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Ein Lange Nacht der TräumeVon der Faszination Innenwelt

Wunschträume von einer Abenteuerreise oder einem Lottogewinn lösen im Hirn unweigerlich die Schaltkreise des Traumbewusstseins aus. Die Leistungsgesellschaft urteilt zwar ungnädig über jene Zeitgenossen, die am Tag allzu verträumt wirken - inzwischen wird aber auch in der Wissenschaft erkannt, dass Tagträumer recht produktiv sind.

Von Elke Pressler | 16.01.2016

Eine zauberhafte Sequenz aus einem Traum mit einem Mädchen am Meer mit Felsen, umgeben von einem Affen und einem Heißluftballon.
Schöpferisches Tagträumen fördert die Fähigkeit zum Lösen von Problemen und zu sinnvollem Planen. (Imago / Westend61)
Traum- und Wachbewusstsein – diese beiden Seins-Zustände ähneln sich viel mehr, als man bislang dachte. Selbst im Tiefschlaf liegt die Hirnaktivität bei 80 Prozent, während tagsüber das Gehirn mindestens in der Hälfte der Zeit im Traummodus arbeitet, obwohl es sich eigentlich im Wachzustand befindet. Dazu zählen Traumforscher die Tagträume, bei denen sich Menschen oft nur für wenige Momente in ‘Hirngespinsten’ verlieren. Wunschträume von einer Abenteuerreise oder einem Lottogewinn lösen im Hirn unweigerlich die Schaltkreise des Traumbewusstseins aus.
Die Leistungsgesellschaft urteilt zwar ungnädig über jene Zeitgenossen, die am Tag allzu verträumt wirken, inzwischen wird aber auch in der Wissenschaft erkannt, dass Tagträumer entgegen ihrem schlechten Image recht produktiv sind: Während ihre Gedanken schweifen, verbessern sie ihre sozialen Fähigkeiten und ihr kreatives Potenzial. Schöpferisches Tagträumen fördert die Fähigkeit zum Lösen von Problemen und zu sinnvollem Planen. Möglich wird dies durch Unterbrechungen jener Informations- und Ablenkungsflut, die während des Wachzustands unentwegt auf den Geist niederbraust. Und auch während des Nachtschlafs passiert nicht nichts; das Gehirn brütet auch in diesem Zustand präzise und klar; es denkt, tüftelt und fällt sogar Entscheidungen – zuweilen effektiver als im Wachzustand. Gedankliche Abschottung oder Traum-Tiefen – das Imaginationsnetzwerk ist immer in vollem Gange.

Auszug aus dem Manuskript der Ersten Stunde:


André Breton. Erstes Manifest des Surrealismus 1924:
"Von dem Augenblick an, da der Mensch einer methodischen Befragung unterworfen wird; wo es durch noch zu bestimmende Mittel gelingt, den TRAUM in seiner Integrität wiederzugeben; und von dem Augenblick an, da seine Kurve sich regelmäßig und in einer Dimension ohnegleichen entwickeln wird, darf man hoffen, dass die Geheimnisse – die keine sind – dem großen Geheimnis, dem Mysterium weichen werden. Ich glaube an die künftige Auflösung dieser scheinbar so gegensätzlichen Zustände von Traum und Wirklichkeit in einer Art absoluter Realität, wenn man so sagen kann: Surrealität. Nach ihrer Eroberung strebe ich."
Ortrud Grön:
"Es ist sicher ungewöhnlich, vielleicht sogar schockierend, wenn ich meine Geschichte, meine Erforschung der Träume mit der Schilderung einer Psychose beginne."

Ortrud Grön, 84 Jahre alt. Weiß-schimmernde Prinz-Eisenherz-Herz-Frisur. Sanfte, ebenmäßige Gesichtszüge. Ortrud Grön - Gründerin der Lauterbacher Mühle an den oberbayerischen Osternseen, einer privaten Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen.

Ortrud Grön:
"Die Psychose war für mich jedoch der Anlass, mich mit Traumarbeit zu beschäftigen, deshalb erscheint es mir wichtig, sie an den Anfang zu stellen."

