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Ergebnisse der Chemikalienagentur
EU sieht keine erhöhte Krebsgefahr auf Kunstrasen

Sind die auf Kunstrasenplätzen ausgebrachten Gummikügelchen krebserregend? Am Dienstag hat die Europäische Chemikalienagentur ihre Ergebnisse vorgestellt und Entwarnung gegeben. Doch Zweifel am Gummigranulat aus alten Autoreifen bleiben.

Von Moritz Cassalette | 28.02.2017
    Training an der Grünwalderstraße (TSV 1860 München). Arbeiter verlegen den Kunstrasen auf Platz Zwei.
    Über die Gefahr von Kunstrasen gibt es unterschiedliche Auffassungen. (imago sportfotodienst)
    "Nach unserer Bewertung gibt es momentan nur wenig Grund zur Sorge", sagte Mark Blainey, Wissenschaftler der Europäischen Chemikalienagentur in Helsinki (ECHA), dem NDR: "Dies gilt für verschiedene Substanzen. Für PAK, für verschiedene Metalle und andere Stoffe. Wir haben bei den Substanzen überprüft, wie groß die Gefahr ist, dass sie freigesetzt werden. Und unsere Bewertung ist, dass es auf der Grundlage der Informationen, die wir haben, nur wenig Grund zur Besorgnis gibt."
    Zuletzt hatte ein niederländischer Fernsehsender berichtet, dass das aus alten Autoreifen hergestellte schwarze Gummigranulat Krebs verursachen könne. Es geht um polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK, die allgemein als krebserregend gelten und in Autoreifen enthalten sind. Die Europäische Union hatte die ECHA beauftragt, eine Bewertung abzugeben, inwieweit Fußballer auf Kunstrasen mit diesen PAK in Berührung kommen. Die hat nun Entwarnung gegeben.
    Studien aus ganz Europa ausgewertet

    Allerdings hat die ECHA die Gummikügelchen nicht selbst im Labor untersucht, sondern mehrere Studien aus ganz Europa ausgewertet - unter anderem aus Großbritannien, Finnland und den Niederlanden, wo die Aufregung besonders groß war. Hunderte Kunstrasenplätze waren dort zwischenzeitlich gesperrt.
    Trotz der offiziellen EU-Bewertung sagt das Niedersächsische Umweltministerium in Hannover etwa: Finger weg von diesem Granulat. "Grundsätzlich sind PAK krebserzeugend. Damit spielt man nicht", sagte Michael Braedt, im Ministerium Fachmann für Chemikaliensicherheit, dem NDR: "Und in der europäischen Chemikalienpolitik haben wir eindeutig das Vorsorgeprinzip. An dem halten wir auch als Umweltministerium ganz massiv fest. Und deswegen empfehlen wir, auf den Einsatz PAK-haltiger Granulate zu verzichten."

    Experten empfehlen anschließend zu duschen
    Auch die ECHA empfiehlt einige Maßnahmen: Wer auf einem Kunstrasen mit schwarzem Granulat Sport treibt, sollte anschließend duschen. Betreiber von Indoorkunstrasenplätzen sollten für eine gute Belüftung sorgen, denn auf Plätzen wird auch Feinstaub aufgewirbelt. Zudem fordert die Chemikalienagentur der EU, dass sich Sportverbände und -vereine bei ihren Kunstrasenherstellern über das Gummigranulat informieren und ihre Sportler anschließend aufklären.