Anhaltend kalter Winter
Deutsche Gasreserven schrumpfen

Es bleibt kalt in Deutschland. Drinnen wird also die Heizung hochgedreht. Das wirkt sich auf den Gasverbrauch aus. Die deutschen Erdgasspeicher befinden sich auf einem Tiefstand. Ob das problematisch ist, dazu gibt es unterschiedliche Ansichten.

    Blick auf den Erdgasspeicher in Jemgum der SEFE Storage GmbH.
    Blick auf den Erdgasspeicher im niedersächsischen Jemgum. Er ist einer von rund 40 Gasspeichern in Deutschland. (picture alliance / dpa / Lars Penning)
    Der Winter hat weite Teile Deutschlands im Griff. Im Nordosten herrscht Dauerfrost. Gleichzeitig sinken die Pegel der Erdgasspeicher. Und die kalten Temperaturen könnten anhalten. Die Grünen halten die Lage bereits für kritisch. Für Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sind die niedrigen Füllstände in deutschen Gasspeichern kein Grund zur Beunruhigung. Wer hat welche Argumente? 

    Inhalt

    Welchen Füllstand haben die deutschen Gasspeicher derzeit? 

    In Deutschland gibt es rund 40 Gasspeicher. Sie dienen als Puffer für einen hohen Gasverbrauch im Winter. Aktuell sind die Gasspeicher zu gut 32 Prozent gefüllt. Zum Vergleich: Anfang Februar 2025 waren es knapp 56 Prozent. 
    Eine staatliche Verordnung sieht vor, dass die meisten Speicher Anfang November zu mindestens 80 Prozent gefüllt sein müssen. Und am 1. Februar zu mindestens 30 Prozent. Diese Verordnung läuft 2027 aus. Der Koalitionsvertrag von Union und SPD sieht vor, die Füllstandsvorgaben weiterzuentwickeln.  
    Das meiste Erdgas kommt laut Bundesnetzagentur mit rund 45 Prozent aus Norwegen. Außerdem kommt Erdgas über Flüssiggasterminals aus den Niederlanden und Belgien.  
    Andere Länder wie Österreich, Frankreich und Polen haben eine nationale Gasreserve. Eine solche strategische Reserve hat Deutschland bisher nicht. 

    Wer hält das für problematisch und warum? 

    Der Branchenverband Ines (Initiative Energien Speichern) befürchtet, dass der Speicherfüllstand Ende März bei 14 Prozent liegen könnte. Ein derart niedriger Füllstand ist in Deutschland noch nie verzeichnet worden. Das wäre selbst bei normalen Temperaturen der Fall, so der Verband. Es sollte uns zu denken geben, dass wir am Ende mit “derart leeren Gasspeichern dastehen”, sagt Ines-Geschäftsführer Sebastian Heinermann. 
    Die Gaswirtschaft sieht eher die Befüllung der Gasspeicher in der kommenden Heizsaison als Herausforderung. Die Füllstandsvorgaben könnten die “Wiederbefüllung schwierig und teuer” machen, sagt der Vorstand des Verbandes "Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft", Timm Kehler. 
    Der energiepolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Michael Kellner, ist der Meinung, dass die Bundesregierung schlecht vorgesorgt hat: “Die Situation kann schnell akut für die Menschen in Deutschland werden.” Es sei nötig, Gas zu sparen. 
    Die Bundesnetzagentur hält eine strategische Gasreserve für sinnvoll, um auf “externe Schocks” schnell reagieren zu können. Die derzeitigen Füllstandsvorgaben verzerrten den Markt. 

    Wer sieht kein Problem in den aktuellen Füllständen? 

    Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller hält die aktuelle Versorgungslage mit Erdgas für „stabil“. Auch die vier deutschen Flüssiggas-Terminals an Nord- und Ostsee spielten eine wichtige Rolle. Laut Müller sind sie aktuell nicht ausgelastet. "Das heißt, hier gibt es Spielräume."
    Das sieht auch das Bundeswirtschaftsministerium so: «Anders als in den Vorjahren stehen uns schwimmende Flüssiggas-Terminals für die Versorgung zur Verfügung», sagt eine Sprecherin. Die “inzwischen gut ausgebaute LNG-Infrastruktur in Deutschland und Europa” ermögliche die notwendigen Importe nach Deutschland.  
    Die Terminals bieten laut Ministerium das ganze Jahr über eine sehr flexible Möglichkeit, Gas zu importieren. Dies führe dazu, dass Gasspeicher an Attraktivität verloren hätten. 
    Energieökonom Andreas Lösche von der Ruhr-Universität Bochum bestätigt den Vorteil der neuen LNG-Terminals. Sie ermöglichen es, die Gasmärkte auf der ganzen Welt zu nutzen, so Lösche.  
    Der Bau der Flüssiggas-Terminals war von der Ampelkoalition und Wirtschaftsminister Habeck 2022 nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine beschlossen worden.  

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