01. September 2026
Die Wirtschaftspresseschau

Die Finanznot der Pflegeversicherung spitzt sich angesichts steigender Ausgaben zu. In der ersten Hälfte des Jahres lief bereits ein Defizit von 770 Millionen Euro auf, wie der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen mitteilte.

Rückansicht eines männlichen Pflegers mit einer älteren Patientin im Rollstuhl.
Die Finanzlücken in der Pflegeversicherung werden größer. (Getty Images / Halfpoint Images)
Das kommentiert die FRANKFURTER RUNDSCHAU folgendermaßen:
"In der gesetzlichen Pflegeversicherung folgt eine schlechte Nachricht auf die nächste. Schon länger klaffen hier große Finanzlücken, und sie werden immer größer. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen wissen schon jetzt kaum, wie sie die Eigenanteile fürs Heim aufbringen sollen. Künftig dürften noch höhere Kosten auf sie zukommen, denn die Zuzahlungen der Pflegekasse sollen gekappt werden. Auch an anderen Stellen sind Kürzungen geplant. Die Probleme kommen nicht von ungefähr. Eine Reform senkte 2017 deutlich die Schwellen, ab wann jemand als pflegebedürftig gilt. Dadurch gingen die Zahl der Leistungsbezieher und die Kosten durch die Decke. Die Prognosen, wie viele Menschen von den neuen Regeln profitieren würden, lagen damals komplett falsch. Und man unterschätzte die demografische Entwicklung. Es war nicht das erste Mal, dass die Regierung in guten Zeiten aus dem Vollen schöpfte, ohne für die Zukunft vorzusorgen. Das rächt sich heute."
Die AUGSBURGER ALLGEMEINE schreibt zum selben Thema:
"Carsten Linnemann, der neue Gesundheitsminister, steht vor der größten Herausforderung seines bisherigen Politikerlebens. Damit das System bezahlbar bleibt, muss er kurzfristig Geld in die Pflege pumpen. Diesem ersten Schritt aber muss dann eine Reform folgen, die auch die Bundesländer in die Verantwortung nimmt. Sie sind gesetzlich verpflichtet, eine leistungsfähige Pflegeinfrastruktur aufzubauen. Bisher allerdings tragen die Kosten für Investitionen und die Ausbildung von Personal zu großen Teilen die Bewohner von Pflegeheimen – ein Unding."
Zur steigenden Inflation sowie zum Unterschied zwischen der Geldpolitik Europas und den USA meint das HANDELSBLATT aus Düsseldorf:
"In der Euro-Zone wird die Inflation vor allem von äußeren Faktoren getrieben: der Energiekrise, dem Extremwetter, auch staatlichen Eingriffen in verschiedene Preise. Die aktuellen Teuerungsraten sind damit vor allem der Anfälligkeit der Euro-Wirtschaft geschuldet und leider nicht Ausdruck wirtschaftlicher Stärke. In den Vereinigten Staaten boomen Arbeitsmarkt und Wirtschaft, die Unternehmen schreiben Rekordgewinne und investieren atemberaubende Summen in Künstliche Intelligenz – ein wesentlicher Inflationstreiber. Mehrere Fed-Notenbanker wollen deshalb die Zinsen erhöhen. Anders als in der Euro-Zone ist aber völlig unklar, ob sie sich damit durchsetzen."