Fußball-WM in USA
EU-Abgeordnete fordern möglichen WM-Boykott, falls Werte weiterhin missachtet werden

In Europa mehren sich die Stimmen, die einen Boykott der Fußball-WM als Zeichen gegen das Handeln und die Rhetorik von US-Präsident Trump befürworten. Wie der "Spiegel" berichtet, haben 19 EU-Abgeordnete die Europäische Fußball-Union UEFA aufgefordert, sich bei der Weltmeisterschaft 2026 in den USA gegen die FIFA zu positionieren.

    Gianni Infantino und Donald Trump stehen auf einer Bühne vor zwei Lostöpfen. Trump ist dabei, ein Los zu öffnen. Infantino zeigt auf ihn.
    FIFA-Präsident Gianni Infantino (l.) und US-Präsident Donald Trump bei der Auslosung der Gruppen für die Fußball-WM 2026 (picture alliance / ANP / Koen van Weel)
    In dem Schreiben der Abgeordneten von Grünen, Sozialdemokraten, Liberalen und Linken heißt es, in den letzten Jahren, insbesondere während der Trump-Regierung, hätten die Vereinigten Staaten politische Maßnahmen ergriffen und eine Rhetorik verwendet, die ernsthafte Zweifel am Respekt gegenüber dem Völkerrecht, demokratischen Standards und dem Prinzip der Selbstbestimmung aufkommen lasse.

    "Trumps Rhetorik widerspricht den Werten des Fußballs"

    Laut "Spiegel" wurden die Forderungen auch von deutschen Abgeordneten unterzeichnet. Dem Protest angeschlossen haben sich demnach die grünen Abgeordneten Rasmus Andresen, Erik Marquardt und Daniel Freund, sowie der SPD-Politiker Matthias Ecke. Sie begründen ihre Haltung unter anderem mit Trumps "wiederholten Äußerungen und Handlungen im Zusammenhang mit Grönland".
    Vor allem die Rhetorik des US-Präsidenten widerspreche den Werten des Fußballs, zu denen "Respekt, Würde, Gleichheit sowie die gegenseitige Anerkennung von Nationen und Völkern" gehörten, schreiben die EU-Abgeordneten. Die Austragung der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 in den Vereinigten Staaten berge die Gefahr, diese politischen Haltungen zu normalisieren und zu legitimieren. Ein Turnier, das Milliarden von Menschen erreiche, könne nicht von seinem politischen Kontext getrennt werden, heißt es weiter.

    "Stimme der UEFA hat moralisches und politisches Gewicht"

    Die Unterzeichner fordern von der UEFA sich zu Menschenrechten, Inklusion und der Achtung internationaler Normen zu bekennen, auch wenn wirtschaftliche Interessen oder politischer Druck zunähmen. Die Stimme der UEFA besitze innerhalb der FIFA moralisches und politisches Gewicht, so die EU-Abgeordneten. Die Europäische Fußballverband - als eine der sechs Kontinental-Konföderationen - solle die Entscheidung, Donald Trump mit dem FIFA-Friedenspreis auszuzeichnen, öffentlich kritisieren. Zudem solle die UEFA Diskussionen über mögliche Konsequenzen unterstützen, "einschließlich koordinierter Boykotte oder anderer Maßnahmen, falls diese Werte weiterhin missachtet werden".
    Der Weltverband FIFA steht derweil zu seiner Entscheidung, die WM 2026 neben Kanada und Mexiko in den USA stattfinden zu lassen. Auch die Bundesregierung lehnt einen Boykott der WM in den USA ab. Die Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, Christiane Schenderlein betonte in der "Süddeutschen Zeitung", der Sport dürfe nicht für die Gestaltung außenpolitischer Beziehungen genutzt werden.
    Die FIFA hatte Donald Trump im Dezember mit dem "FIFA Peace Prize" ausgezeichnet und war dafür in die Kritik geraten. Der Preis war eigens für den US-Präsidenten erfunden worden. FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte die Auszeichnung zuletzt verteidigt. Trump habe maßgeblich zur Lösung von Konflikten und zur Rettung von Menschenleben beigetragen und Tausende von Menschenleben gerettet, so Infantino.

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    Diese Nachricht wurde am 04.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.