Sonntag, 03. Juli 2022

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"Es sah dort aus wie im Kriege"

28. September 1980: Der bayrische Ministerpräsident Franz Josef Strauß nach dem Oktoberfest-Attentat im Interview der Woche.

04.05.2012

Franz Josef Strauß: Ich bin sofort nach München geflogen und habe mich an die Stätte des Schreckens begeben. Es sah dort aus wie im Kriege, wenn ein Volltreffer auf Menschen niedergegangen ist. Bei der Bombe handelt es sich um ein Leitungsrohr aus Grauguss, hoch brisanter Sprengstoff, mindestens ein bis drei Kilogramm, es bestehen auch Vermutungen über den Täter, es könnte einer der Toten sein.

Das Ganze beweist, dass noch viel mehr Aufklärungsarbeit im vorkriminellen Raum geschehen muss, dass die Nachrichten und Sicherheitsdienste nicht entmutigt werden dürfen, wie es leider im Lauf der letzten Monate durch gezielte Indiskretionen und durch eine angeblich liberale Rechtspolitik geschehen ist. Jetzt wird wohl niemand mehr bezweifeln, dass es im Interesse der Unversehrtheit der Bürger liegt, wenn die möglichen Quellen, ob rechts oder links, für solche abscheulichen Untaten stärker aufgespürt und rechtzeitig unschädlich gemacht werden.

Es muss auch allgemeiner Überzeugungstatbestand der Bürger sein, gleichgültig, welcher Partei sie nahestehen oder angehören, dass man nicht, unter welchen politischen Motiven auch immer, das Verbrechen entmoralisieren kann, das heißt, irgendwelche Vorwände – bessere Gesellschaftsordnung oder Vertreibung der Ausländer oder was auch immer, also, reines Deutschland und wie diese Hetzparolen heißen –, dass es keine politische Motivierung gibt, die ein Verbrechen rechtfertigen und seines zutiefst unmoralischen Charakters entkleiden könnte.

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