Kriegsverbrecher
Früherer bosnisch-serbischer Armeechef Ratko Mladić gestorben

Der frühere bosnisch-serbische Armeechef Ratko Mladić ist tot. Er starb im Alter von 84 Jahren in einem Gefängniskrankenhaus in Den Haag. In der niederländischen Stadt hatte er seine lebenslange Haft wegen Kriegsverbrechen verbracht.

    Ratko Mladic mit ernstem Blick vor einer beigen Wand im Porträt, er hat Kopfhörer auf.
    Ratko Mladic vor dem Strafgerichtshof in den Haag (Archivbild). (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Jerry Lampen)
    Mladić war von 1992 bis 1996 Oberbefehlshaber der Streitkräfte der überwiegend serbisch bevölkerten Republik Srpska innerhalb Bosnien-Herzegowinas. Wegen Kriegsverbrechen im Bosnienkrieg wurde er im Jahr 2017 zu lebenslanger Haft verurteilt. Mladić war zuvor 15 Jahre lang auf der Flucht, wurde aber im Jahr 2011 festgenommen und kam vor den Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag.
    Mladić war neben dem bosnisch-serbischen Politiker Radovan Karadžić maßgeblich verantwortlich für die jahrelange Belagerung von Sarajevo und für das Massaker von Srebrenica im Jahr 1995. Dabei wurden mehr als 8.000 bosnische Männer und Jungen ermordet.

    Oberbefehlshaber der bosnischen Serben

    Mladić wurde 1942 im damaligen kurzlebigen "Unabhängigen Staat Kroatien" in der Nähe von Sarajevo geboren. Seine militärische Laufbahn begann 1965 in der Armee Jugoslawiens. Schon zu Beginn der Jugoslawienkriege im Jahr 1991 war er an Kämpfen beteiligt. Als die bosnischen Serben 1992 ihre eigenen Streitkräfte VRS gründeten, wurde Mladić deren Oberkommandierender. Unter ihm geschahen die Belagerung Sarajevos und das Massaker von Srebrenica unter seiner Führung; es war damals in dem Ort anwesend.

    Völkermord-Anklage und spätere Verurteilung

    Nach dem offiziellen Ende des Bosnienkriegs 1995 wurde Mladić im selben Jahr in Den Haag vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien des Völkermords, der Verbrechen gegen die Menschlichkeit und anderer Kriegsverbrechen angeklagt. Die Armee der Republika Srpska entließ ihn daraufhin als Oberbefehlshaber. Mladić tauchte in der Folge unter und fand offenbar weitgehend unbehelligt von den Behörden in Serbien Unterschlupf. Erst im Mai 2011 wurde Mladić verhaftet. Der Prozess gegen ihn in Den Haag begann einen Monat später und dauerte sechs Jahre: Im November 2017 wurde er in den wesentlichen Teilen der Anklage für schuldig befunden und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, die er in Den Haag verbrachte. Der Vorsitzenden Richter Alphons Orie sagte damals, Mladićs Verbrechen zählten "zu den abscheulichsten, die die Menschheit je gesehen habe".
    Diese Nachricht wurde am 28.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.