Dienstag, 09. August 2022

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"Es hat was mit dem Herz zu tun"

Der Oberbürgermeister von Baden-Baden, Wolfgang Gerstner, sieht in privaten Förderern einen wichtigen Faktor für das Kulturleben einer Stadt. Zwar bemühe sich die Stadt auch für Kultur und die kulturelle Bildung. Aber das Sponsoring von großen Spendern sei notwendig, um die Arbeit erfolgreich zu gestalten.

Moderation: Katja Lückert | 26.12.2007

    Katja Lückert: An den Oberbürgermeister von Baden-Baden, Wolfgang Gerstner, ging die Frage: In Ihrer Stadt könnte man einen Schönheitswettbewerb der Big Spender veranstalten, so ist die Stadt von Sponsoren und Mäzenen verwöhnt. Mögen Sie mal ein wenig fantasieren, wie sähe Baden-Baden ohne seine Gönner aus?

    Wolfgang Gerstner: Baden-Baden sehe völlig anders aus, wir hätte größere Probleme, weil wir Alleinstellungsmerkmale nicht in unserer Stadt finden. Denken Sie allein an Frieder Burda mit seinem Museum. Er hat eine ungeheure Bedeutung an Attraktivitätsgewinn für unsere Stadt bedeutet, und die Besucher, die aus ganz Deutschland nach Baden-Baden kommen, sind der Beweis dafür, dass das private Sponsoring durchaus einen wichtigen Beitrag in der Kulturecke in unserer Stadt hat. Aber es geht ja auch noch weiter. Wir haben noch andere wie das Festspielhaus. Auch dort ist das Sponsoring von großen Spendern notwendig, um die Arbeit erfolgreich zu gestalten, und ich bin sehr dankbar, dass wir in unserer Stadt hier doch einmalige Rahmenbedingungen haben.

    Lückert: Für das Festspielhaus, Sie haben es erwähnt, wird jedes Jahr mindestens ein Millionenspender geworben. Das Burda-Museum ist komplett finanziert und kostet die Stadt keinen Pfennig. Dazu kommt noch die Burda-Kindermalwerkstatt, das Stadtmuseum wurde von der Scherer-Stiftung unterstützt. Wie machen Sie das in Baden-Baden? Sind Sie einfach netter als andere Städte zu Ihren Sponsoren?

    Gerstner: Das glaube ich weniger, ich glaube einfach, dass viele Sponsoren, die Glück in ihrem Leben hatten, ein Stück wieder an die Stadt zurückgeben und andere an ihrem Glück teilhaben lassen, und ich glaube, dieses Gefühl, dass sie etwas bewegen können in einer Stadt, das dann auf sich bauend gut tut, dann ist es auch für die Stifter sicherlich ein gutes Gefühl, in der Stadt mit dabei zu sein.

    Lückert: Obwohl Albert Vilar hat ja einmal gesagt, es hat schon was mit Menschen zu tun, ob man das Geld nach Berlin gibt oder nach Baden-Baden.

    Gerstner: Es hat was mit dem Herz zu tun. Es hat was damit zu tun, inwieweit Sie sich mit einer Stadt identifizieren können und inwieweit Sie sich vorstellen können, dass in dieser Stadt Zukunft stattfindet, und ich glaube, dass die Sponsoren, die auf Baden-Baden setzen, auch Zukunft in diese Stadt hineinlegen.

    Lückert: Wie zeigen Sie sich ihren Sponsoren und Mäzenen denn erkenntlich?

    Gerstner: Wir treffen uns hin und wieder. Allerdings ist das erkenntlich Zeigen jetzt nicht an Dingen festzumachen. Das sind die Begegnungen mit Menschen, und ich freue mich einfach, dass wir diese Menschen in unserer Stadt haben. Konkret, wie man das machen kann, habe ich mir noch gar nicht überlegt, müsste ich mal noch drüber nachdenken.

