20. Juli 2026
Die Wirtschaftspresseschau

Der Rücktritt von Unions-Fraktionschef Jens Spahn wird auch in den Wirtschaftsteilen kommentiert.

Jens Spahn blickt mit ernstem Blick zur Seite.
Jens Spahn war am Samstag vom Fraktionsvorsitz der Union zurückgetreten. (imago / Andreas Gora)
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG weist darauf hin, dass...
"...sich das Bedauern über Spahns Rücktritt im Wirtschaftsflügel der Union in Grenzen halten wird. Denn Spahn hat das mächtige Amt, für das er angeblich das Wirtschaftsministerium ausgeschlagen hatte, nicht genutzt, um das marktwirtschaftliche Profil der CDU zu schärfen. Weder der SPD noch dem eigenen Sozialflügel hat Spahn hier wichtige Punkte abringen können. Zum deutschen Reformstau hat Spahn schon als Gesundheitsminister beigetragen. Die hohen Defizite in Kranken- und Pflegekassen gehen auch auf sein Konto. Mit ihm als Fraktionschef hat die Union den Reformherbst vertan und ein Rentengesetz durchgeboxt, das die Sanierung der Alterssicherung stark erschwert. In der Steuerpolitik räumte Spahn zu früh die Parteiposition, Steuern nicht zu erhöhen. Voreilig redete er einer höheren Belastung der Spitzenverdiener das Wort und gab damit das wichtigste Pfand aus der Hand, um der SPD wenigstens die Abschaffung des Solizuschlags abzutrotzen. Für die Union ist der Steuerkompromiss zulasten der Leistungsträger blamabel und kostet Glaubwürdigkeit."
Das HANDELSBLATT hat einen Favoriten für Spahns Nachfolge:
"Kanzleramtschef Thorsten Frei. Er gilt als loyal und fleißig. Ihn jetzt vom Kanzleramt an die Spitze der Fraktion zu hieven, wäre der richtige Schritt. Damit hätte der Kanzler auf dieser zentralen Position einen Mann, dem er vertrauen kann. Dem daran gelegen ist, dass der Kanzler Erfolg hat, und der keine eigene Agenda verfolgt, wie das bei Spahn oft gemunkelt wurde."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG kommentiert die EU-Reform des Emissionshandels:
"Was die EU-Kommission vorschlägt, ist klug, weil sie den Pfad anpasst, ohne die Ziele aufzugeben. Sie versucht, die Mitte zu treffen zwischen den widerstreitenden Interessen der Mitgliedstaaten, die am einen Ende der Skala lieber gar keinen Emissionshandel mehr wollen und am anderen Ende am liebsten keine Reform. Sie trägt Sektoren und Unternehmen Rechnung, die in Erwartung höherer CO2-Preise frühzeitig in emissionsarme Technik investiert haben. Sie geht zugleich auf die Chemiekonzerne zu, die zwar 21 Jahre Zeit hatten, sich auf höhere CO2-Kosten vorzubereiten, aber jetzt aufschreien, weil sich diese Kosten tatsächlich materialisieren. Das Emissionshandelssystem ist eine geniale Erfindung, weil es Klimaschutz marktwirtschaftlich organisiert."