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Football-Skandal
Die Luft ist raus

In der National Football League hatte Ende Januar ein Wort die Runde gemacht: "Deflate gate". Es war eine Anspielung auf das Halbfinale zwischen den New England Patriots und den Indianapolis Colts. Die Patriots sollen aus elf ihrer zwölf Footbälle Luft rausgelassen haben. Die NFL nahm die Untersuchungen auf und kam nun zu einem Ergebnis. Im Mittelpunkt dessen steht Patriots-Quarterback Tom Brady.

Von Heiko Oldörp | 07.05.2015

    New England Patriots Quarterback Tom Brady hält nach dem Gewinn des Super Bowl die Trophäe in die Höhe.
    Tom Brady soll grundsätzlich vom Regelverstoß beim "deflate gate" gewusst haben. (picture alliance/dpa - Larry W. Smith)
    "The Deflate gate report is out and it's deflating news for Tom Brady and the Patriots."
    Es gab am Mittwoch in Boston keine Abendsendung, die nicht mit dem "Deflate gate" begann. In der Heimat der New England Patriots hatten viele gehofft, dass es sich nur um eine Luftnummer handeln würde. Doch die Untersuchungen des von der NFL beauftragten Anwalts Tod Wells ergaben ein anderes Ergebnis.
    Wells hatte ermittelt, um herauszubekommen, warum im Halbfinale gegen Indianapolis elf der zwölf Bälle in Halbzeit eins weniger Luft hatten als erlaubt – obwohl die Schiedsrichter sie vor Spielbeginn überprüft und für gut befunden hatten.
    Es sei wahrscheinlich, heißt es, dass Vereinspersonal absichtlich Luft aus den Footbällen entlassen habe. Erwähnt werden Jim McNally und John Jastremski. McNally ist für die Umkleide der Schiedsrichter zuständig, Jastremski als Equipment-Manager-Assistent angestellt.
    Zudem kam heraus, dass Patriots-Quarterback Tom Brady, Zitat: "grundsätzlich von dem Regelverstoß gewusst hat".
    Ende Januar hatte Brady die Frage, ob er ein Betrüger sei, noch verneint und betont, niemals die Regeln zu brechen.
    "Is Tom Brady a cheater? I don't believe so. I mean I feel like I've always played within the rules and I would never do anything to brake the rules."
    Bei den Ermittlungen sind Textmitteilungen zwischen McNally und Jastremski aufgetaucht, in denen es um Brady geht. McNally hat sich dabei als "Deflator" bezeichnet – also als derjenige, der Luft aus den Footbällen gelassen hat.
    Für Garry Tanguay, einer von Bostons bekanntesten Sportreportern, steht fest, dass Brady gesperrt werden müsse. Nicht wegen des möglichen Regelverstoßes, sondern wegen der anschließenden Verschleierung. Die ganze Sache, so Tanguay stinke und sei eine Lüge.
    "To me it's the cover up. It stinks, it smells, it's dirty, it's the lies."
    Bradys Berater, Don Yee, kritisierte die Untersuchung als "einseitig" und "fehlerhaft" - und er verwies darauf, dass Wells von der NFL für seine Arbeit bezahlt wurde und deshalb die Ermittlungen gar nicht unabhängig hätten sein können.
    Die NFL hat angekündigt, über Bradys Strafe in Kürze zu entscheiden. Egal, wie der Superstar letztlich belangt wird, sein Image hat einen tiefen Kratzer bekommen.