Angriff in Stade
Drei Tote aus Hannover, drei aus Jugendeinrichtung - Beamtenbund fordert mehr Schutz für Beschäftigte des öffentlichen Dienstes

Unter den sechs Toten der Tat in Stade sind drei Mitarbeiter des Jugendamtes der Region Hannover. Es handelt sich um zwei Frauen sowie einen Mann, wie die Polizeidirektion Lüneburg bestätigte. Unter den Getöteten waren zudem zwei Frauen und ein Mann, die in der Jugendhilfeeinrichtung in der Dankersstraße arbeiteten.

    Blumen und Kerzen stehen und liegen am Tatort, einem Gebäude einer Jugendeinrichtung. In der Einrichtung waren am Vortag mehrere Menschen durch Schüsse getötet worden.
    Trauer nach Schüssen in Jugendeinrichtung - Mehrere Tote in Stade (picture alliance / dpa / Jörn Hüneke)
    Für die Opfer gab es am Abend eine Andacht in der St.-Wilhadi-Kirche in Stade und morgen Mittag soll zudem in der Marktkirche Hannover ein Gedenken für die drei Mitarbeiter des Jugendamtes geben.
    Ein 45-Jähriger aus dem Raum Hannover soll am Montag in Stade die vier Frauen und zwei Männer erschossen haben. Hintergrund ist nach Angaben der Polizei möglicherweise ein Sorgerechtsstreit. Der Tatverdächtige mit türkischer Staatsangehörigkeit hatte demnach einen Termin bezüglich des Sorgerechts für seine drei Monate alte Tochter.

    Mitarbeiter trauern

    "Unsere Gedanken und unser tiefes Mitgefühl gelten den Familien, Freundinnen und Freunden der Getöteten sowie allen Kolleginnen und Kollegen, die dieses unfassbare Ereignis verarbeiten müssen", teilte die Region Hannover mit. Die Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe setzten sich täglich für den Schutz von Kindern und Jugendlichen ein und begleiteten Familien in oftmals sehr belastenden Lebenssituationen. Dass Kolleginnen und Kollegen dabei ihr Leben verlieren, mache fassungslos. 

    Beamtenbund fordert mehr Schutz

    Der Deutsche Beamtenbund forderte zusätzliche Schutzmaßnahmen. Seit Jahren weise der Verband auf die wachsende Zahl von Gewalttaten gegen Beschäftigte des öffentlichen Dienstes hin, sagte der DBB-Vorsitzende Geyer der "Rheinischen Post". Man schulde Menschen einen besonderen Schutz, die für den Staat den Kopf hinhielten. Es gehe um eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Geyer forderte eine schnelle Aufklärung der Tat und konkrete Schlussfolgerungen.

    Steinmeier: "Tief erschüttert"

    Der Schusswaffenangriff in Stade hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Bundeskanzler Merz schrieb im Online-Dienst X, die Nachricht aus Stade erschüttere ihn bis ins Mark. Sein Mitgefühl gelte den Opfern und ihren Angehörigen. Zudem dankte er der Polizei für ihren schnellen Einsatz.
    Auch Bundespräsident Steinmeier drückte seine Anteilnahme aus. In Berlin sagte Steinmeier, er sei tief erschüttert über das Ausmaß der Gewalt in einem Raum, der Schutz bieten soll. Der niedersächsische Ministerpräsident Lies erklärte in Hannover, die Tat mache die gesamte Landesregierung tief betroffen. Zugleich bat er darum, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen und den Ermittlungen den nötigen Raum zu geben. Nun sei die Zeit für Trauer, Anteilnahme und sachliche Ermittlungsarbeit, nicht für Spekulationen und Verunsicherung.
    Diese Nachricht wurde am 30.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.