Worüber Hypnos, der Gott des Schlafes, und Morpheus, Sohn des Hypnos und Gott der Träume, wachen, ist für die Traumforscherin Ortrud Grön schon lange "geistiges Zuhause” und Gottes-Geschenk gleichermaßen. Seit Jahrzehnten liest und "übersetzt” die Hochbetagte die Gleichnissprache ihrer und die der Träume anderer, die fasziniert sind von diesem außergewöhnlichen Zugriff und Verständnis.

Literaturzitate aus der ersten Stunde der Langen Nacht:

Ortrud Grön'
Pflück dir den Traum vom Baum der Erkenntnis
Träume im Spiegel von Naturgesetzen
Ein Lehrbuch für die Arbeit mit Träumen
EHP, Verlag Andreas Kohlhage, Bergisch Gladbach 2007

André Breton
Die Manifeste des Surrealismus
Deutsch von Ruth Henry
Rowohlt TB Verlag, Reinbek bei Hamburg 1968

Ortrud Grön
Das offene Geheimnis der Träume
Ein Leitfaden
Kore Verlag, Freiburg i. Br. 1998
Sigmund Freud
Die Traumdeutung
Fischer TB Verlag, Frankfurt/Main 1979
Uwe M. Schneede
Die Kunst des Surrealismus
Malerei, Skulptur, Dichtung, Fotografie, Film
Verlag C. H. Beck, München 2006

Das C. G. Jung Lesebuch
Ausgewählt von Franz Alt
Walter Verlag, Düsseldorf 2000
Wolfgang Mertens
Traum und Traumdeutung
Verlag C. H. Beck, München 1999
Auszug aus dem Manuskript der zweiten Stunde

Heiko Ernst:
"Ich habe mich immer gewundert, dass die Psychologie sich so wenig und nur sporadisch um das Thema Tagträume gekümmert hat."

Diese Art des Träumens gehört zu der gänzlich vernachlässigten, aber eminent wichtigen Sorte. Zu diesem Schluss kommt der Psychologe Heiko Ernst, der über diesen besonderen Zustand des Geistes ein Buch geschrieben hat mit dem Titel "Innenwelten. Warum Tagträume uns kreativer, mutiger und gelassener machen."
Heiko Ernst:
"Die nächtlichen Träume standen sehr viel öfter und sehr viel intensiver im Blickpunkt, es gibt Tausende von Büchern über die nächtlichen Träume: Was sie bedeuten, wie man sie entschlüsseln kann, wie sie entstehen, was sie uns sagen - also das ist ein sehr intensives Forschungsgebiet immer gewesen, während die Tagträume so als etwas Minderes angesehen wurden, das vielleicht nicht so wert der Beachtung war.
Und das ist ein großer Irrtum!"
Heiko Ernst bei Wikipedia

Lange Zeit hatte sich die Hirnforschung nicht dafür interessiert, was im Gehirn vor sich geht, wenn es anscheinend "nichts" zu tun hat. Warum sollte man dieses "Nichts" untersuchen. Schlimmer noch: Als abnorm, als pathologisch, als unreif (darauf beharrte Freud!) wurde dieser Zustand wissenschaftlich eingestuft – und abgetan.

Doch in Wahrheit vollzieht sich der Großteil (!) der Hirnaktivität genau während dieser "Leere" und scheinbaren Untätigkeit.
Die besonders faszinierende Erkenntnis der aktuelleren Hirnforschung heißt: "Default Mode Network" – und dieser Betriebszustand der gedrosselten Hirnfunktion verbindet nächtliches Geschehen und wache Zeiten. Der menschliche Geist sucht in beinahe jeder Lebenslage nach Pausen zur kreativen Erholung – und seien diese noch so kurz. Verschieden Studien belegen, dass in mindestens 50 Prozent der wachen Zeit die Gedanken auf Abwege geraten und das Gehirn auf "Default Mode”, Autopilot, schaltet. Ein Hoch dem Tagträumen!
Buch-Tipp:

Heiko Ernst
Innenwelten
Warum Tagträume uns kreativer, mutiger und gelassener machen
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart, 2011

Eine revolutionäre Erkenntnis für die Traumforschung: Wenn das Gehirn im Schlaf teils auf die gleichen Regionen zurückgreift wie tagsüber im Wachsein, dann müssen diese beiden Bewusstseinsebenen weit verwandter sein, als viele Forscher bislang zugeben wollen.

