
"Nun versprechen Union und SPD, kleine und mittlere Einkommen zu entlasten. Das Ziel ist gut, nachdem es schon lange keine echte Reform mehr gegeben hat. Stattdessen hat es seit einer gefühlten Ewigkeit nur einen Ausgleich der kalten Progression gegeben, also der schleichenden Mehrbelastung aus dem Zusammenspiel von Inflation und progressivem Steuertarif. Als Folge dieser Minimalkorrekturen sind Normalverdiener in Bereiche gerutscht, die für Besserverdiener vorgesehen waren. Viele zahlen heute auf Teile ihres Einkommens den Spitzensteuersatz – plus Sozialbeiträge. Das spricht in der Tat dafür, den Tarif zu strecken. Doch das allein macht keine Reform groß und gut. Viel wird von der Gegenfinanzierung abhängigen. Also Vorsicht mit der Vorfreude, sonst ist am Ende nur die Enttäuschung groß."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG fügt an:
"CDU-Generalsekretär Linnemann hat recht. Wenn gut verdienende Facharbeiter Teile ihres Einkommens ähnlich hoch versteuern müssen wie Popstars, Konzernchefs und Fußballmillionäre, dann stimmt etwas nicht im System. Sein Vorschlag, den Spitzensatz statt bei knapp 70.000 Euro wie heute erst oberhalb eines Jahreseinkommens von gut 80.000 Euro greifen zu lassen, ist deshalb so folgerichtig wie überfällig. Die Idee gleich zur 'Steuerreform' hochzujubeln ist jedoch zugleich Beleg für die intellektuelle Armut, die die hiesige Steuerdebatte seit Langem prägt. Die Frage, wo der Spitzensteuersatz einsetzt, ist ein nicht unwichtiges Detail – aber auch keinen Deut mehr. Der entscheidende Punkt ist doch: Wie muss ein modernes, zukunftsfähiges Steuersystem aussehen, das nicht im 20. Jahrhundert verharrt, sondern die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Gegenwart berücksichtigt?"
Das HANDELSBLATT blickt auf die Wall Street:
"Bislang war der KI-Boom der entscheidende Treiber für die lange Rally an den US-Börsen. Doch jetzt weicht die Gier der Angst, und das hat Folgen für die Börsen rund um den Globus. Seit Ende Januar geriet beinahe im Tagesrhythmus eine neue Branche massiv unter Druck, weil junge, oft kaum bekannte KI-Firmen mit neuen Anwendungen die Geschäftsmodelle der etablierten Konzerne infrage stellen. Zuerst waren Softwareanbieter an der Reihe, dann Versicherer, Broker und Vermögensverwalter und schließlich die Logistiker. Die Investoren beschleicht das ungute Gefühl, der unberechenbaren KI-Disruption schutzlos ausgeliefert zu sein, und diese Sorge wird zum Belastungsfaktor für den gesamten Aktienmarkt."
