Den Haag
Früherer Präsident des Kosovo, Thaçi, wegen Kriegsverbrechen zu 25 Jahren Haft verurteilt

In Den Haag hat das Kosovo-Sondertribunal den früheren kosovarischen Präsidenten Thaçi wegen Kriegsverbrechen zu 25 Jahren Haft verurteilt. Die Entscheidung gilt als politisch hochbrisant.

    Niederlande, Den Haag: Hashim Thaci (l), ehemaliger Präsident des Kosovo, verteidigt sich vor dem Kosovo-Tribunal. Am Kosovo-Sondergericht in Den Haag beginnt der Prozess gegen den früheren Kommandanten der Kosovo-Befreiungsarmee (KLA), Hashim Thaci, sowie gegen drei weitere Führungskader der ehemaligen kosovo-albanischen Miliz, die von 1997 bis 1999 gegen die serbischen Sicherheitskräfte gekämpft hatte.
    Der ehemalige Präsident des Kosovo, Hashim Thaci (Koen van Weel/Pool ANP/AP/dpa)
    Das Gericht befand den 58-Jährigen unter anderem der "rechtswidrigen Festnahme, Folter, des Mordes und grausamer Behandlung" für schuldig. Thaçi bestreitet die Vorwürfe.
    Die Anklage hatte für ihn sowie drei weitere frühere Kommandeure der Kosovo-Befreiungsarmee UCK 45 Jahre Haft gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

    Proteste im Kosovo erwartet

    Die albanisch-kosovarische UCK kämpfte im Kosovo-Krieg in den Jahren 1998 und 1999 für eine Unabhängigkeit des Kosovo von Jugoslawien beziehungsweise Serbien. Im Kosovo werden viele UCK-Kämpfer als Helden verehrt.
    Seit dem Wochenende gab es in der Hauptstadt Pristina Demonstrationen und Solidaritätsveranstaltungen für Thaçi und die weiteren Beschuldigten. Bereits am Nationalfeiertag im Februar hatten zehntausende Menschen für ihre Freilassung demonstriert.

    Rolle des Westens

    Die Gerichtsentscheidung wirft auch ein Schlaglicht auf die Rolle des Westens im Kosovo-Krieg und die Bombardierung Serbiens durch die NATO 1999. Bei den wochenlangen Luftschlägen gegen serbische Einheiten kämpften die NATO-Länder und die UCK faktisch auf einer Seite.
    Diese Nachricht wurde am 16.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.