Freitag, 19. August 2022

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Frauen in Saudi-Arabien
"Bedürfnis nach Sport und Fitness wird größer"

Frauen erhalten in Saudi-Arabien ab 2018 Zugang zu ausgewählten Sportstadien. Die Islamwissenschaftlerin Miriam Seyffarth begrüßte im Dlf diesen Schritt. Das Bedürfnis der saudischen Frauen, Sportveranstaltungen zu besuchen oder Sport zu treiben sei sehr groß. Es fehle allerdings immer noch an Räumen, wo Frauen trainieren könnten.

Miriam Seyffarth im Gespräch mit Bastian Rudde | 31.10.2017

    Saudische Frauen auf der Tribüne.
    Erstmals wurden Frauen in Saudi-Arabien in ein Sportstadion gelassen - aus Anlass des Nationalfeiertags. (AFP / Fayez Nureldine)
    Das saudische Königshaus rückt von seinem erzkonservativen Kurs etwas ab – und hat jetzt bekanntgegeben, dass Frauen ab 2018 der Besuch von Stadien erlaubt werden soll. Die Reformen würden allerdings nur in kleinen Schritten durchgeführt, denn sie müssten immer auch gegen den Widerstand konservativer Bevölkerungsteile durchgesetzt werden, so die Islamwissenschaftlerin Miriam Seyffarth. Man wolle die Gesellschaft nicht zu sehr spalten, zwischen den Liberalen, die mehr Rechte und mehr Demokratisierung wollten und den Konservativen, die sich sehr dagegen stemmten, dass Frauen zum Beispiel in Stadien gehen oder Mädchen den Sportunterricht besuchen.
    "Das Bedürfnis der saudischen Frauen nach Sport ist sehr groß, sowohl was das Zugucken bei Sport angeht als auch das selber machen", beobachtet Miriam Seyffarth. "Es fehlt den Frauen aber an Räumen, wo sie tatsächlich trainieren können. Davon gibt es noch viel zu wenig." Deshalb sei es auch sehr wichtig, dass Schulsport in der Breite für Mädchen eingeführt werde.
    Vision 2030 mit vielen Reformen
    Saudi-Arabien habe erkannt, dass es besonders im Bereich der Frauenrechte noch aufholen müsse. Kronprinz Mohammed bin Salman habe die Vision 2030 ins Leben gerufen, die im Wesentlichen die Wirtschaft Saudi Arabiens auf breitere Füße stellen soll. Dazu gehörten aber auch viele gesellschaftliche Reformen.
    Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.