20. August 2026
Die Wirtschaftspresseschau

Die Zeitungen beschäftigen sich mit den deutschen Gasspeichern, die derzeit zu 50 Prozent gefüllt sind.

    Diverse analoge Anzeigen sind in der Anlage des Gasspeicher Wolfersberg, östlich von München, an der Wand zu sehen.
    Die Lage bei Deutschlands Gasspeichern sind Thema in den Zeitungen. (picture alliance / dpa / Peter Kneffel)
    Die NÜRNBERGER NACHRICHTEN bemerken:
    "Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche verweist darauf, dass es Aufgabe der Unternehmer und der Händler sei, die Speicher bis zum Winter zu füllen. Die Bundesnetzagentur als zuständige Behörde schlägt ebenfalls keinen Alarm. Es geht nicht um eine drohende Notlage im Bereich der Versorgung, sondern um etwas ganz anderes. Was die Ressortchefin vernachlässigt, ist das Preisrisiko. Wenn Deutschland nicht auf ausreichend gefüllte Speicher zurückgreifen kann, gleichzeitig aber der Winter sehr streng wird und lange andauert, dann muss mehr teures LNG-Gas geordert werden, als es nötig wäre. Und die Zeche dafür bezahlen die Verbraucher."
    DIE TAGESZEITUNG - TAZ - kommentiert:
    "Warum weigert sich nun die Wirtschaftsministerin, die Unternehmen anzuweisen, mehr Gas einzulagern? Sie will vermeiden, dass die schlagartig höhere Nachfrage die Preise treibt, und der Bund oder die Verbraucher Milliarden Euro zusätzliche Kosten tragen müssen. Andererseits leisten zu leere Speicher einer Kostenexplosion im Winter Vorschub, wenn beispielsweise durch außergewöhnlich niedrige Temperaturen der Bedarf stark zunähme. Eine solche Situation soll die Speicherverordnung gerade verhindern. Der Fairness halber ist aber einzuräumen: Ob die Vorsorge mehr Geld kostet oder der Verzicht darauf, weiß momentan niemand. Katherina Reiche wettet auf die erste Option."
    Der KÖLNER STADT-ANZEIGER betont:
    "Es gibt trotz der andauernden Großkonflikte in der Ukraine und rund um den Iran keinen Grund für Gas-Hysterie. Sicher, die Preise sind hoch. Aber viel wichtiger noch: die Versorgung ist sicher. Nie waren die Lieferwege vielfältiger als heute, nie die Handelssysteme intelligenter. Es ist deshalb richtig, dass Berlin auf Interventionen am Gasmarkt verzichtet, die am Ende nur einer Gruppe zugute kämen: den Spekulanten. Dies wäre angesichts des ohnehin schon überhitzten Marktes ein viel zu hoher Preis für ein Stück eingebildeter Sicherheit."
    Die RHEIN-ZEITUNG aus Koblenz notiert:
    "Es braucht dreierlei: Erstens, die Füllvorgaben für die Gasspeicher dürfen nicht nur auf dem Papier stehen, sie müssen kurzfristig auch durchgesetzt werden. Es muss zweitens sichergestellt werden, dass die hohen Preise am Ende nicht voll auf die Endverbraucher zurückfallen. Und drittens braucht es mehr politische Kraftanstrengung, den Ausstieg aus fossilen Energien voranzutreiben. Das macht die Versorgung in Deutschland langfristig sicherer und unabhängiger von Krisen und Kriegen weltweit."