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Fußball
Platini contra Blatter, UEFA versus FIFA

Die europäische Fußball-Union geht vor dem FIFA-Kongress am nächsten Mittwoch in Sao Paulo auf offenen Kollisionskurs mit dem Weltverband. Die UEFA werde sich mit aller Kraft gegen die geplante Wiederwahl Sepp Blatters stemmen, teilte ein Sprecher von Präsident Michel Platini mit.

Von Thomas Kistner | 04.06.2014

Die UEFA sei schon mit ihren Verbänden im Gespräch, um für ihr Treffen am Tag vorm FIFA-Kongress eine gemeinsame Position zu erarbeiten, wie man sich gegen die geplante fünfte Amtsverlängerung Blatters stellen könne. Bereits vor Monaten hatte Platini angekündigt, dass er erst nach der WM entscheiden wolle, ob er gegen Blatter kandidiert beim Wahlkongress im Mai 2015. Blatter wiederum, der nach seiner letzten Wiederwahl 2011 versprochen hatte, dies werde seine letzte Amtszeit sein, verkündet seit Monaten, dass seine "Mission" an der FIFA-Spitze noch immer nicht beendet sei.

Bei der UEFA heißt es, Platini werde nun mit Europas Verbänden "die beste Reaktion auf Blatters Wiederwahl diskutieren". Das sei aber nur der erste Schritt. Nach dem Konvent in Sao Paulo will die UEFA einen Kandidaten finden, falls Platini nicht selber antritt. "Dann wird es auf jeden Fall ein anderer tun", betont der Berater des Präsidenten; auf keinen Fall ließe man Blatter alleine kandidieren.
Das ist bemerkenswert, weil außer Platini niemandem echte Chancen gegen den Amtsinhaber zugetraut werden. Doch Blatter gerät durch erneute Bestechungsvorwürfe um die WM-Vergabe an Katar schwer unter Druck. Millionen-Zahlungen werden dem Ex-Funktionär Mohamed Bin Hammam angelastet. Der aber war viele Jahre lang Blatters engster Vertrauter – und sein zentraler Wahlkampfhelfer.
Der UEFA geht es bei ihrer offenen Konfrontation nicht unbedingt darum, die FIFA-Präsidentenwahl zu gewinnen – sondern, wie es heißt, um ein klares Zeichen gegen Blatter. Was mögliche Kandidaten anginge, sei alles offen, sagt der Sprecher. Es gebe Vorgespräche, doch sei noch niemand angefragt worden, heißt es am UEFA-Sitz im Schweizer Nyon. Sogar ein Kandidat von außerhalb Europas sei denkbar.
Der UEFA-Widerstand zielt nicht nur auf Blatter, sondern auch auf den möglichen dritten Kandidaten: Der Franzose Jerome Champagne, der viele Jahre als Blatters außenpolitischer Berater fungierte, hat seinen Hut bereits in den Ring geworfen. Er gilt als fähiger Mann, doch drohen ihm Glaubwürdigkeitsprobleme aus seiner stets loyalen Haltung zu Blatter.