Selbst im Tiefschlaf liegt die Hirnaktivität bei 80 Prozent. Derweil arbeitet das Gehirn auch tagsüber mindestens in der Hälfte der Zeit im Traummodus, obwohl es sich eigentlich im Wachzustand befindet.
Die Literaten haben das wohl schon immer gewusst oder geahnt. Aber hat es sie glücklich gemacht? Beckett und Kafka und Proust und andere Tagträumer wurden berühmt ...
Der "Zauberer" und Nobelpreisträger Thomas Mann sprach in seiner Lebensbilanz von einem "wunderlichen Lebenstraum, den er aber eigentlich nicht wiederholen wolle", und seine Frau Katia bekannte sogar, sie habe in ihrem Leben "nie tun können, was ich hätte tun wollen" – berühmte Menschen mit unerfüllten Lebensträumen, ja, "verpassten" Leben – und somit keine Vorbilder.

Literaturzitate aus der zweiten Stunde der Langen Nacht

Liv Ullmann
"An meinen Vater habe ich nur eine einzige Erinnerung"
Aufgezeichnet von Ralph Geisenhanslüke
ZEIT-Magazin Nr. 7, 28. 2. 2015
Marcel Proust
Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
Band 1, Unterwegs zu Swann
Frankfurter Ausgabe, Hgg. von Luzius Keller
Werke II, Bd.1, Wissenschaftl. Buchgesellschaft
Suhrkamp Verlag Frankf./Main 1994, 4. Auflage 2002
Aus dem Französ. übersetzt von Eva Rechel-Mertens, revidiert v. Luzius Keller
Arthur Schnitzler
Traumnovelle
Originalausgabe BasisBibliothek 113, Erste Auflage 2010
Insel Verlag Frankf / Main + Leipzig 2002
Kommentar: c Suhrkamp Verlag Berlin 2010
Suhrkamp Frankf./Main – Leipzig, 2010
Franz Kafka, Ein Traum
In: Träume in der Weltliteratur
Hrgg. v. Manfred Gsteiger
Manesse Bibliothek der Weltliteratur, Manesse Verlag Zürich, 1999

Stefan Klein
Träume
S. Fischer Verlag, Frankf. / Main, 2014
Heiko Ernst
Innenwelten
Warum Tagträume uns kreativer, mutiger und gelassener machen
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart, 2011

Die dritte Stunde der Langen Nacht der Träume erzählt von den Wunschträumen, von Zielen, die dem Leben Sinn geben – sollten.

Wie findet man seine Stärken? Indem man sich wieder an seine Träume und Wünsche erinnert und den Mut hat zu fragen: Was bringt mich in die Kraft? Es ist eine Erfahrung, die einem zeigt, wie es sich anfühlt, wenn man sich selbst ernst nimmt.
Es sind private, ambitionierte Lebens-Träume und Traum-Impressionen. Ein Musiker und eine junge Wort-Künstlerin, die beide ihren Traum verwirklicht haben, erzählen.

Der MusikerJohn Neschling:

John Neschling:
Ja, man soll immer weiter träumen. Träume gehen zu Ende, und dann muss man einen anderen Traum finden.
Der das sagt, dem gelang eine große Lebens-Leistung; denn er hatte einen großen Traum. Der brasilianische Dirigent und Sohn jüdischer Nazi-Flüchtlinge aus Wien: John Neschling baute das renommierteste Sinfonie-Orchester Lateinamerikas auf, das Orquestra Sinfonica do Estado de Sao Paulo, kurz OSESP.

