09. September 2026
Die Wirtschaftspresseschau

Dass Bundesfinanzminister Klingbeil für den Bundeshaushalt 2027 200 Milliarden neue Schulden machen will, stößt bei der LAUSITZER RUNDSCHAU auf Verständnis:

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (r., SPD) spricht am Rednerpult im Bundestag.
Im Bundestag verteidigte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) die Neuverschuldung des Bundes im Haushalt von 2027. (picture alliance/dpa | Kay Nietfeld)
"Der Haushalt zeigt überdeutlich, wie dramatisch die Lage in den Kassen ist. Obwohl sich der Bund so hoch verschuldet wie nie zuvor, reicht das Geld hinten und vorn nicht, nicht für eine ordentliche Steuerreform und auch nicht für soziale Wohltaten. Drei Möglichkeiten dagegen gibt es: höhere Steuern, mehr Schulden und Kürzungen. Die Regierung hat sich nach langem Hin und Her für eine Kombination aus mehr Schulden und Kürzungen entschieden. Das ist keinesfalls unvernünftig, könnte mit ein bisschen Glück die Grundlage für eine gute Zukunft legen und den verloren gegangenen Optimismus wiederbeleben. Das wiederum würde erheblich dazu beitragen, das Land wieder besser funktionieren zu lassen - denn ohne finanziellen Spielraum wird auch seine Erneuerung schwierig."
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG geht auf die gescheiterte Suche nach einem Investor für die insolvente Leuna Polyamid GmbH ein:
"Für den Chemiepark Leuna ist das eine Zäsur. Für das mitteldeutsche Chemiedreieck ist es nach dem angekündigten Aus für drei Anlagen von Dow Chemical der nächste Rückschlag. Spätestens zum Jahresende dürfte für den Großteil der 440 Beschäftigten Schluss sein. An jedem Arbeitsplatz in der Chemie hängen in der Region etwa vier weitere Beschäftigte. Das Werk von Leuna Polyamid spielt außerdem eine wichtige Rolle für andere Unternehmen im Chemieverbund. Die Gründe für das Aus von Leuna Polyamid sind vielfältig. Die hohen Energie- und Rohstoffkosten setzten dem Unternehmen zu. Dieser Befund gilt auch für andere Unternehmen der in Sachsen-Anhalt dominierenden Chemieindustrie. Die nächste Landesregierung wird das kaum beeinflussen können. Mit den Folgen für den Standort wird sie sich dennoch beschäftigen müssen. Die AfD erwähnt die Chemieindustrie in ihrem 'Regierungsprogramm' mit keinem Wort."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG blickt auf das VW-Werk in Osnabrück, in dem in Zukunft Rüstungsgüter produziert werden sollen:
"Für das Werk in Osnabrück sind das gute Nachrichten. Die Beschäftigten können größtenteils bleiben. Und auch für VW-Chef Blumes angeknackstes Ansehen ist das gut, hat er doch mit diesem Unternehmenskonstrukt bewiesen, dass er kreative Lösungen finden kann. Aber nicht nur er hat das Werk gerettet: Insbesondere Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) vermittelte in den vergangenen Monaten in einer zunächst festgefahrenen Situation. VWs drittgrößter Anteilseigner Katar blockierte das israelische Unternehmen Rafael aus politischen Gründen. Diese Lösung, ein 'Kompetenzzentrum' gemeinsam mit dem LandNiedersachsen zu schaffen, ist diplomatisch durchaus geschickt."