08. September 2026
Die Wirtschaftspresseschau

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG kommentiert das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt:

Ein Industrieroberter-Arm in einer Produktionsstätte
Ein Industrieroboter (Symbolbild) (imago/Panthermedia)
"Für die größten Herausforderungen am Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt hat die AfD keine Lösung. Dem demographischen Wandel, der in dem Bundesland mit dem höchsten Durchschnittsalter in Deutschland in vollem Gang ist, setzt sie die Hoffnung auf patriotische Rückkehrer aus dem Ausland entgegen. Parallel dazu macht sie Stimmung gegen 'kulturfremde Fachkräfte'. Dem Arbeitsmarkt und der Attraktivität des Standorts für Investoren hilft beides nicht weiter. Dabei braucht Sachsen-Anhalt dringend Zuwanderung und die Neuansiedlung von Unternehmen, um auf einen Wachstumspfad zurückzukehren."
Die BÖRSEN-ZEITUNG spricht von einer Vertrauenskrise und bemüht einen historischen Vergleich:
"Ein System verliert seine Legitimität an seiner Funktionsfähigkeit. Die DDR wurde von einer wachsenden Zahl ihrer Bürger als dysfunktional wahrgenommen, lange bevor sie es formal war. Heute sehen sechs von zehn Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt ihr Bundesland eher schlecht auf die Zukunft vorbereitet. Erstmals in einem Flächenland fällt die Bewertung aller parlamentarischen Kräfte negativ aus, Regierung wie Opposition. Vertrauen in den Staat entsteht nicht intuitiv, sondern wenn dieser Aufgaben abgibt."
Im Volkswagen-Werk in Osnabrück sollen künftig keine Autos, sondern Luftverteidigungssysteme gebaut werden. Das Land Niedersachsen, der VW-Konzern, der israelische Rafael-Rüstungskonzern und der Investor Aurelius Capital schlossen eine entsprechende Vereinbarung. Die STUTTGARTER ZEITUNG spricht von einer guten Nachricht...
"... für die 1.800 VW-Beschäftigten, von denen 1.400 übernommen werden sollen. Mehr Hoffnung auf eine Weiterbeschäftigung darf sich jetzt auch die von einer Schließung bedrohte VW-Belegschaft an den Standorten Emden, Hannover und Zwickau machen sowie im Audiwerk Neckarsulm, wo die Produktion 2034 auslaufen soll. Denn die Verteidigungsindustrie wird zu einer immer wichtigeren Branche und ist auf dem Weg, in Deutschland eine Schlüsselrolle zu übernehmen."
Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG konstatiert:
"Es ist der zweite große Staatseinstieg, den Ministerpräsident Olaf Lies verhandelt hat: Nach der Papenburger Meyer Werft bewahrt eine Landesbeteiligung voraussichtlich auch das Osnabrücker VW-Werk vor dem Aus. Als Großaktionär Katar sein Veto gegen die Übernahme durch den Rüstungskonzern Rafael einlegte, bewies Lies Mut zu einem ungewöhnlichen Konzept: ein Werk in Staatshand, das Rüstungsfirmen mieten können. Seine Beamten fanden im Investor Aurelius dafür den passenden Partner. Gesichert ist damit in Osnabrück noch nichts, aber immerhin ist nun klar, wohin die Reise gehen soll."