Duo Nova MateriaUnterwegs im Urwald

Auf seinem Album "Xpujil" verarbeitet das französisch-chilenische Duo Nova Materia einen Trip durch den mexikanischen Dschungel, auf den Spuren der Maya-Kultur. Fernab von Ethno-Klischees kreieren die beiden eine rauschhafte Klangwelt, in der die Geister des Waldes hörbar werden.

Am Mikrofon: Michael Engelbrecht | 19.06.2021

Vor dem Hintergrund von spärlich grünen Birken sieht man die verschwommenen, weißen Umrisse unbekleideter Personen.
Titelbild des Albums "Xpujil" von Nova Materia, Nummer 45 der in den 1980-er Jahren gegründeten experimentellen Plattenreihe "Made To Measure". (Phlippe Lévy)
"Xpujil" markiert einen Höhepunkt in den Versuchen von Nova Materia, geografische Gegebenheiten in hypnotische Musik zu überführen. Das Duo kombiniert den Klang weniger konventioneller Instrumente mit Feldaufnahmen und Elektronik. Von Ferne erinnert das Ergebnis hier an Brian Enos "On Land", erschließt aber noch ganz andere Horizonte. Im Zentrum der Radionacht Klanghorizonte ist das Album "Xpujil" in voller Länge zu hören. Dazu berichten Caroline Chaspoul und Eduardo Henriquez u.a. über die Hintergründe bei der Aufnahme des geheimnisvollen Plattencovers.

Spoken-Word-Meisterwerke

Vieles dreht sich in dieser "Radionacht Klanghorizonte" außerdem um Spoken-Word-Musik: von Robert Ashleys Meisterwerk "Private Parts" aus dem Jahre 1978 über Prefab Sprouts "I Trawl The Megahertz" und Marianne Faithfulls "She Walks In Beauty" bis hin zu den Erinnerungen eines alten Mannes an englische Küstenlandschaften auf "Coral Island" von The Coral. Auch Kurt Wagner von der Band Lambchop meldet sich zu Wort mit seiner eigenwilligen Hommage an "Showtunes" einer vergangenen Ära.

60 Jahre Impulse Records

In weiteren Zeitreisen geht es ins Jahr 1975, zu einem denkwürdigen Konzert der Gruppe Can. Das 60. Jahr des legendären Jazzlabels Impulse erfährt eine spezielle Würdigung, mit Musik von John Coltrane, Pharoah Sanders und Marion Brown. Der britische Jazzsaxofonist Shabaka Hutchings kommentiert einige seiner Lieblingsalben des Labels und ist selbst zu hören auf Alben von Sons of Kemet und Anthony Joseph - hier klingt Jazz so, als hätte er seine Wurzeln nicht in New Orleans, sondern in der Karibik.