John Neschling:
Es ist ein Traum gewesen.
Es waren 12 Jahre, die vielleicht die wichtigsten musikalischen Jahre waren – bis dahin, nicht. Weil ich ein Orchester wirklich von der Pike auf aufgebaut habe.
John Neschling ist ein Wanderer – und Botschafter - zwischen den kulturellen Welten. Zwischen Lateinamerika und Europa, zwischen dem wachsenden Riesen Brasilien und der alten österreichisch-jüdischen Werte-Welt.
Dieser "moderne Wanderer" wurde 1947 in Rio de Janeiro geboren. Doch die Trauer über die Vertreibung seiner Eltern aus Wien, über die Flucht vor den Nazis, trägt er (als Erbe) in sich.

John Neschling:
Meine Muttersprache war immer Portugiesisch, obwohl ich in Wien gelebt habe und Deutsch gesprochen habe. Und ich habe mich immer als Ur-Brasilianer gefühlt, obwohl ich diesen Zwist hatte. Aber ich habe nie die Gewißheit verloren, dass ich Brasilianer bin.
Er trägt einen Zwiespalt in sich, doch diese Zerrissenheit seiner Seele verwandelte John Neschling in etwas Verbindendes. John, das hochmusikalische Kind, das in seiner Heimatstadt Rio früh virtuos das Klavierspielen beherrscht und in den sogenannten "Goldenen Jahren" unter Präsident Kubitschek 1955 – 1960 die Geburt des Bossa Nova miterlebt, diesen unbeschwerten Sound von Sonne, Strand und Liebe ...
... und die Karriere-Anfänge des Bossa Nova-Berühmtheit Antonio Carlos, genannt Tom Jobim, des legendären Co-Autors von Girl From Ipanema.

Die Wort-Künstlerin Maria Odoevskaya

Maria Odoevskaya:
"Wir träumen nicht mehr, weil unsere Träume zu Slogans der Zigarettenindustrie wurden", dichtet die junge, gebürtige Russin und Slam-Poetin Maria Odoevskaya mit scharfer Zunge. Die Worte und Sätze prasseln aus dem Mund der 20-Jährigen wie Abwehrsalven - gestochen scharf, schnell, hart, bestimmt.
Maria Odoevskaya:
"Es geht darum, dass es immer mehr zu einem Kampf wird, die eigene Sprache, den eigenen Ausdruck zu finden und sich von anderen abzugrenzen.
Es geht darum, dass sich zeigt, dass so was Abstraktes, kaum Greifbares wie Lebensgefühl, bei dem die Jugend der Industrie, dem Kapitalismus eigentlich immer voraus war - also das ist jetzt einfach nicht mehr garantiert.
Es ist ein gewisser Identitätsverlust zu beobachten, vor allem da, wo die Leute nicht mehr existenziell kämpfen."
Doch auch sie, die Frühreife, Ernüchterte, Desillusionierte, treibt eine Idee an, eine Vision – die ernste Moskauerin, die mit 7 Jahren nach Lübeck kam und hier im Literaturhaus bei den sogenannten Bücherpiraten mit dem Schreiben anfing. Maria Odoevskaya spürt einen dringenden Wunsch nach – Verbindung, Verbundenheit ...

Maria Odoevskaya:
"... als Traum, als Sehnsucht, gegen die ich nichts machen kann: Das Schreiben; dass ich schreibe, immer und immer wieder. Und es ist wichtig, dass der Traum unerreichbar bleibt; wie Hemingway sagte: ‚Dem wahrsten Satz hinterherjagen, den man schreiben kann’; einem Ausdruck, der dann so genau und so originell wie möglich ist, und (dass ich) damit vielleicht, hoffentlich irgendwo irgendwie Menschen erreiche, die, wenn sie das lesen, sich in ihrem Kopf weniger allein fühlen – das ist mein Traum! "Komplizin schwerer Herzen. Weich gefallen auf chemische Daunenkissen, im Tiefenrausch nur auf den Fall versessen, windzerklüftet, erodiert und abgetragen, hart bedröhnt in Nüchternheit noch härter aufgeschlagen."

