Finanzpolitik
Europäische Zentralbank erhöht erneut den Leitzins

Die Europäische Zentralbank hat zum zweiten Mal in diesem Jahr den Leitzins erhöht. Der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins steigt demnach von 2,25 auf 2,5 Prozent. Auch die beiden anderen Zinssätze der EZB wurden angehoben.

    Die Lichter der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main leuchten am Abend zur Blauen Stunde.
    Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main (picture alliance / greatif / Florian Gaul)
    "Der Konflikt im Nahen Osten erzeugt weiterhin Inflationsdruck, und die Inflation dürfte für einen längeren Zeitraum deutlich über unserem Zielwert bleiben", erklärte EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Der Ausblick sei nach wie vor mit hoher Unsicherheit behaftet.

    Gut für Sparer, schlecht für Kreditnehmer

    Höhere Leitzinsen verteuern Kredite, was die Nachfrage bremsen und so die Inflation dämpfen kann. Sparer profitieren, wenn Banken die besseren Konditionen weitergeben. Zugleich sind steigende Zinsen eine Belastung für alle, die investieren wollen - von Privathaushalten bis Firmen. Hebt die EZB die Zinsen zu stark an, kann das die Konjunktur abbremsen.

    Iran-Krieg heizt Inflation an

    Wichtigstes Ziel der EZB ist es, die Inflation im Zaum zu halten und für einen stabilen Euro zu sorgen. Der seit Ende Februar schwelende Krieg zwischen den USA und dem Iran hat die Teuerung kräftig nach oben getrieben.
    Im August waren die Verbraucherpreise im Euroraum einer ersten Schätzung zufolge 3,3 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Das ist die höchste Teuerungsrate seit September 2023 und liegt weit über dem Ziel der EZB, die mittelfristig Preisstabilität bei 2,0 Prozent Inflation für die Eurozone anpeilt. Je höher die Inflationsrate, umso geringer die Kaufkraft der Menschen.
    In Europas größter Volkswirtschaft Deutschland hatten hohe Energiepreise die Inflation im August auf 2,9 Prozent getrieben. Sprit und Heizöl waren deutlich teurer als ein Jahr zuvor. Zuletzt stieg der Preis für Brent-Öl stieg wieder über die Marke von 100 Dollar je Barrel.

    EZB: Bis mindestens 2027 erhöhte Inflation

    Nach Einschätzung der EZB müssen sich die Menschen im Euroraum bis mindestens 2027 auf eine erhöhte Teuerungsrate einstellen. Für dieses Jahr erwartet die Zentralbank 3,0 Prozent Inflation. Auch 2027 (2,5 Prozent) und 2028 (2,1 Prozent) wird die Zielmarke von 2,0 Prozent demnach verfehlt.
    Diese Nachricht wurde am 11.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.