Anschläge auf Umspannwerke
Dobrindt geht von "Klimaextremismus" aus - Fahndung nach Tatverdächtigem läuft

Bundesinnenminister Dobrindt hat die Sabotageversuche an deutschen Umspannwerken als "Klimaextremismus" bezeichnet. Der CSU-Politiker sagte, man gehe derzeit von einem Einzeltäter aus. Die Fahndung nach dem Verdächtigen läuft. Am Hambacher Forst kam es zu einem SEK-Einsatz.

    Alexander Dobrindt und Herbert Reul stehen nebeneinander bei einer Pressekonferenz.
    Bundesinnenminister Dobrindt (r.) und NRW-Innenminister Reul in Düsseldorf (Christoph Reichwein / dpa / Christoph Reichwein)
    Der nordrhein-westfälische Innenminister Reul bestätigte, den Behörden lägen Bekennerschreiben von einem 48-jährigen Mann aus Gevelsberg vor. Als Motiv nenne dieser den "Kampf gegen fossile Brennstoffe". Die Schreiben enthielten detailliertes Täterwissen zu den Vorfällen in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. Bei der Durchsuchung der Wohnung habe die Polizei sprengstoffverdächtige Gegenstände gefunden.
    WDR und "Bild"-Zeitung berichten inzwischen von einem SEK-Einsatz am Hambacher Forst. Demnach haben Spezialkräfte dort einen auffälligen LKW gestürmt. Den Tatverdächtigen fanden sie aber nicht. Er soll jetzt zu Fuß unterwegs sein. Der Zugriff erfolgte in der Nähe des lange umkämpften Braunkohletagebaus zwischen Aachen und Köln.
    Dobrindt sagte auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Reul, Deutschland habe aktuell mit unterschiedlichen Bedrohungs- und Gefährdungslagen gleichzeitig zu tun.

    Sabotageverdacht auch in Sachsen

    Am Dienstag war mit Hilfe von Abschussvorrichtungen gezielt die Stromversorgung in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen gestört worden. Gestern Abend fand man ähnliche Gegenstände auf einem Feld in der Nähe der Stadt Dormagen in Nordrhein-Westfalen. Im niedersächsischen Landkreis Oldenburg gab es einen Polizeieinsatz an einem Umspannwerk. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, wurde heute an zwei Umspannwerken im sächsischen Landkreis Görlitz Spreng- oder Brandvorrichtungen entdeckt.

    Brandenburg will neues Sicherheitszentrum einrichten

    Als Reaktion auf die Sabotage nahe dem Kraftwerk Jänschwalde kündigte das brandenburgische Innenministerium ein neues Sicherheitszentrum im Land zum Schutz von kritischer Infrastruktur an. Die Angriffe auf das Stromnetz in Jänschwalde sowie in Bergheim (NRW) zeigten, wie bedroht die kritische Infrastruktur in Deutschland sei und dass sie dringend geschützt werden müsse.
    Unter kritischer Infrastruktur versteht man all jene Bereiche, deren Beeinträchtigung oder Ausfall zu Versorgungsengpässen, Störungen der öffentlichen Sicherheit und weiteren dramatischen Folgen führen kann. Dazu gehören beispielsweise Energie, Informationstechnik, Transport, Verkehr, Gesundheit, Wasser, Ernährung, Finanz- und Versicherungswesen, Staat und Verwaltung sowie Medien.

    Weiterführende Informationen

    Überblick über größere Sabotagefälle seit 2022
    Debatte über das Kritis-Dachgesetz – Schutz der Infrastruktur
    Diese Nachricht wurde am 04.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.