Donnerstag, 01. Dezember 2022

Archiv


Erfreuliche Bilanz

Lothar Guckeisen: Sie haben untersucht, wie zufrieden Juniorprofessoren mit ihrem Job sind. Zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?

Gespräch mit Tassilo Schmitt vom Centrum für Hochschulentwicklung | 02.09.2004

    Tassilo Schmidt: Sie sind erstaunlich zufrieden mit ihrem Job, fast über 90 Prozent sind zufrieden oder sehr zufrieden mit dem, was sie an der Hochschule erleben, mit den Aufgaben, die sie dort zu erfüllen habe, den Verpflichtungen, denen sie sich stellen müssen. Das ist ein gutes Ergebnis, glaube ich.

    Guckeisen: Wie haben Sie das rausgefunden?

    Schmidt: Wir haben eine Befragung unter allen uns bekannten Juniorprofessoren durchgeführt, die auf Interviews basiert, die wir vorab mit etwa zwei Dutzend Juniorprofessoren geführt haben. Dabei haben wir darauf geachtet, dass alle Fächergruppen vertreten sind und möglichst alle Bundesländer.

    Guckeisen: Hat Sie das überrascht, wenn man bedenkt, dass die Situation der Juniorprofessoren doch äußerst unsicher ist und wenn man bedenkt, sechs Jahre auf der Stelle zu sitzen und hinterher nicht zu wissen, was kommt jetzt, das Urteil des Bundesverfassungsgerichts?

    Schmidt: Es hat mich nicht so sehr überrascht, weil ich im Vorfeld natürlich viel mit Juniorprofessoren zu tun hatte und dabei erfahren habe, wie engagiert sie ihren Job machen und wie optimistisch sie die Sache angehen. Das ändert natürlich nichts daran, dass manche der Rahmenbedingungen noch verbessert werden müssen. Die Juniorprofessur bietet insgesamt ein Instrumentarium an, dass, wie wir am Centrum für Hochschulentwicklung glauben, einen besseren Qualifikationsweg zur Lebenszeitprofessur eröffnet. Man muss nur selbstbewusst, auch seitens der Politik, Hochschulleitungen und Fachbereiche, mit diesem Instrument umgehen und auch erkennen, welche Profilierungsmöglichkeiten auch für die Hochschulen selber darin stecken. Ganz wesentlich ist es allerdings, dass man den Juniorprofessoren eine klare Perspektive bietet. Meist wird das "tenure-track" genannt, häufig wird es damit verwechselt, dass man ihnen die Lebenszeitbeamtenstelle gleich am Anfang garantiert. Das ist damit nicht gemeint, sondern, dass es allein von ihren Leistungen abhängt, ob sie auf eine Lebenszeitprofessur kommen oder nicht. Dazu muss, um Mauscheleien zu vermeiden, auch sichergestellt werden, dass man auf die Juniorprofessur in der Regel nicht durch eine Hausberufung kommt. Das heißt, dass man zum Antritt der Juniorprofessur die Hochschule wechselt.

    Guckeisen: Aus Unsicherheit heraus, wie es beruflich weitergehen könnte, wie die Karriere sich entwickelt, machen ja viele auch eine Habilitation. Haben Sie das betätigt gefunden in Ihrer Untersuchung?

    Schmidt: Ja, es gibt einen Zusammenhang zwischen der Einschätzung der Juniorprofessoren, welche Rolle die Habilitation in ihrem Fach spielt und der Bereitschaft, auch auf dieser Stelle noch eine Habilitation anzustreben.

    Guckeisen: Besteht dann nicht die Gefahr, dass eben dieses Instrument dadurch entwertet wird, also wie die Assistenzprofessuren in den 70er-Jahren, die ja eigentlich auch ein Flop gewesen sind?

    Schmidt: Die Gefahr besteht, aber wenn Gefahren bestehen, muss das nicht notwendigerweise bedeuten, dass sie auch eintreten. Es ist jetzt wichtig in der gesetzlichen Regelung der Juniorprofessur insbesondere die "ten-year-tracks" einzuführen, damit die Juniorprofessoren sich auf die Aufgaben eines Professors konzentrieren, die in Forschung, Lehre, Selbstverwaltung und anderem bestehen und dann durch ihre Qualitäten zeigen, dass sie für Lebenszeitprofessuren geeignet sind.

    Guckeisen: Bei der Einführung der Juniorprofessur gab es immer wieder Bedenken, dass die altehrwürdigen Professoren möglicherweise nicht den nötigen Respekt vor ihren jungen Nachwuchskollegen haben könnten. Ist das zutreffend, wird das beklagt?

    Schmidt: Das war offensichtlich eine Fehleinschätzung. Unsere Untersuchung hat gezeigt, dass das Verhältnis zu den Kolleginnen und Kollegen in der Regel kollegial ist. Wir haben auch noch differenziert untersucht, wie es denn bei den Professoren, wissenschaftlichen Mitarbeitern und so weiter ist. Besonders bei den beiden genannten ist das Verhältnis sehr gut, aber auch bei der Gruppe, von der man glauben könnte, dass sie aufgrund der direkten Konkurrenzsituation besonders schwierige Verhältnisse erwarten könnten, bei den Privatdozenten, ist es erwartungsgemäß am schlechtesten, aber das Schlechteste heißt, dass es Ablehnung, Distanz bei zehn Prozent der Privatdozenten gibt. Also immer noch eine vergleichsweise kleine Zahl. Das Verhältnis ist insgesamt also ziemlich gut.

    Guckeisen: Das Urteil vom Bundesverfassungsgericht hat das noch Einfluss auf Ihre Untersuchung genommen, konnten Sie das berücksichtigen?

    Schmidt: Wir haben es insofern berücksichtigt, als wir bei den Empfehlungen auf die verschiedenen Ebenen Bund, Länder, Hochschulen, Fachbereiche und so weiter, Rücksicht genommen haben. Aber wir schätzen dieses Urteil nicht als eines gegen die Juniorprofessur ein, es handelt sich letztlich um eines der föderalen Ordnung unseres Landes und deswegen musste das nicht ausführlich berücksichtigt werden.