Frankreich
Entlassener Chef des Grasset-Verlags gründet eigenen Verlag

26 Jahre lang leitete Olivier Nora den französischen Grasset-Verlag, bevor er vom neuen rechts-nationalen Eigentümer Vincent Bolloré entlassen wurde. Nora hat reagiert und einen eigenen Verlag gegründet.

    Der Hauptsitz des Verlags Grasset in Paris: ein weißes Gebäude mit Schaufenster, in dem Bücher stehen.
    Der Verlag Grasset steht im Zentrum der Debatte über politische Einflussnahme auf die Kultur in Frankreich (imago / opale.photo / Olivier Dion)
    Im Oktober sollen die beiden ersten Bücher erscheinen, wie er ankündigte. Es sind Werke des Intellektuellen Bernard-Henri Lévy und der Rabbinerin Delphine Horvilleur. In Folge der Entlassung Noras hatten mehr als 200 französische Autorinnen und Autoren den Grasset-Verlag verlassen; auch ausländische Schreibende wehrten sich in einer Stellungnahme dagegen, dass ihre Arbeit politisch instrumentalisiert wird.
    Mittlerweile mehrt sich auch der Widerstand gegen den Einfluss Bollorés auf das Kino; dort spielt der Milliardär über die Filmförderung seines Senders Canal+ eine große Rolle. Die Autorin Anne Berest bezeichnete die Proteste in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland kürzlich als "historisch". Ihre Begründung: "Zum ersten Mal seit 1777 vereinen sich in Frankreich Autoren, um über ihre Berufsgemeinschaft und deren Probleme zu sprechen." Sie glaubt fest an einen Erfolg, denn: "Literatur gilt in Frankreich als Kulturgut – daran rührt man nicht."
    Diese Nachricht wurde am 18.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.