Montag, 27. Juni 2022

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Ehrenkodex für Doktoranden

Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften hat heute fünf Technische Universitäten für besondere Leistungen ausgezeichnet. Darunter die Fakultät für Maschinenbau der TU Braunschweig, die einen Ehrenkodex für die Betreuung von Doktoranden entwickelt hat.

Von Carmen Woisczyk | 24.05.2011

An der Fakultät Maschinenbau in Braunschweig werden rund 300 Promovierende betreut. Darunter ist die 28-jährige Anna Theresia Nasch, die am Institut für Verbrennungsmotoren studiert und seit drei Jahren im Rahmen des Betreuungscodex an ihrer Doktorarbeit schreibt.

"Zum Betreuungskodex gehört vor allen Dingen die enge Betreuung durch den Professor, das ist festgelegt mit drei Gesprächen im Jahr, die man mit dem Professor führt, dazu gehören zwei fachliche Gespräche und ein überfachliches Gespräch, und dadurch hat man einen sehr engen Kontakt zum Lehrenden, und kann auch schnell mit Problemen und Fehlern mit ihm sprechen und hingewiesen werden."

Der Doktorvater hat sich dem Ehrenkodex verpflichtet. Das heißt, er wird sich freiwillig an die vereinbarten Gespräche halten. Tut er es nicht, muss er allerdings keine Sanktionen befürchten, sagt Martina Hohls von der Fakultät Maschinenbau in Braunschweig. Sie hat den Kodex mitentwickelt und organisiert das Graduiertenforum.

"Natürlich ist es so, dass die Professoren und auch die Professorinnen zeitlich sehr eingespannt waren. Da fällt es nicht immer leicht, allen Promovierenden gleich Recht zu tun und alle gleich gut zu betreuen. Von daher ist diese Selbstverpflichtung ein schöner Schritt in die Richtung, dass man sagt, gewisse Standards sollen eingehalten werden bei allem Druck und bei aller Arbeit."

Das war in der Vergangenheit offenbar nicht immer so. Das haben die Plagiatsvorwürfe und schließlich die Aberkennung des Doktortitels im Fall Theodor zu Guttenberg gezeigt. Der Betreuungskodex kann helfen, Fehler wie diese zu vermeiden, sagt Sven Wakowski von der Fakultät Maschinenbau. Er ist Ansprechpartner der Promovierenden, wenn es Probleme gibt.

"Grundsätzlich kann man sagen, dass im Maschinenbau ein Abschreiben von anderen Schriften eher unwahrscheinlich ist, weil es doch thematisch sehr speziell ist. Trotzdem ist es so, dass durch die vielen fachlichen und überfachlichen Gespräche, die man mit dem Doktorvater hat, dieser in jeden Schritt mit einbezogen ist und kontinuierlich jeden Fortschritt sieht, sodass, falls es da Probleme gibt oder falls man da in Anführungsstrichen nicht so gut oder intensiv gearbeitet hat, dass das dann auffällt, sodass da mögliche Plagiate von vorneherein ausgeschlossen werden können."

Die Fakultät hoffe, dass der Betreuungskodex auch an anderen Universitäten eingeführt wird. Dazu gehöre vor allem die Teilnahme an Arbeitsgruppen zu fachübergreifenden Themen, sagt Anna Theresia Nasch.

"Ich nehme an Workshops teil, wo ich dann was zu Führung lerne, zu Business-Etikette, es gibt verschiedene Sachen einfach für die persönliche Weiterentwicklung. Das ist natürlich sehr hilfreich auch für spätere Bewerbungen, das ist ein großer Teil, der sehr positiv aufgenommen wird von den ganzen Studierenden in diesem strukturierten Doktorat."

Die Fakultät hat ein umfangreiches Angebot mit über 25 Kursen eingeführt. Darüber hinaus können sich Studierende an eine Schlichtungsstelle wenden, das sogenannte "Seniorboard", sagt Martina Hohls.

"Wenn beispielsweise der Doktorvater sich zu viel Zeit lässt, die Dissertation das erste Mal Korrektur zu lesen, dem Promovierenden läuft die Zeit weg, die Ergebnisse altern schnell, dann könnte man das Seniorboard einbinden und um eine unkomplizierte, diplomatische Lösung bitten."

Es setzt sich aus Vertretern der Industrie, der Fakultät und der wissenschaftlichen Mitarbeiter sowie einem Vorsitzenden des Promotionsausschusses zusammen und bietet Hilfe zur Selbsthilfe, so Hohls. Viele hätten Angst sich durch eine Beschwerde schlechte Noten einzuhandeln. Anna Theresia Nasch hat bisher allerdings nur positive Erfahrungen gesammelt.

"Meiner Meinung nach ist das Programm ausreichend, wenn noch mehr angeboten würde, irgendwann würde auch die Zeit knapp, dass auch die eigentliche Arbeit irgendwie im Weg wäre, und somit ist das Programm sehr vorteilhaft."

Deutsche Akademie der Technikwissenschaften acatech