debatte über den Einsatz Künstlicher Intelligenz als Feinde des Fortschritts unterzugehen. Jetzt plötzlich schwenken Sam Altman von OpenAI, Dario Amodei von Anthropic und Elon Musk, Grok bei SpaceX, um und warnen auch vor den Gefahren. Die Treiber der Technologie plötzlich als ihre Bremser? Das klingt fast zu gut, um wahr zu sein, bietet aber eine große Chance. So hängt über der Warnung ein Hauch von PR. Dass die drei Firmenlenker laut über die Gefahren reden, ist dennoch gut. Es befeuert die Debatte darüber, wie wir die neue Technologie einsetzen, was wir zulassen wollen. Das kam bisher zu kurz", betont die BERLINER MORGENPOST.
    DER SPIEGEL konstatiert in seiner Online-Ausgabe: "Fast 1.400 teils extrem renommierte, hoch bezahlte Fachleute haben einen offenen Brief unterschrieben, der die US-Regierung auffordert, endlich für internationale Regeln zu sorgen. Das dürfte eine einmalige Situation sein: Unternehmensvertreter flehen öffentlich darum, endlich reguliert, reglementiert zu werden. KI-Regulierung, das Abbremsen der Klimakatastrophe und internationale Abkommen etwa gegen Biowaffen haben etwas gemeinsam: All das sind Menschheitsprobleme, Menschheitsrisiken. Und Menschheitsprobleme lassen sich nur lösen, wenn die Menschheit kooperiert. Unglücklicherweise sitzt im Weißen Haus ein Mann, der nicht an Kooperation glaubt, sondern an ein Nullsummenspiel", kritisiert DER SPIEGEL.
    Die TAGESZEITUNG - TAZ - gibt zu bedenken: "KI-Modelle brechen nicht einfach so aus einer Sicherheitsumgebung aus, um ein fremdes Unternehmen zu hacken. Sie tun es, weil ihnen gewisse Aufgaben gestellt werden. Kein KI-Modell der Welt kann sich von alleine aufwecken. Hinter jedem Vorfall in den Schlagzeilen stehen menschliche Entscheidungen."
    Die Zeitung DIE WELT sieht Europa in einer Schlüsselrolle bei der Regulierung von Künstlicher Intelligenz: "Die Antwort heißt: ein internationales Abkommen, die Entwicklung einer Super-KI zu verbieten, einschließlich robuster Kontrollmechanismen, die tief in die Prozesse eingreifen, mit denen Firmen KI-Modelle herstellen, und scharfer Sanktionen – sprich Gefängnisstrafen – für Manager und Ingenieure, die dagegen verstoßen. Die gute Nachricht ist, dass alle Beteiligten ein solches Regiment wollen, die schlechte, dass alle Angst haben, den ersten Schritt zu tun. Hier liegt Europas Chance. Nicht als Konkurrent - der Zug ist abgefahren -, sondern als ehrlicher Makler mit Hochdruck daran zu arbeiten, ein solches Abkommen und ein solches Kontrollregiment zusammen mit den wichtigsten staatlichen und privaten Akteuren zustande zu bringen." Soweit DIE WELT und so viel zu diesem Thema.
    Mit der Lage von Bundeskanzler Friedrich Merz und der CDU befasst sich die OSTTHÜRINGER ZEITUNG aus Gera: "Merz ist seit nicht einmal anderthalb Jahren im Amt. Seine Regierung wollte innerhalb weniger Monate die Stimmung im Land drehen. Das Gegenteil ist eingetreten. Man muss Friedrich Merz nicht mögen. Er macht viele Fehler, seine Lernkurve zeigt nicht nach oben. Natürlich ist die Frage legitim, ob die regierende Koalition mit einem anderen Kanzler nicht besser fahren würde. Die Sache ist aber die: Innenpolitisch, außenpolitisch und ökonomisch ist die Lage so ernst, dass sich riskante Experimente verbieten", urteilt der Kommentator der OSTHÜRINGER ZEITUNG.
    Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf wendet ein: "Ja, Merz ist unbeliebt und gilt als angeschlagen. Dennoch: Ein Nachfolger – und darauf weist auch CSU-Chef Söder hin – wäre mit denselben Problemen konfrontiert, die es jetzt schon gibt. Auch ein neuer Kanzler müsste mit engen finanziellen Spielräumen, hohem Reformdruck und schwierigen Mehrheitsverhältnissen regieren. Offen ist zudem, wer Merz nachfolgen sollte. Zwar ist es vor allem NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, der immer wieder genannt wird. Doch auch der Wechsel zu ihm wäre nicht ohne Risiko. Auch das dürfte einer der Gründe sein, warum Söder dem taumelnden Merz zur Seite springt", vermutet die RHEINISCHE POST.
    Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG findet mit Blick auf den bayerischen Ministerpräsidenten: "Wenn Markus Söder Entwarnung gibt, ist das in der Regel alles andere als beruhigend. Wenn der CSU-Vorsitzende also einen Kanzlersturz durch seine Partei ausschließt, dann ist das weder eine Garantie noch besonders solidarisch. Je mehr aber aus der CDU anschwellendes Geraune zu vernehmen ist, desto stärker hebt sich jede klare öffentliche Aussage ab. Gerade wer hundert Gründe dafür (er)findet, dass Friedrich Merz an allem schuld sei, ist in der Pflicht, nicht nur eine Alternative zu benennen, sondern auch die Folgen des Szenarios sorgsam zu bedenken", unterstreicht die F.A.Z.
    Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG sieht die Verantwortung für die aktuelle Lage auch bei der Union selbst: "Es ist die CDU gewesen, die sich nach dem Scheitern Armin Laschets in die Hoffnung flüchtete, der Mann aus der Vergangenheit, der Anti-Merkel, werde sie in eine lichte Zukunft führen. Hinweggesehen wurde darüber, dass Merz nach Jahren im Geschäftsleben Anschluss an die politische Gegenwart finden musste und seine Mühe damit hatte. Die bittere Ironie besteht darin, dass nun jene am schärfsten mit ihm ins Gericht gehen, die am bereitwilligsten daran geglaubt haben, Merz werde den konservativen Markenkern der CDU nach der liberalen Merkel-Ära wieder zum Scheinen bringen." Das war die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
    Die Auswirkungen des Konflikts im Jemen auf die internationale Politik greift die FRANKFURTER RUNDSCHAU auf: "Für US-Präsident Donald Trump und die Weltwirtschaft sind die militärischen Erfolge der Huthi-Miliz ein Desaster. Denn die Huthis können zusammen mit ihren Unterstützern aus dem Iran den Transport von Öl und anderen wichtigen Gütern nicht nur durch die Straße von Hormus, sondern auch durch die Meerenge Bab al-Mandab blockieren. Die US-Administration duckt sich nach diesem erneuten Rückschlag in ihrem Krieg gegen den Iran einfach weg. Nötig wäre es stattdessen, dass Washington als Lehre aus der De-facto-Niederlage des Waffengangs eine breite internationale Allianz schmieden würde gegen Teheran", kritisiert die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
    Die SÜDWEST PRESSE aus Ulm verweist auf die wirtschaftliche Bedeutung der Meerenge Bab al-Mandab: "Nicht nur nutzt Saudi-Arabien den Wasserweg durch den Golf von Aden und das Rote Meer seit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran als Ausweichroute für seine Ölexporte. Durch die Meerenge gehen auch mindestens 15 Prozent des gesamten Welthandels. Ohne das 'Tor der Tränen' bliebe nur der Umweg über die Südspitze Afrikas. Die offizielle Regierung des Jemen geht zusammen mit der Regionalmacht Saudi-Arabien seit mehr als zwanzig Jahren militärisch gegen die als Terrororganisation eingestuften Huthis vor, ohne dauerhaften Erfolg", bilanziert die SÜDWEST PRESSE.
    Der KÖLNER STADT-ANZEIGER fragt: "Wie umgehen mit den steigenden Preisen für Öl und Gas? SPD, Grüne und Linke bedienen altbekannte Reflexe. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke ließ, die Wahlen in den Nachbarländern Berlin und Mecklenburg-Vorpommern im Blick, den Spritpreisdeckel wiederaufleben. Zur Finanzierung soll eine neue Steuer eingeführt werden: eine sogenannte Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne, die sich auf unzulässige Weise an der Krise bereicherten. Dafür ist allerdings das Kartellamt zuständig und nicht gleich der Gesetzgeber. Natürlich können Situationen eintreten, in denen der Staat über die vorhandene Absicherung hinaus helfen muss. Aber dann bitte gezielt denjenigen, die Unterstützung dringend benötigen", verlangt der KÖLNER STADT-ANZEIGER. Und mit diesem Kommentar endet die Presseschau.