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Ein Leben nach dem Bundestag

Die FDP-Bundestagsabgeordnete Elke Hoff sortiert nicht nur ihre Gedanken neu, sondern ihr ganzes Leben. 30 Jahre lang hat sie Politik gemacht. Nun steigt die Sicherheits-Expertin aus dem Geschäft aus - sie will studieren und gärtnern.

Von Ludger Fittkau | 13.06.2013

Der Garten der Familie Hoff ist picobello. Der Rasen frisch gemäht, die Beete fein säuberlich gehackt. Rasenmäher, Hacke und Schaufel stehen einsatzbereit gleich neben der Terrasse. In Zukunft wird Elke Hoff wohl noch häufiger persönlich zu ihnen greifen können als bisher:

"Das macht mir wahnsinnig viel Freude, dann können Sie ihre Gedanken sortieren und mal Luft holen. Weil auch das häufig zu kurz kommt im politischen Leben, dass Sie einfach mal selber reflektieren und das, was Sie erleben auch in einen vernünftigen Zusammenhang stellen."

Die Liberale Elke Hoff sortiert nicht nur ihre Gedanken, sondern ihr ganzes Leben neu. 30 Jahren hat sie Politik gemacht. Von der kommunalen Ebene in Rheinland-Pfalz – etwa als Wirtschaftsdezernentin des Landkreises Neuwied - bis zuletzt zwei Legislaturperioden im Bundestag. Nun steigt die 56 Jahre alte renommierte Sicherheitspolitikerin aus der Politik aus. Denn Elke Hoff hat klare Prinzipien:

"Zu wissen, dass der politische Auftrag begrenzt ist, dass er endlich ist. Dass man nicht dem Glauben anheimfallen sollte, man sei unverzichtbar. Und ich habe auch zutiefst die Überzeugung, dass Demokratie auch vom Wandel von Personen und von Ideen lebt. Deshalb war für mich wichtig, nicht nur Herr des Verfahrens zu sein, sondern vielleicht auch ein Zeichen zu setzen, dass Demokratie auch ein Auftrag auf Zeit ist."

Auftrag auf Zeit – dieses Stichwort unterstreicht Elke Hoff ganz dick auch für die Auslandseinsätze der Bundeswehr. Als politisches Vermächtnis an die "Neuen" im Bundestag gibt sie weiter: Schaut Euch persönlich in den Krisenregionen um! Und: Die Soldatinnen und Soldaten der "Parlamentsarmee", wie sie betont, sind nicht dazu da, die sozialen und wirtschaftlichen Probleme in Weltregionen zu lösen, die sich in einem tief greifenden gesellschaftlichen Wandel befinden:

"Es ist an vielen Stellen eben die Vernachlässigung von ganzen Weltregionen, von Bevölkerungsgruppen, von jungen Männern in muslimischen Staaten, wo ein wahnsinniger Wechsel stattfindet. Auch dort ist die Anpassung an die Globalisierung eine wahnsinnige Herausforderung. Und deshalb müssen wir auch lernen, andere Leute teilhaben zu lassen. Sie können mit militärischen Mitteln an verschiedenen Stellen Zeit einkaufen, aber Sie können damit keine Probleme lösen. Und deshalb glaube ich, dass es der richtige Weg ist, dass sich im Moment die Weltgemeinschaft zwar zaghaft darüber Gedanken macht, ob das der richtige Weg sein kann."

Die liberale Sicherheitspolitikerin hat die soziale Frage in das Zentrum ihrer politischen Zukunftsbetrachtungen gestellt. Der Abschied im Bundestag Ende Mai: Ein sehr emotionaler Moment, erinnert sich die scheidende Abgeordnete und schiebt sich auf der Terrasse ihre Sonnenbrille aus dem Haar vor die Augen. In ihrer letzte Rede hatte Elke Hoff noch einmal über die Bundeswehrreform gesprochen. Eine ganz bewusste Entscheidung.

"Ich glaube, dass das Thema, was haben wir bei der Bundeswehrreform erreicht, eigentlich ein guter Abschluss gewesen ist und wenn man dann so in die Reihen der Kollegen guckt, in die vielen vertrauten Gesichter, dann denkt man einfach: Ja, es war schön miteinander. Egal, ob es jetzt Kollegen der Koalition oder der Opposition sind. Das war das Schöne am Verteidigungsausschuss, dass man über die Parteigrenzen hinweg im Verteidigungsausschuss das Wohl der Soldaten im Blick hatte und natürlich die Sicherheit des Landes."

Zum sogenannten "Lodenmantelgeschwader", ehemalige Politiker oder Offiziere, die aus dem privaten Raum heraus ihren Senf zur Sicherheitspolitik geben, wolle sie künftig nicht gehören, sagt Elke Hoff ernst. Lieber will sie einen alten Traum endlich zu Ende führen: Sie will noch einmal studieren. Ihren ersten Versuch in Frankfurt am Main musste sie 1980 abbrechen, weil sie schwanger war. Die Ausbildung zur Kauffrau ging einfach schneller:

"Mich persönlich würde wahnsinnig der Bereich der Slawistik interessieren. Ich bin ein großer Anhänger der russischen Literatur und das wäre eine tolle Sache, wenn man die auch mal in der Originalsprache lesen könnte. Aber ob ich dafür noch mal die nötige Konzentration aufbringen kann, wird sich rausstellen. Aber das wäre zum Beispiel etwas, das ich wahnsinnig gerne machen würde."

Doch festzurren möchte sie noch nichts: "Keine Lust", sagt die FDP-Frau. Es sei doch schön endlich einmal keine Termine zu haben – und nicht schon auf Monate im Voraus verplant zu sein:

"Ich lasse mir Zeit. Ich werde mich jetzt erst mal um meinen Mann kümmern, der ja viele Jahre auch mich verzichten musste, ich setzte mich jetzt nicht selbst unter Druck. Sondern in der Vergangenheit sind die Aufgaben immer auf mich zugekommen, an mich herangetragen worden."

Doch trotz ihres Entschlusses, der Bundespolitik den Rücken zu kehren, scheint sich die Abgeordnete deren Reiz noch nicht so ganz entziehen zu können: Was wäre etwa, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr in einer Neuauflage von Schwarz-Gelb im Bund das Verteidigungsressort antragen würde und sie damit bäte, als erste Frau für die Bundeswehr verantwortlich zu sein? Ein endgültiges "Nein" klingt wohl anders:

"Jetzt könnte ich sagen, eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr. Nein, das ist eine Frage, die kann man so natürlich nicht beantworten, weil sie sich so auch nicht stellen wird. Aber wenn Sie jemand fragt, ob Sie Verantwortung übernehmen wollen für ihr Land, muss man schon gute Gründe haben, ‚Nein‘ zu sagen",

sagt die Liberale und lehnt sich ganz entspannt auf ihrem Terrassenstuhl zurück. Die Botschaft ist klar: Gartenarbeit ist prima, ein Studium wäre es auch, doch wenn es ernst wird – Elke Hoff wird nicht kneifen.