Maria Odoevskaya:
"Kratz mir die Nacht und ihre Rache aus den Zellen, begrabe, was mich haltlos macht in deinen Schaumschlag-Stimmschallwellen.

Nimm dem Aufprall dieses Morgens seine Macht und dimm die grellen Suchscheinwerfer über der friedenskargen K(r)aterlandschaft.

Erzähl mir, was mich knebelt und entführt, den grellen Glanz der Gegenwart mattiert. Sag etwas, was mich wirklich interessiert."
Maria Odoevskaya bei DeutschlandRadio Kultur

Literaturzitate aus der dritten Stunde der Langen Nacht:

Wilhelm Schmid
Vom Glück der Freundschaft
Insel Verlag, Berlin 2014

Franz Kafkas Tagebücher
Entnommen der Sonder-Ausstellung: Kafka – Der ganze Prozess
Buddenbrookhaus, Lübeck, 13.2. – 31.5.2015
s. Handzettel "Zitate Kafkas, die in der Ausstellung zu hören sind"
Auszug aus dem Manuskript:

In Tagträumen begeben wir uns in unsere innere Parallelwelt, die eine Gegenwelt zur Realität um uns herum bereithält, fasst Heiko Ernst zusammen. In dieser Innenwelt stellen wir uns immer wieder vor, wie das Leben sein könnte oder wie es sein sollte, welche Rolle wir noch in unserem Leben spielen, welche großen Wünsche wir uns noch erfüllen könnten und welche nicht, was man versäumt hat, wie man gern wäre ... Selbst der simpelste Tagtraum, der uns über eine lange Autofahrt hinwegträgt, ist im Kern ein Gegenentwurf zum Bestehenden. Sehnsucht als unerfüllter Wunsch, das macht sie im Kontext des Tagträumens bedeutsam, ist kein ausschließlich negativ bewertetes Gefühl, auch wenn Traurigkeit oder Nostalgie mit ihm verbunden werden.
Das psychologisch und künstlerisch Interessante dieses Gefühls liegt in seiner Ambivalenz. Obwohl es immer auch von Verlust oder Verzicht eingefärbt ist, wird dieses Gefühl häufig gesucht und evoziert – in den sehnsüchtigen Reverien der Musik, in der Lektüre von Lyrik und Romanen, die das Bittersüße, Traurigschöne genussvoll feiern und überhöhen. Oder eben auch in unseren ganz privaten Tagträumen, in denen wir unsere Sehnsüchte bearbeiten und mit der Wirklichkeit versöhnen. "Das Prinzip Hoffnung" nannte es Ernst Bloch, der wie kein anderer Philosoph im Tagtraum die Hauptantriebskraft des Bewusstseins, das Medium sah, Veränderungswünsche wach zu halten. Und er wies dem Tagträumen sogar eine größere Bedeutung zu als den nächtlichen Träumen, die uns bis heute so faszinieren:

Heiko Ernst:
Er sagt, wir brauchen drei Schritte, wenn wir so etwas wie Lebensglück oder eine menschenwürdige Zukunft, eine erhoffte Zukunft anstreben. Wir brauchen diese Fantasie, diese Offenheit für Mögliches, diesen Möglichkeitsraum, der nur im Innenleben gegeben ist. Das müssen wir dort entfalten.
Wir brauchen 2. Realismus: Wir müssen erkennen, wo stoßen diese Wünsche an Grenzen; wo kollidiert das zum Beispiel mit einer Moral.
Und wir brauchen dann 3. eine Fähigkeit, A und B, also Fantasie und Realismus, zusammen zu fügen, daraus etwas zu machen. Kompromissbildung ist auch bei Freud einer der wichtigsten Begriffe. Und es geht immer um diese Kluft zwischen Wunsch, starken Wünschen – der heiße Kern sozusagen, was wir unbedingt wollen – und der Realität da draußen. Wie kann man da vermitteln.
Und die Vermittlungsfunktion, die leistet der Tagtraum, wenn wir’s richtig machen.