
"Bei allem berechtigten Zorn, dass die USA ständig neue Zollkonflikte entfachen, darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Kanada selbst kein Musterknabe ist. Es ist im Gegenteil ein protektionistisches Land, das sogar den innerstaatlichen Handel schwer macht und einige seiner Industrien durch Handelshindernisse schützt. Dabei wäre eine Wirtschaft, die im Wettbewerb zu Höchstleistungen gebracht wird, die beste Waffe gegen Trump."
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU sieht in dem Handelskonflikt eine Gefahr für das nordamerikanische Handelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko:
"Das ist nicht unerheblich. Teile der US-Produktion und des Handels sind eng mit der Wirtschaft der beiden Nachbarn verwoben. Große Mengen Energie kommen beispielsweise aus Kanada in die Vereinigten Staaten. Verständlich also, wenn sich so viele Konzerne gegen Trump stellen, aus Sorge um die eigenen Gewinne, ihre Produktionsstandorte und die Arbeitsplätze."
Zum neuen Handelsstreit kommt die hohe Verschuldung der Vereinigten Staaten. In der vergangenen Woche überschritten die Staatsschulden erstmals die Schwelle von 40 Billionen US-Dollar. Das STRAUBINGER TAGBLATT bemerkt:
"Angesichts dieser Zahlen werden die Teilnehmer an den Finanzmärkten misstrauisch. Und dieses Misstrauen schlägt sich in höheren Zinsen nieder, was einer höheren Risikoprämie für das Kapital entspricht, die sie den USA beim Kauf von Staatsanleihen berechnen. Das ist nun für uns insofern misslich, als auch hierzulande die Zinsen steigen und nun einen seit Jahren nicht mehr bekannten Höchststand erreicht haben. Das wiederum trifft unglücklicherweise zusammen mit einer stark steigenden Staatsverschuldung durch die verschiedenen Sondervermögen."
Wegen großer Unterschiede zwischen verschiedenen Branchen in Deutschland spricht sich die IG Metall dafür aus, bestimmte tarifliche Sonderzahlungen von der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens abhängig zu machen. Das HANDELSBLATT erwartet durch einen solchen Schritt, dass die allgemeinen Tarifabschlüsse geringer ausfallen könnten.
"Mehr Differenzierung ist für Gewerkschaften nicht ohne Risiko: Je weniger das Prinzip 'Nur gemeinsam sind wir stark' gilt, weil am Ende einige mehr profitieren als andere, desto stärker leidet die Kampfkraft der immer noch größten Gewerkschaft der westlichen Welt. Mittelfristig kann die Strategie der Differenzierung zu einer Aufsplitterung des Flächentarifvertrags führen."
