Geheimdienste
Ex-BND-Chef Hanning wegen Spionageverdachts festgenommen, Rufe nach Konsequenzen

Der frühere Chef des Bundesnachrichtendienstes, Hanning, ist wegen Spionageverdachts festgenommen worden. Wie der Generalbundesanwalt mitteilte, wird Hanning unter anderem des versuchten Landesverrats und der geheimdienstlichen Agententätigkeit verdächtigt.

    August Hanning, der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) im Jahr 2015.
    Der ehemalige BND-Präsident August Hanning (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)
    Ein ehemaliger Büroleiter Hannings beim BND steht im Verdacht der Beihilfe. Den Angaben zufolge soll Hanning in den Jahren nach seiner Tätigkeit von dem Mitarbeiter von 2010 an bis mindestens 2022 gegen Geld mit rund 2.000 teils streng geheimen Informationen aus dem Dienst versorgt worden sein. Hanning habe damit im Rahmen einer Beratertätigkeit vermutlich in mindestens in einem Fall eine Sicherheitsanalyse für den Nachrichtendienst eines anderen Landes erstellt. Für welchen wurde nicht mitgeteilt.
    Wie es weiter heißt, geht das Verfahren auf Durchsuchungen bei Hanning im Zusammenhang mit dem Entführungsfall in der Unternehmerfamilie Block zurück. Der heute 80-Jährige war von 1998 bis 2005 Präsident des BND. Gegen seinen ehemaligen Büroleiter erließ ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe inzwischen Haftbefehl wegen Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung. Er sitzt nun in Untersuchungshaft.

    Parteiübergreifende Forderungen nach Konsequenzen

    Die Fraktionschefs der SPD- und CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Miersch und Frei, äußerten sich entsetzt und forderten Aufklärung. Frei sprach von einer "verstörenden Nachricht". Mit ‌Blick auf die Beratung ‌im Parlament über die Geheimdienste-Reform fügte er hinzu, man werde von überall her angegriffen. Die Reform sei dringend nötig. Miersch ​sprach von einem "alarmierenden Vorgang". Er forderte eine Debatte über Karenzzeiten von ausscheidenden Geheimdienst-Mitarbeitern.
    Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, der CDU-Politiker Henrichmann, sagte dem Portal "The Pioneer", einen Geheimnisverrat werde man nicht dulden. Der Grünen-Politiker von Notz sprach von ungeheuerlichen Vorwürfen. Er forderte eine zügige und vollständige Aufklärung. Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Bünger, sagte dem Deutschlandfunk, gerade die Causa Hanning zeige, wie wichtig parlamentarische Kontrolle sei. Sie plädierte dafür, die Geheimdienstreform im Bundestag zu stoppen und neu aufzusetzen.
    Ein Regierungssprecher erklärte unterdessen, man werde laufende Ermittlungen nicht kommentieren.

    Aus dem Deutschlandfunk-Programm

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    Mutmaßliche BND-Spionageaffäre Hanning: Blick auf frühere Spionagefälle
    Diese Nachricht wurde am 06.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.