
Das HANDELSBLATT aus Düsseldorf kommentiert:
"US-Präsident Trump schürt mit seiner Nach-mir-die-Sintflut-Schuldenpolitik, der Aushöhlung der Unabhängigkeit der US-Notenbank und dem Irankrieg gewaltige Unsicherheiten. Das alles kam auf dem G20-Treffen nur kurz zur Sprache. Dabei hätte der Gipfel das Ziel haben müssen, die nervösen Finanzmärkte zu beruhigen. Stattdessen lobte sich die US-Regierung ausgiebig selbst. Der 'amerikanische Kapitalismus' sei die 'entscheidende Kraft' für das Wachstum der Weltwirtschaft, schwärmte US-Finanzminister Bessent. Investoren glauben diese Phrasen aber nicht mehr, wie die steigenden Zinsen zeigen. Damit wächst die Hoffnung, dass die Finanzmärkte vielleicht doch noch zum Disziplinierungskorrektiv werden, gegen das auch ein Donald Trump nicht ankommt."
Die AUGSBURGER ALLGEMEINE verweist auf Folgendes:
"Die USA sind ein Schuldenjunkie. Diese Sucht nach geliehenem Geld ist für die Welt ein Problem. An den Finanzmärkten geht das Gespenst einer neuen Finanzkrise um. Sie würde von US-Staatsanleihen ausgehen, die im Wert abrauschen, weil Geldgeber nicht mehr glauben, dass sie Amerika zuverlässig bedient. Der Dollar büßte seine Rolle als sicherer Hafen ein. US-Staatsanleihen sind nicht irgendein Wertpapier. Sie sind die Rückversicherung, das Pfand für große Finanzgeschäfte rund um den Globus. Schmieren sie ab, weiß keiner, was danach kommt."
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG blickt auf den vollzogenen Börsengang des chinesischen Modekonzerns Shein.
"Gründer Sky Xu wird sich grämen, wie viel Geld er liegen gelassen hat. Als er vor vier Jahren den Börsengang in New York hinlegen wollte, hätte er für die gleichen Anteile das Vierfache bekommen. Damals wurde das Unternehmen mit knapp 100 Milliarden Dollar bewertet, jetzt sind es nur noch rund 26 Milliarden Dollar. Für Unternehmen und Vorstände auf der ganzen Welt ist der Fall ein lehrreiches Beispiel, wie teuer eine fehlerhafte geopolitische Positionierung werden kann. Shein hat seine Zentrale nach Singapur verlegt. Es war der Versuch, sich als internationaler Konzern zu präsentieren und die eigene chinesische Identität abzustreifen. Die Konzernstrategen haben die Zeichen der Zeit falsch gelesen. Chinesische Produkte stoßen im Westen auf Widerstand. Zumal wenn es den berechtigten Verdacht gibt, dass in der Kleidung Baumwolle steckt, die mit Zwangsarbeit produziert wurde. Peking verhindert derweil mit immer schärferen Methoden, dass sich die Konzerne aus seiner Kontrolle lösen. Geopolitik falsch zu deuten, kann Milliarden kosten."
