22. Juni 2026
Die Wirtschaftspresseschau

Viele Zeitungen kommentieren die bekannt gewordenen Reform-Vorschläge der Rentenkommission:

Die Hände eines älteren Menschen stecken Geldscheinen in ein Portemonnaie.
Die Reformvorschläge der Rentenkommission sind Thema der Wirtschaftspresseschau. (picture alliance / dpa / Matthias Balk)
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG schreibt unter dem Titel "Eine bessere Rentenreform wird es nicht mehr geben":
"Wer hätte das gedacht? Mit ihrem ersten Rentenpaket von 2025 waren Union und SPD noch demonstrativ vor dem Ziel eines nachhaltig finanzierten Alterssicherungssystems davongelaufen. Anstatt sich um seine ökonomische Stabilität zu kümmern, beschlossen sie einfach neue Ansprüche zu noch höheren Kosten. Doch nun könnte ausgerechnet diese Koalition Kurs auf eine Aktienrente nach schwedischem Vorbild nehmen: Ein neuer Pfeiler verbindlicher kapitalgedeckter Vorsorge soll direkt in die beitragsfinanzierte gesetzliche Rente eingebaut werden und damit diese Hauptsäule des Systems stärken. Damit käme erstmals eine kapitalgedeckte Vorsorge mit obligatorischem Charakter ins deutsche Alterssicherungssystem. Was das bedeutet, lässt sich am Vorbild gut ablesen. In Schweden fließen seit der Jahrtausendwende 2,5 Prozent vom Lohn obligatorisch in diese Zusatzvorsorge. Und wer 100 Euro im Monat einzahlt, hat nach 40 Jahren schon bei durchschnittlich fünf Prozent Rendite pro Jahr ein Kapital von 150.000 Euro in Aussicht; was je nach Modalitäten ungefähr 500 Euro Zusatzrente vom 67. Lebensjahr an entspricht."
Auch die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG begrüßt die Aktienrente:
"Irgendwann muss man mit dem Einstieg an den Finanzmärkten beginnen. Schweden hat dies zur Jahrtausendwende getan, die dortigen Beschäftigten profitieren inzwischen sehr vom hohen Wertzuwachs des staatlichen Fonds. Je früher man anfängt, desto länger kann der Fonds arbeiten. Hätte man in Deutschland vor 25 Jahren angefangen, wären die Probleme der Altersvorsorge heute deutlich kleiner."
Die AUGSBURGER ALLGEMEINE stimmt zu:
"Deutschland hat vor 25 Jahren einen großen Fehler gemacht, die Kapitalmärkte nicht zu einer Säule der gesetzlichen Rentenversicherung zu machen. Danach haben auch Angela Merkel und Olaf Scholz die Dinge im Kanzleramt laufen lassen. Merz ist jetzt zur Korrektur gezwungen."
Das HANDELSBLATT fordert vom Bundeskanzler Standhaftigkeit:
"Sollte SPD-Chefin Bas versuchen, die Empfehlungen der Rentenkommission zu verwässern – wie sie es schon beim Arbeitszeitgesetz tat –, muss sich Merz endlich durchsetzen. Das Grundgesetz sieht dafür als Ultima Ratio die Richtlinienkompetenz vor. Es geht nicht nur um die Rente, sondern auch um die finanziellen Lasten für den Bundeshaushalt und die Attraktivität des Standorts Deutschlands mit Blick auf die Arbeitskosten."