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Formel 1Das Ende der Ära Ecclestone

Bernie Ecclestone ist die Formel 1? Das war einmal. Der neue Formel-1-Eigentümer Liberty Media aus den USA installiert Chase Carey als neuen Mann an der Spitze und entmachtet damit den bisherigen Alleinherrscher Ecclestone, der auf eine lange und bewegte Karriere zurückblickt.

Von Stephanie Pieper | 24.01.2017

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone im Landgericht München.
Jahrzehntelang war eine Formel 1 ohne Bernie Ecclestone nur schwer vorstellbar. (dpa/Sven Hoppe)
Richtig gescheitert ist Bernie Ecclestone eigentlich nur einmal in seinem Leben: 1958. Da versucht er sich - im eigenen Wagen - in Monte Carlo und Silverstone als Rennfahrer, kommt aber über die Qualifikation nicht hinaus. Vielleicht schmiedet der Brite schon damals den Plan, irgendwann die Formel 1 zu beherrschen. Diesen Willen und diesen Mut könne man nicht erlernen, sagt Ecclestone in der Rückschau.
Der 1930 geborene Engländer ist Sportpromoter, Strippenzieher, Stehaufmännchen: Er handelt zunächst mit Gebrauchtwagen, und sichert sich Ende der 70er Jahre erst die Werbe- und dann die TV-Rechte für die Formel 1. Ein Coup, der den Grundstein legt für sein Imperium - denn erst Ecclestone macht aus dem Rennzirkus big business.
Lange keine Rede von Rente
Er macht einfach immer weiter: von Rente ist lange keine Rede - auch nicht, als er die 85 Jahre überschreitet. Um politische Korrektheit schert sich der "rasende Bernie" da schon längst nicht mehr: Im Interview mit einer russischen Fernsehjournalistin bezeichnet er sich vor einiger Zeit als größten Fan von Präsident Wladimir Putin.
Natürlich macht die Formel 1 jetzt auch in Russland Station – politisch ähnlich umstritten wie die von Ecclestone verordneten Expeditionen des Rennzirkus in den Nahen und Fernen Osten. Aber er hält sowieso nicht allzu viel von demokratischen Strukturen:
"Wenn Du die Leute dazu bringen kannst, Deine Ideen zu unterstützen - dann sieht das nach Demokratie aus. Und genau so sollte es auch sein: Es sieht danach aus."
Millionendeal vor Gericht
Während seiner vier Jahrzehnte währenden Herrschaft über die Rennserie überlebt Ecclestone zig Skandale, über die andere Manager gewiss gestolpert wären. Als es im Münchener Bestechungsprozess um den Verkauf der Formel 1-Anteile 2006 geht, blättert er 2014 75 Millionen Euro auf den Tisch, um einer möglichen Verurteilung zu entgehen.
Er wäre sowieso freigesprochen worden, zeigt sich Ecclestone danach siegesgewiss, aber er habe das Verfahren beenden wollen. Arm hat ihn dieser Deal nicht gemacht: Das Vermögen seiner Familie wird auf mehr als vier Milliarden Euro geschätzt. In der Formel 1 geht es ihm nie nur um den Sport, sondern um die Show auf dem Asphalt.
Lange scheint "Mr. E" unantastbar, auch wenn es in einigen Rennställen grummelt. Doch dann kauft im vergangenen Herbst der US-Konzern Liberty Media die Rechte an der Formel 1. Ecclestone sagt damals ironisch, der neue Besitzer werde nun zur Abwechslung jemanden holen, der Ahnung habe.
Bei diesem kurzen gemeinsamen Auftritt von Ecclestone mit dem neuen Chef Chase Carey zeichnet sich bereits ab, dass die beiden nicht die besten Freunde werden. Jetzt endet in der Formel 1 die Ära Ecclestone.