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Energie aus den vier Elementen

Technik. - Heute eröffnete die Hannovermesse ihre Pforten. Noch bis Freitag zeigen Ingenieure und Unternehmen aus aller Welt die neuesten Entwicklungen im Industriesektor. Ein zentrales Feld ist dabei die Energietechnik: höhere Effizienz und optimierte Kombination verschiedener Energiequellen sollen die Umwelt schonen.

    Unaufhaltsam klettern die Rohölpreise in Richtung auf die 60-US-Dollar-Schwelle per Barrel - eine Entspannung scheint kaum in Sicht. Entsprechend hoch ist das Interesse an alternativen Energien auf der diesjährigen Hannovermesse, die heute ihre Pforten öffnete. Die Schau vermittelt einen Trend hin zu einer dezentral angelegten Energieerzeugung durch die Kombination verschiedener alternativer Ressourcen wie Wind-, Wasser- und Solarenergie. Allein im vergangenen Jahr wurden 300 Megawatt in erneuerbarer Energie hinzugewonnen. Auch Biomasse- und Biogasblockheizkraftwerke gelten als zukunftsträchtige Technologien für den Einsatz im Eigenheim. Fortschritte sind auch auf dem Sektor der Wasserstoff-Brennstoffzellen zu vermelden: so sollen die umweltfreundlichen Aggregate inzwischen Produktionsreife erlangt haben. Eine hohe Ausbeute versprechen sich Experten indes besonders von den gewaltigen Windrad-Parks auf hoher See, wo der Wind stets bläst und kein Anwohner sich an Schatten und Krach der Luftschrauben stört.

    Doch alle jene vor allem im Detail steckenden Fortschritte bei den "sauberen" Energien können nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch in Zukunft ein überwiegender Anteil unseres Stromhungers durch fossile Träger gestillt wird. Hierzu stellen Entwickler in Hannover neue Gas- und Dampfturbinen vor, die durch einen verbesserten Wirkungsgrad die Umwelt schonen. Verluste minimieren könnten nach Ansicht von Ingenieuren auch so genannte Hochvakuumleitungen, wie sie derzeit vor allem innerstädtisch eingesetzt werden. Sie könnten zukünftig auch auf größeren Überlandstrecken verlegt und so der Verlust an Energie innerhalb der Infrastruktur verringert werden. Ein Kernproblem der Windenergie besteht darin, dass es immer wieder zu Flauten kommt. Damit dann aber das Licht nicht ausgeht, müssen konventionelle Ersatzkraftwerke hochgefahren werden. Diesen Wechsel soll jetzt eine moderne Steuerungsinfrastruktur optimieren und dabei auch zahlreiche kleinere, verteilt gelegene Energielieferanten im Auge behalten. Bei diesem so genannten "Monitoring on Demand" erkennt das Expertensystem etwa aus den aktuellen Wetterprognosen, ob und wie viel Strom die Windkraftanlagen vermutlich erzeugen werden, und regelt andere Kraftwerke entsprechend ein.

    Auch in der Messtechnik weht ein frischer Wind. Um den Stromfluss in großen Überland- und Verteilerstrecken festzustellen, waren bis vor kurzem beeindruckende Transformatoren nötig. Stattdessen können heute Lichtwellenleiter verwendet werden, berichtet Klaus Bohnert, Chefwissenschaftler bei dem Schweizer Konzern ABB: "Wir verwenden zwei unterschiedlich polarisierte Lichtwellen: bei der einen Welle ist der elektrische Feldvektor rechtsdrehend, bei der anderen linksdrehend. Beide Wellen passieren die unterschiedlichen Brechungsindizes des Glases, wobei das jeweilige Magnetfeld die Änderung des Brechungsindex erzeugt. Entsprechend laufen die Lichtwellen dann mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten durch den Lichtleiter." Dieser so genannte Faradaysche Effekt resultiert immer dann, wenn Magnetfelder aufgrund eines durch einen Leiter fließenden Stroms entstehen. Das neue Messverfahren registriert sehr empfindlich Spannungsabfälle und erlaubt eine bisher unerreicht schnelle Reaktion auf Änderungen in der Stromversorgung.

    [Quelle: Wolfgang Noelke]