FronleichnamSolidarität mit Flüchtlingen – Ärger mit AfD

Die Katholische Kirche hat Fronleichnam zum Anlass genommen, um mehr Solidarität für die Flüchtlinge zu fordern. Ein Signal sollte vor allem vom Gottesdienst im Kölner Bistum ausgehen. Derweil wirft ein AfD-Landespolitiker den Kirchen ein kommerzielles Interesse an der Flüchtlingskrise vor.

26.05.2016

Kardinal Rainer Woelki feiert die Fronleichnam Messe. Ein Flüchtlingsboot dient als Altar.
Kardinal Rainer Woelki feiert die Fronleichnam Messe. Ein Flüchtlingsboot dient als Altar. (Imago/epd)
Auch heute kamen wieder viele Menschen zum Katholikentag in Leipzig. Rund 15.000 Menschen besuchten auf dem Leipziger Augustusplatz einen Freiluftgottesdienst. In seiner Predigt anlässlich des Fronleichnamsfests rief der Berliner Erzbischof Heiner Koch die Gläubigen zu mehr Solidarität auf. "Kämpfen wir an unseren Orten und zu unserer Zeit für das Leben der Menschen", sagte Koch. Dieser Einsatz müsse auch für Heimatlose und Flüchtlinge gelten.
Aber es gab mahnende Stimmen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, forderte die Katholiken zur Selbstkritik auf. Wenn es um den Missbrauch der Religion gehe, sollten sie nicht nur auf den Islam schauen, sondern auch auf sich selber, sagte Marx bei einer Festmesse auf dem Münchner Marienplatz. Auch Christen hätten Gott für wirtschaftliche und politische Interessen benutzt.
Von Köln wollte das Bistum offenbar ein besonders eindringliches Signal für mehr Solidarität mit den Flüchtlingen senden. Vor dem Kölner Dom ließ Kardinal Rainer Maria Woelki ein sieben Meter langes Flüchtlingsboot aus Malta aufbauen. Es war bei einem Rettungseinsatz im Mittelmeer beschlagnahmt worden. Die Kölner Kirche erwarb das Boot und brachte es gemeinsam mit der Hilfsorganisation Mos in die Stadt am Rhein.
Am heutigen Fronleichnam diente es als Altar. Kardinal Woelki betonte in seiner Predigt: "Wer Menschen im Mittelmeer ertrinken lässt, lässt Gott ertrinken - jeden Tag, tausendfach." Zugleich erinnerte er an die Kölner Aktion der 23.000 Glockenschläge. So viele Flüchtlinge seien seit dem Jahr 2000 im Mittelmeer ertrunken. Nach der Messe, die unter freiem Himmel stattfand, applaudierten die Gottesdienstbesucher.
Die katholische Kirche feiert Fronleichnam am zweiten Donnerstag nach Pfingsten. Der Name bedeutet 'Fest des Leibes und Blutes Christi'. Er leitet sich ab aus dem Althochdeutschen: 'fron' für 'Herr' und 'lichnam' für 'Leib'. Damit wollen die Katholiken an Jesus Christus erinnern. Bundesweit werden Gottesdienste gefeiert. In Prozessionen tragen Geistliche Monstranzen mit der als Leib Christi verehrten Hostie durch die Straßen. Fronleichnam ist gesetzlicher Feiertag in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland sowie ausgewählten Gemeinden in Sachsen und Thüringen.
Die propagierte Barmherzigkeit der christlichen Kirchen stößt Teilen der Alternative für Deutschland bitter auf. Der AfD-Vorsitzende von Bayern, Petr Bystron, warf der katholischen und der evangelischen Kirche vor, über ihre Wohlfahrtsverbände "unter dem Deckmantel der Nächstenliebe" ein Milliardengeschäft mit der Flüchtlingskrise zu machen.
Bayerns AfD-Landesvorsitzender Petr Bystron
Bayerns AfD-Landesvorsitzender Petr Bystron wirft der katholischen und evangelischen Kirche vor, über ihre Wohlfahrtsverbände ein Milliardengeschäft mit der Flüchtlingskrise zu machen. (dpa picture-alliance / Matthias Balk)
Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, sprach von einer Entgleisung. Wer so rede, schlage allein 200.000 ehrenamtlich Tätigen in der Flüchtlingshilfe der Kirchen ins Gesicht.
Vom AfD-Bundesvorstand hieß es lediglich, Bystrons Position sei nicht mit dem Gremium abgestimmt worden. Gleichwohl forcieren AfD-Spitzenpolitiker das Thema.
Offenbar ist die AfD gewillt, die Konfrontation mit den Kirchen zu suchen. Partei-Vize Gauland hatte zuletzt in einem Interview behauptet, die Kirchen versuchten in der Flüchtlingspolitik, "den Staat zu manipulieren". Und die Vorsitzende Frauke Petry meinte noch im Februar, die Kirchen engagierten sich nicht genügend für verfolgte Christen im Mittleren Osten.
Der Osnabrücker Weihbischof Johannes Wübbe erklärte, ohne direkt auf den Fall einzugehen, man sollte die Straßen nicht denen zu überlassen, die "Parolen gegen andere hinausschreien - manchmal sogar im Namen des Christentums".
Der Katholikentag in Leipzig verzichtete darauf, Vertreter der AfD einzuladen. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, sagte zur Begründung, es gehe um konstruktive Dialoge, anstatt den teilweise menschenverachtenden Parolen der AfD eine Bühne zu bieten.
(rei/ach)