Nach Drohnenvorfall in Leipzig
EU-Außenminister beraten über europäische Reaktion - Kallas: "Merkmale von staatlich gefördertem Terrorismus"

Die EU-Außenbeauftragte Kallas hat den versuchten Sprengstoffanschlag mit Drohnen am Flughafen Leipzig/Halle als staatlich unterstützten Terrorakt bezeichnet. Kallas sagte vor einem Treffen der EU-Außenminister in Irland, der Vorfall weise alle Merkmale eines solchen Terrorismus auf.

    Kaja Kallas steht an einem Rednerpult vor zwei Mikrofonen.
    Die EU-Außenbeauftragte Kallas in Wicklow, Irland. (picture alliance / Anadolu / Mostafa Darwish)
    Die Europäische Union erwarte von Russland eine Erklärung zu den Vorwürfen, sagte Kallas. Als Konsequenz ließ sie den russischen EU-Gesandten in Brüssel einbestellen. Auch das französische Außenministerium bestellte einen Vertreter der russischen Botschaft in Paris ein. Minister Barrot sprach sich für weitere Sanktionen gegen Russland aus. Bundesaußenminister Wadephul sagte, Moskau müsse wissen, dass sein Weg gescheitert sei, mit hybriden Mitteln Ansprüche umzusetzen,
    Bei dem Treffen in der irischen Küstenstadt Wicklow will Wadephul seine EU-Kollegen über die bisherigen Erkenntnisse zu dem Anschlagsversuch an dem Flughafen informieren. Die Bundesregierung hatte gestern Russland da⁠für verantwortlich gemacht. Auch die NATO beschäftigt sich heute auf deutsche Initiative mit dem Vorfall von Leipzig. Generalsekretär Rutte sprach von eindeutigen Beweisen und sicherte Deutschland die volle Solidarität des Bündnisses zu.

    Unterstützung der Ukraine im Mittelpunkt

    Ein weiteres zentrales Thema in Wicklow ist die Unterstützung der Ukraine. Auf der Tagesordnung stehen die Stärkung der ukrainischen Luftverteidigung, die Vorbereitung auf den Winter, der Schutz der Energieversorgung sowie die Finanzierung weiterer Hilfen. Zudem soll darüber beraten werden, ob eingefrorene russische Vermögenswerte künftig stärker zur Unterstützung der Ukraine genutzt werden können.
    Darüber hinaus wollen die Außenminister über mögliche Sanktionen gegen Israel sprechen. Hintergrund sind Äußerungen des israelischen Sicherheitsministers Itamar Ben Gvir zu gezielten Tötungen von Palästinensern. Diese haben die Forderungen nach Sanktionen gegen Gvir innerhalb der EU erneut verstärkt. Kallas will dazu neue Vorschläge vorlegen.

    EU-Verteidigungsminister ohne Einigung auf zusätzliche Patriot-Raketen

    Zuvor hatten bereits die EU-Verteidigungsminister in Wicklow getagt. Eine konkrete Zusage zusätzlicher Patriot-Flugabwehrraketen für die Ukraine wurde dabei jedoch nicht erreicht. Kallas erklärte nach dem Treffen, es habe zwar Appelle und Gespräche gegeben, ein konkretes Ergebnis sei jedoch ausgeblieben. Welche EU-Staaten möglicherweise Abfangraketen bereitstellen könnten, sagte sie nicht. Nach Angaben von Diplomaten stehen dabei insbesondere Griechenland und Spanien im Fokus. Die Ukraine weist seit Wochen auf einen Mangel an Patriot-Abfangraketen hin. Diese gelten als besonders wichtig für die Abwehr ballistischer Raketen aus Russland.
    Diese Nachricht wurde am 02.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.