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Forschung gut aufgestellt

Die so genannte Lissabon-Strategie hat zum Ziel, die EU bis 2010 zum Wirtschaftsraum Nummer eins der Welt zu machen. Zu diesem Zweck hat die EU die Finanzmittel für das Forschungsrahmen-Programm erheblich aufgestockt: um gut 50 Prozent auf rund 54 Milliarden Euro. Wie dieses Geld verteilt werden soll und ob Europa damit für den globalen Wettbewerb gerüstet ist, darüber beraten Experten in Weimar.

Von Wolfgang Hentschel |
    "Gut aufgestellt für FP 7" - so lautete der Titel der Konferenz in Weimar. FP 7 - das ist das Forschungsprogramm der EU mit einer Laufzeit von 2007 bis 2013. Die darin enthaltenen Mittel von 54 Milliarden Euro muss Europa möglichst effizient verwenden - angesichts immer stärker werdender globaler Konkurrenz. Oberste Priorität bei der Mittelvergabe werde daher mehr denn je die Qualität der beantragten Förderprojekte haben, so Peter Dröll, der Kabinettschef im Forschungs-Kommissariat der EU:

    "Es zählt die Qualität des Bewerbers, es geht um Exzellenz. Das Rahmenprogramm, was wir jetzt vorschlagen und verabschieden, ist mehr als seine Vorgänge auf dieses Prinzip ausgerichtet. Wir geben die Schwerpunkte vor, die wir für die Forschung abarbeiten wollen, aber dann findet eine europaweite Ausschreibung und ein europaweiter Wettbewerb statt. Das ist das, was wir mit dem europäischen Forschungsraum erreichen wollen.""

    Schwerpunkte der Förderung sollen nach dem Willen der EU unter anderem die Bereiche Informationstechnologie, Energie, Biotechnologie sowie Mobilität und Verkehr sein. Keine Rücksicht könne bei der Förderung auf die Länder genommen werden, deren Forschungsprojekte zu wenig Qualität aufweisen würden, so Dröll. In der jüngeren Vergangenheit hätten hier leider die neuen osteuropäischen Mitgliedsstaaten schlecht abgeschnitten. Traditionell stark partizipiert an den europäischen Fördergeldern hätten vor allem Deutschland, Frankreich und England. Dennoch: um Europa auf Dauer wettbewerbsfähig zu halten, müsse noch mehr getan werden.

    "Das zeigt sich beispielsweise daran, dass es sehr viele sehr gute Projektvorschläge gibt, die wir nicht fördern können, die aber gut wären für Europa, im Bereich Umwelt, im Bereich Luftraum, Sicherheit auch oder Grundlagenforschung."

    Ein Blick in die Statistiken zeigt: China etwa steigerte seine Forschungsausgaben in den Jahren 2000 bis 2003 um über 9 Prozent. Die EU-Mitgliedsstaaten nicht einmal um ein Prozent. Deutschland etwa gibt derzeit 2,6 Prozent seines Bruttosozialproduktes für Forschung und Entwicklung aus. Die EU-Vorgabe sei aber drei Prozent, so Beate Konze-Thomas von der Deutschen Forschungs-Gemeinschaft.

    "Eine Steigerung auf drei Prozent bedeutet aber in Deutschland bei einem relativ hohen Bruttosozialprodukt eine Riesenmenge Geld. Es geht da um Milliarden, die da investiert werden müssen."

    Zur Zeit liege einiges im Bereich der öffentlichen Forschung im Argen. Vor allem die Unterstützung der Länder für die Universitäten lasse zu wünschen übrig. In Schweden, Frankreich und England seien die Hochschulen wesentlich stärker in die Forschungs-Förderung eingebunden. Aber auch die Industrie-Forschung in Deutschland mache Sorgen:

    "Die Industrie-Forschung wandert ab, vielfach geht die Industrie in die aufstrebenden Märkte nach Asien und wir müssen irgendwo ein Mittel finden, um das aufzuhalten."

    Den Trend, dass sich die Forschungsförderung in Deutschland vermindert, will Walter Mönig vom Bundesforschungsministerium allerdings nicht bestätigen. Deutschland werde seine Mittel im Bundeshaushalt aufstocken, und war bis 2009 um 6 Milliarden Euro. Insgesamt rechnet Mönig damit, dass Deutschland auch am kommenden Forschungs-Rahmen-Programm von 2007 bis 2013 sehr gut beteiligt wird. Zur Zeit liege der Anteil der nach Deutschland abfließenden EU-Mittel bei 20 Prozent:

    "Das 7. Rahmenprogramm ist jetzt so, dass es viel stärker noch als die früheren Programme auf die Exzellenz der Forschungsprojekte abzielt und gerade bei den Exzellenzprojekten erwarten wir, dass Deutschland einen noch höheren Anteil erreichen kann."