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FIFA
Lohnfortzahlung für einen Gefeuerten

Die FIFA und Jerome Valcke müssen sich neue Fragen in Sachen Ethik stellen lassen. Obwohl der Fußballweltverband seinen heutigen Generalsekretär 2006 als Marketingdirektor entlassen hatte, zahlte er ihm bis zur Neuanstellung offenbar weiter Gehalt. Das nährt einen alten Verdacht.

Von Thomas Kistner | 22.04.2014

Die Zeitung "O Estado de São Paulo" hat Delikates herausgefunden. Jerome Valcke war persönlich an Brasiliens WM-Projekt beteiligt, das Monate später den Zuschlag der FIFA für 2014 erhielt. Valcke hatte vom brasilianischen Fußball-Verband CBF 100.000 Dollar dafür erhalten, die Planung der Etats, Sponsor-Strategien und die Gründung des WM-Organisationskomitees voranzutreiben. Zugleich kassierte Valcke aber in diesem ersten Halbjahr 2007 auch Geld von der FIFA – neben dem Salär vom CBF.
Nun müssen sich Effizienz und Glaubwürdigkeit der reformierten FIFA-Ethikkommission beweisen. Anrüchig ist ja nicht nur, dass der heutige WM-Chefaufseher Valcke gleichzeitig Geld von der FIFA und Brasiliens WM-Planern erhielt. Insbesondere die FIFA-interne Fortzahlung ist erklärungsbedürftig. Denn der Weltverband hatte den Franzosen Ende 2006 "fristlos" gefeuert, weil Valcke als Marketingchef für die Mastercard-Affäre verantwortlich war. Er hatte den langjährigen Werbepartner dreist hintergangen, indem er einen Deal mit dessen Kreditkarten-Rivalen Visa ausheckte. Ein US-Gericht entschied 2006 für Kläger Mastercard und bezeichnete hohe FIFA-Funktionäre als "Lügner". Die folgende außergerichtliche Einigung kostete die FIFA insgesamt gut 100 Millionen Dollar.
Peinliche Begründung für Lohnfortzahlung
Bei Valckes offiziellem Rauswurf hatte die FIFA sogar erklärt, sie könne dessen Verhalten im Skandal auf keinen Fall akzeptieren. Umso peinlicher, wie sie nun die stille Fortzahlungen an Valcke begründet: Die seien Teil eines Abschlusspakets gewesen, wie es üblich sei, wenn ein Mitarbeiter die Firma verlasse.
Doch dass ein Manager, der als Verursacher eines dreistelligen Millionenschadens gefeuert wurde, weiter Saläre erhält, ist höchst unüblich. Zudem kehrte Valcke schon Mitte 2007 in die FIFA zurück: Seither ist er dort als Generalsekretär die Nummer Zwei hinter Präsident Sepp Blatter. Insofern nährt der Vorgang stark einen alten Verdacht: Dass Valcke am Mastercard-Skandal nur als Erfüllungsgehilfe hoher Funktionäre beteiligt war.