Korruptionsvorwürfe
Ermittlungen um Kryptobörse Zondacrypto: Chef von Polens Olympischem Komitee festgenommen

In Polen ist der Chef des Olympischen Komitees, Radoslaw Piesiewicz, wegen Korruptionsvorwürfen festgenommen worden.

    Der oberste Olympia-Funktionär Radoslaw Piesiewicz (45) spricht bei einer Veranstaltung.
    Der oberste Olympia-Funktionär Radoslaw Piesiewicz (45) soll in einen Finanzskandal verwickelt sein und wurde festgenommen. (picture alliance / Sipa USA / Arena Akcji)
    Die Festnahme stehe im Zusammenhang mit Ermittlungen um die Kryptobörse Zondacrypto, teilte Justizminister und Generalstaatsanwalt Waldemar Jurek auf X mit. Die Ermittlungen um Zondacrypto weiten sich derzeit aus. Dabei stehen auch Verbindungen des Unternehmens zu mehreren Politikern der früheren Regierungspartei PiS im Fokus. 
    Das mittlerweile bankrotte Unternehmen Zondacrypto war der Sponsor des Olympischen Komitees. Medienberichten zufolge soll Piesiewicz vom Betreiber der Kryptobörse eine Uhr im Wert von 40.000 Euro geschenkt bekommen haben. Im Gegenzug sollte sich Piesiewicz beim Vorsitzenden der Wettbewerbsbehörde und bei Ex-Regierungschef Mateusz Morawiecki für den Unternehmer einsetzen. Piesiewicz bestreitet die Vorwürfe und betonte, er habe die Uhr in Raten bar bezahlt.

    Unternehmensgründer plötzlich verschwunden

    Das Mitte-Links-Bündnis von Ministerpräsident Donald Tusk wirft der rechtskonservativen Vorgängerregierung der PiS und dem ihr nahestehenden Präsidenten Karol Nawrocki vor, die Regulierung des Kryptowährungsmarkts bewusst blockiert zu haben - aus eigenem Interesse. Nawrocki hatte drei Mal entsprechende Gesetzentwürfe per Veto blockiert.
    Zondacrypto ist in Polen schon seit längerem in den Schlagzeilen. Ein polnischer Geschäftsmann hatte das Unternehmen ursprünglich gegründet. Er wollte Kleinanlegern die Möglichkeit bieten, in Kryptowährungen zu investieren. 2022 verschwand der Gründer unter dubiosen Umständen. Sein Nachfolger Przemyslaw Kral lebte zunächst in Monaco, soll sich aber nach Israel abgesetzt haben. Zuvor hatte Zondacrypto im April Liquiditätsprobleme angemeldet. Kurz darauf mehrten sich Berichte, dass Anleger Probleme mit der Auszahlung hatten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugs und Geldwäsche. Der Schaden wird auf mindestens 80 Millionen Euro geschätzt.

    Kryptobörse finanzierte Aktivitäten der Rechten

    Inzwischen prüfen die Ermittler auch, ob Zondacrypto gegen das Gesetz verstieß, als es verschiedene Aktivitäten der polnischen Rechten finanzierte. Dabei geht es um Gelder für eine Stiftung des Ex-Justizministers Zbigniew Ziobro und um das Sponsoring für die rechtskonservative amerikanische CPAC-Konferenz in Rzeszow im polnischen Präsidentenwahlkampf. 
    Vize-Regierungschef Krzysztof Gawkowski sprach nun von einer "gigantischen Affäre" um das Unternehmen und kündigte weitere Festnahmen an.
    Diese Nachricht wurde am 28.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.