03. September 2026
Die Wirtschaftspresseschau

Vor der Sitzung des VW-Aufsichtsrats morgen ist die Zukunft mehrerer deutscher Werke ungewiss.

    Volkswagen-Vorstandschef Oliver Blume spricht im Wolfsburger Werk vor der Belegschaft.
    Volkswagen-Vorstandschef Oliver Blume (Sven Simon/IMAGO/Malte Ossowski)
    Das HANDELSBLATT nimmt in seinem Kommentar den Konzernchef in den Blick:
    "Für Oliver Blume wird die Lage persönlich heikel. Lange galt er als jemand, der zwischen den Lagern vermitteln konnte. Mit den Arbeitnehmern funktionierte das Verhältnis zumindest leidlich. Inzwischen sagt Betriebsratschefin Daniela Cavallo offen, das Vertrauen in den Vorstand und ausdrücklich auch in Blume sei beschädigt. Nun droht auch das Verhältnis zum Großaktionär Niedersachsen zu kippen. Doch ein Konzernchef bei VW braucht mehr als die Unterstützung der Kapitalseite. Er muss Arbeitnehmer, Anteilseigner und Eigentümer zumindest so weit zusammenhalten, dass Entscheidungen möglich bleiben."
    Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER ruft mit Blick auf die deutsche Wirtschaft zu mehr Optimismus auf:
    "Produkte aus Deutschland sind immer noch weltweit gefragt! Im Juni wurden mehr Waren exportiert als je zuvor. Und trotz umfangreicher Stellenstreichungen -  insbesondere in der Automobilindustrie - haben viele Menschen neue Jobs gefunden, beispielsweise in der Rüstungsindustrie. Ein Abgesang auf die deutsche Wirtschaft wäre verfrüht. Die oft beklagte De-Industriealisierung  ist ein Wandlungsprozess der schon seit Jahrzehnten andauert. 70 Prozent der Wertschöpfung werden heute im Dienstleistungsbereich erzielt. Wirtschaft befindet sich stetig im Wandel. Und das deutsche Unternehmertum fand stets Wege, damit umzugehen."
    Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG kommentiert die Einkommensteuerreform, die gestern vom Bundeskabinett beschlossen wurde:
    "Die Steuerreform verdient diesen Namen nicht. Das genannte Entlastungsvolumen bleibt mit zehn Milliarden Euro überschaubar. Noch dazu soll es erst stufenweise bis 2028 erreicht werden. Familien mit niedrigen Einkommen können zwar tatsächlich auf eine spürbar geringere Steuerlast hoffen. Diese Entlastung wird jedoch durch steigende Sozialbeiträge konterkariert. Dass nicht einmal die Inflation im Steuertarif ausgeglichen wird, ist ein weiteres Ärgernis."
    Die STUTTGARTER ZEITUNG bemerkt:
    "Bei der 'Reform' handelt es sich im Grunde um eine Anpassung des Steuertarifs. Der Löwenanteil der Entlastung kommt zudem durch höhere Familienleistungen wie das Kindergeld zustande. In Haushalten ohne Kinder beschränkt sich die Entlastung letztlich auf geringe Eurobeträge pro Monat. Überraschend ist das nicht: Die Spielräume im Haushalt für eine größere Entlastung fehlen. Auch weil teure Wahlkampfversprechen wie die Ausweitung der Mütterrente und die reduzierte Gastrosteuer umgesetzt wurden und zehn Milliarden Euro im Jahr kosten."