    Lückert: Blicken wir noch mal ins Einzelne. Beim Festspielhaus ist der Betrieb privat finanziert. Aber was passiert mit der Immobilie? Welche Belastungen kommen auf die Stadt zu, und welche Rückstellungen gibt es für den Rückkauf?

    Gerstner: Wir haben pro Jahr 2,5 Millionen Euro Belastung im Festspielhausbereich, wir haben dieses Jahr im Haushaltsplan 500.000 Euro Rücklage, die wir aufbauen wollen für den Kauf des Hauses. Ich glaube, es ist eine gute Investition für Baden-Baden.

    Lückert: Die Musikschule wurde wegen Finanzmangel fast geschlossen. Was tut die Stadt für die kulturelle Bildung?

    Gerstner: Die Stadt tut einiges für die kulturelle Bildung. Wir haben unsere städtische Musikschule erhalten können mit einem neuen Konzept. Wir machen natürlich auch im Bibliotheksbereich sehr viel. Da haben wir eine musterhafte Bibliothek. Wir haben mit dem Theater ein Angebot auch an Jugendliche, denn dort gibt es auch Kindertheater, Jugendtheater. Und wir haben natürlich darüber hinaus, wie in anderen Städten auch, ein Stadtmuseum und viele Vereine, die natürlich unser kulturelles Leben auch mit beeinflussen und zwar positiv.

    Lückert: Baden-Baden will sich zusammen mit Karlsbad als UNESCO-Weltkulturerbestadt bewerben. So eine Doppelbewerbung ist noch neu. Was versprechen Sie sich davon?

    Gerstner: Also es ist noch nicht entschieden, ob wir diesen Weg so gehen. Wir sind im Moment am ausloten, inwieweit wir nicht alleine einen Antrag stellen können. Denn wir sind ja nicht so weit, dass wir sagen, wir schaffen es nicht alleine. Wir werden uns danach, wenn wir unsere Alleinstellungsmerkmale auf das Papier gebracht haben, überlegen, wie wir dann strategisch weiterverfahren. Also insofern sind wir erst am Anfang noch vieler kleiner Schritte, die uns auf dieses Thema dann zubringen.

    Lückert: Allerdings wenige Flecken, die nicht Weltkulturerbe sind, viele Städte hoffen auf einen finanziellen Aufschwung durch diese Bewerbung. Baden-Baden aber hat das doch eigentlich gar nicht nötig, oder?

    Gerstner: Also für uns ist das nicht so, dass wir damit einen finanziellen Aufschwung verbinden. Ich glaube eher, dass es ein Besinnen auf die Wurzeln der Stadt, auf die Stärke dieser Stadt geht, dass es darum geht, diese einfach auszubauen und bewusst zu machen, worauf wir eigentlich stolz sind in Baden-Baden. Und ich glaube, dass dieses auch ein bürgerliches Selbstbewusstsein hervorrufen wird, das positiv für die Entwicklung der Stadt für die Zukunft sein wird.

    Lückert: Bei der Philharmonie, aber auch Baden-Baden als Bäderstadt, mit seinen kurstädtischen Einrichtungen wie Thermen, Parks und so weiter, hier finanziert das Land mit, bloß wird das immer anhalten?

    Gerstner: Ich glaube, dass die Stadt sich auf das Land verlassen kann, weil das Land sich der Verantwortung gegenüber der Stadt Baden-Baden durchaus bewusst ist. Man hat 1994/95 die Bäder- und Kurverwaltung neu ausgerichtet. Es war ein Erfolgsmodell, so möchte ich sagen. Und ich sehe eigentlich nicht die Gründe, die dafür sprechen, dass man aufhört. Der Landesrechnungshof hat eine Stellungnahme abgegeben, die teile ich natürlich nicht, weil ich der Auffassung bin, dass es vertragliche Verpflichtungen gibt, die auch einer Fortsetzung bedürfen.